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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 1)

ÄL

der Südtiroler Frescantenschule ging der bedeutendste mittelalterliche Alpenkünstler und

hervorragendste, dem Namen nach bekannte Meister des österreichischen Mittelalters überhaupt,

 Michael Facher, hervor. Vom Haus aus Maler, unterhielt er in seiner Heimatstadt

 Bruneck eine in den bayerisch-üsterreichischen Gebirgslanden rasch zu Ansehen

gelangte Werkstatt für kirchliche Kunst, in der er den plastischen Schmuck der von ihm

in Accord übernommenen Altare durch eigene Bildschnitzer nach seinen Zeichnungen und

unter seiner Oberleitung herstellen ließ. Dieser Vorgang, welcher der damaligen Uebung

in den süddeutschen Malerwerkatatten entsprach, wird bestätigt durch die Verschiedenheit

der Schnitzarbeit an den einzelnen Altaren Pacher's, deren vorzüglichste Gemälde dagegen

auf eine und dieselbe Hand zurückgehen. Auch an den großartigen Sculpturen des Hauptwerltes

 des Pachefschen Ateliers, des berühmten, in den Jahren 14.77 bis X481 verfertigten

 Hochaltares von St. Wolfgang rührt - entgegen der herrschenden Ansicht -

nur die Grundidee und die Bemalung der Statuen von dem verantwortlichen Meister her.

Ausgeführt wurden sie von einem unbekannten Südtiroler Schnitzer und dessen Gesellen.

Ebenso ergibt die Stilbetrachtung der Gemalde des Altares eine genaue Scheidung des

persönlichen Antheilea Michael Pacher's von dem seines Bruders Friedrich und zweier

anonymer Nebenmeister. Michael Pacher's Starke liegt einerseits in der Composition und

Charaltterschilderung, andererseits in seiner perspectivischen Meisterschaft, vor Allem

einer virtuosen Architelrturmalerei, sowie in der plastisch-anatomischen Darstellungsweise

der menschlichen Gestalt, die er im Anschlusse an Mantegna und die veronesische Schule

ausgebildet hatte. Durch diese Vorzüge ist er seinen oberdeutschen Zeitgenossen urn

mehr als ein Menschenalter voraus, wie denn der Wolfganger Altar in seiner Vereinigung

von Schnitzwerlt und Malerei sich als das maßgebende Denkmal der ganzen süddeutschalpinen

 Kunstentwicklung im ausgehenden Mittelalter darstellt. Der Vortragende illustrirte

seine Ausführungen durch eine Auswahl von Probedruclten aus einer umfassenden Publication

 des Wolfganger Altares, die er mit Unterstützung des Unterrichtsministeriums vorbereitet.



Am 17. December hielt Custos Wendelin Boeheim einen Vortrag aDer Verein

für historische Waßenkundeu. Der Hauptinhalt dieses Vortrages ist an anderer Stelle

wiedergegeben,

Litteratur - Bericht.

Werkbuch des Decorateurs. Eine Darstellung der gesammten lnnendecoration

 und des Festschmuckes in Theorie und Praxis. Von Ferdinand

Luthtne r. Vollständig in 15 Liefergn. a t Mark. Stuttgart, Berlin,

Leipzig. Union, Deutsche Verlagsgesellschaft.

Als Fortsetzung des im Jahre 1886 erschienenen uWerkbuch des Tapeziersn ist

das vorliegende Buch sowohl für den Fachmann als Architekten, Decorateur oder Tapezier,

 als auch für den für Decorationskunst sich interessirenden Laien gedacht, Mit

Recht legt der Verfasser großes Gewicht darauf, dass gerade der Consument der Decorationskunste,

 der seine Wohnraume ausstattende Privatmann einen gelauterten Geschmack

sich erwerben moge, denn gewiss gilt der Satz zu Recht: v-Sage mir, wie Du wohnst,

und ich sage Dir, wer Du bistu. Nicht minder müssen wir dem Verfasser beipflichten,

wenn er behauptet: 1- Keine ästhetischen Vortrage vermbgen in der heranwachsenden

Generation die Fähigkeit zum Genusse des Schonen so intensiv zu wecken, wie jener

ununterbrochene Anblick des Wohlgeordneten, den eine nach den Gesetzen des guten

Geschmacks gescliaifene Wohnungseinrichtung unbewusst von Jugend auf gewahru

Der Inhalt des Buches, von dem bis jetzt sieben Hefte vorliegen, soll eine vom

Standpunkte des Decorateurs behandelte Unterweisung über den inneren Ausbau der

Wohnung enthalten, welche in zwei Hauptabschnitte zerlegt ist, t. in die Decoration

in der Hausausstattung, und 2.. in die Fest- und Gelegenheitsdecoration. - Von den

zahlreichen Illustrationen des Buches, welche durch Wechsel der Darstellungsweise

und des Maßstabes ihre verschiedenartigste Herkunft kennzeichnen, vermögen wir

so manche nicht als vorbildlich anzuerkennen, so namentlich nicht das sogenannte

.Herrenzimmer- einer Villa im Taunus, und die verschiedenen lnlerieurs aus Frankfurter

 Villen. welche letztere theils nuchternste Detßrltionsweise, theils die auf Seite 51

des Buches gekennzeichneten, unrnotivirten Tapeziers-Kunststücke zeigen. H-e.
            
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