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Objekt: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 167)

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sogenannten geschulten und gebildeten Elementen gibt, welche in der 
heutigen bürgerlichen Gesellschaft keine nützliche Verwendung finden. Es 
ist zur Genüge bekannt, dass die Zahl der Ingenieure, Architekten, der 
Lehramtscandidaten für bestimmte Zweige des Wissens, der Juristen und 
Advocaten in einer bedauerlichen Weise überhandgenommen hat, während 
im Bürgerstande fortwährend über den Mangel geschulter Arbeitskräfte 
geklagt wird. Diese und ähnliche Erwägungen sind mir wiederholt in den 
Sinn gekommen, als ich heuer einige Schulausstellungen von Gewerbe-, 
Zeichen- und Fortbildungsschulen angesehen und die Leistungen dieser 
Schulen geprüft habe. 
Man kann nicht genug Anerkennung denjenigen Körperschaften und 
Personen zollen, welche bemüht sind, das Ausstellungswesen der Schule 
(insbesondere der Gewerbe- und Zeichenschulen) zu fördern; denn es ist 
dies die einzige Möglichkeit, sich Einsicht in die Resultate des Unter- 
richtes zu verschaffen. Bedauerlich, speciell für Wien, ist der Umstand, 
dass die Ausstellungszeit der Schulen sehr kurz ist, so dass es ganz un- 
möglich wird, zu einer auch nur einigermassen genügenden Uebersicht 
sämmtlicher Schulen zu gelangen; dass es in Wien speciell kein gemein- 
sames Ausstellungslocal (wenigstens für Schulen desselben Charakters) gibt 
und dass auch die Prüfung und Prämiirung der Schularbeiten nicht von 
der Fachcommission ausgeht, welche nach einheitlichen Gesichtspunkten 
vorgeht. Aber wie auch immer in der Organisation des Ausstellungswesens 
der Schulen Mängel mancher Art hervortreten, so ist es gewiss sehr löblich, 
dass ausgestellt wird und dass man überhaupt dem Ausstellungswesen 
eine erhöhte Aufmerksamkeit schenkt. Denn in dem Momente, wo in den 
massgebenden Kreisen die Wichtigkeit der gewerblichen Fach- und Fort- 
bildungsschulen, der Zeichenschulen u. s. f. anerkannt wird, werden auch 
die Mängel in Erwägung gezogen werden, welche dem jungen und noch 
wenig organisirten Ausstellungswesen anhaften. Denn daran ist nicht zu 
zweifeln, dass allen Schulen der Art die grösste Aufmerksamkeit und ein 
grosses Wohlwollen entgegengebracht wird und dass sich an die reellen 
Resultate der Schulen Hoffnungen aller Art anknüpfen. Man erwartet ja 
gerade von diesen Schulen. dass sie dazu beitragen, den Volkswohlstand 
zu heben, den Klagen der Kleingewerbetreibenden, wenigstens insoweit 
dies eben durch Schulen möglich ist, eine Abhilfe zu bringen und Lust 
und Behagen an der gewerblichen Arbeit in den weiten Kreisen des Hand- 
werkerstandes zu verbreiten. Inwieweit dies erreicht wird, beurtheilen zu 
können, sind Schulausstellungen geeignet, und desto mehr geeignet, je 
genauer das Ausstellungsprogramm formulirt und durch statistische Nach- 
weise unterstützt wird. 
Bei dem Rundgange durch mehrere Ausstellungen sind mir mehrere 
bemerkenswerthe Thatsachen aufgefallen. Im Ganzen und Grossen sieht 
man, dass besser und methodischer gezeichnet wird, als es früher der Fall 
wer. Der wilde Naturalismus von ehemals hat fast ganz aufgehört, nur
	        
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