Bild der Entwicklung der Spitzennäherei und Klöppelei seit dem 16. Jahrhundert
bis an das Ende des 18. Jahrhunderts. Der Zahl nach überwiegen
die italienischen Spitzen, wie es ihrer Bedeutung und der langen Dauer
ihrer Bliithezeit entspricht. Aber auch von älteren Brüsseler und von
Mechler Spitzen, sowie von den verschiedenen französischen Spielarten
der Nähspitze, endlich von spanischen Spitzen finden sich erlesene Beispiele
vor.
Zur Technik des Tassilokelches.
ln den Sommermonaten des Jahres 1896 arbeitete ich an einer
farbigen Abbildung des Tassilokelches. Hiebei war mir die hochwillkommene
Gelegenheit geboten, das genannte kostbare Kleinod des Stiftes
Kremsmünster näher zu studiren. Mein Augenmerk richtete sich hiebei,
den Umständen entsprechend, hauptsächlich auf die Herstellungsweise, auf
Material und Technik, und ich suchte hievon so viel als irgend möglich
klarzustellen, soweit dies durch eine gewissenhafte Ocularinspection geschehen
konnte; denn jedes, durch irgend einen noch so geringen Angriff
auf die Substanz herbeizuführende Untersuchungsergebniss war ja selbstverständlich
ausgeschlossen.
Das, was sich constatiren ließ, ist in mehr als einer Beziehung
wichtig und mittheilenswerth; es mag daher in Folgendem kurz zusammengefasst
der Oeffentlichkeit übergeben werden.
Der 25 Centimeter hohe, im größten Durchmesser (am Rande)
i5'5 Centimeter haltende Kelch ist aus Kupfer, im Feuer stark vergoldet,
und mit niellirten Silberplättchen incrustirt. Sein Nodus war mit kreisrunden
Steinchen besetzt, von denen nur mehr wenige (von rother und
grüner Farbe) erhalten sind.
Die allgemeine Configuration des Gegenstandes sowie die Anordnung
der schmückenden Elemente ist so weit ausreichend bekannt, dass, ohne
hievon eine Beschreibung zu bringen, auf die technischen Eigentbümlichkeiten
des Ganzen eingegangen werden kann.
Der Kelch ist aus drei Theilen zusammengesetzt, und zwar aus der
Cuppa, sodann aus dem Fuße, der mit dem Nodus aus einem Stück
besteht, endlich aus dem zwischen dem Nodus und der Cuppa eingefügten,
eine Reihung von Ellipsoiden vorstellenden Ring. Hauptform und
Zusammenfügung der einzelnen Theile entsprechen vollkommen der in
der Schedula diversarum artium des Theophilus Presbyter
enthaltenen Art der Herstellung eines Kelches, mit Ausnahme zweier
geringfügiger, unterscheidender Einzelnheiten, die darin bestehen, dass
der beim Tassilokelch unterhalb der Cuppa angebrachte Zapfen zur Vereinigung
der beiden Haupttheile nur sehr sorglos breitgeschlagen (genietet)
ist, während Theophilus den Verbindungszapfen mit einer schmalen Feile
bis zur Hälfte kreuzweise (in vier Theile) spaltet, Cuppa, Astragal und