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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 5)

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fabrik zu Grunde gehen könne, während die Meißener Manufactur immer

großartiger emporblühte, in bedrohende Schulden; als die verschiedentlichen

 Gläubiger der Fabrik, unter welchen Christoph von Gudenus

mit 12.000 Gulden der bedeutendste war, mit der Execution drohten,

wandte sich du Paquier in seiner Verzweiflung an den Kaiser um Hilfe;

aber Hoil und Staat hatten weder Geld noch tiefer gehendes Interesse

für industrielle Unternehmungen: der politische Himmel hatte sich seit

der Publication des kaiserlichen Patents vom Jahre 1717 bedrohlich

umwölkt, und ernste Sorge betreifs der Durchführung der pragmatischen

Sanction hemmten den schönen Anlauf, der zur Hebung von Handel

und Gewerbe genommen worden war. Doch that der Kaiser für die

Fabrik, was in seinen Kräften stand: er ließ den "Bürgermeister und

den Sladtrath von Wienn {u dero gehaimbe Haf-Canrlgß-Rath erfordern"

und ihnen hier eröffnen, dass es sein Wunsch sei, die Gemeinde solle

„der von dem Claudi Innocent du Paquier alhier eingeführt- und in

Schulden verfallenen Porcellanfabrik unter die Armb greifen, denen

vermittelst ger. executionem antringenden creditoren ihr Schuldposten

per cessionem ablösen und denenselben {u deren bedürftigen Nothwendigkeiten

 rusammen 18.000 Gulden gegen real Versicherung auf dessen

Haus, Grundstückh, dermals vorhandenen und künftig weitheres fabricierenden

 Porcellan-Vorrath uorschießen" 1"). - Die Stadtvertretung erklärte

 sich hierzu unter den nachfolgenden Bedingungen bereit: 1. müsse

du Paquier „das arcanum seiner Porcellanfabrie {u allergnädigst kays.

Händen erlegen" (damit im Falle seines Ablebens die Fabrik fortgeführt

 werden könnte); 2. mlisse er zu dem gleichen Zwecke „ein und

anderen hiesigen Landeskindern sothane Arbeith mit bedingnuß der Verschwiegenheit

 lehren"; 3. müsse er „dem Stadt-Rath dieses Darlehens

beykommende Obligation cum ceriioratione suae conjugis extrordieren";

4. sollte bestimmt werden, „dass auf sothane Fabric solange niemand

eine Execuiion führen möge, bis nicht ein Stadt-Ruth wegen anticipierten

18.000 Gulden in capitali und Interesse volständig wird befriedigel sein";

5. solle „dem Studt-Rath freystehen, wochentlich durch abgeordnete

Commissarien die Bücher bey der Fabric in Empfang und Ausgab {u

durchsuchen, und ob die gemainer Stadt bey ihrem Capital gesichert

sey? sowohl den wahren Bestand als auch den durfür erstandenen Werth

und weitheres anschafenden Porcellan-Vorrath {u durchsehen" (28. November

 1727). .

Du Paquier und seine financiell an dem Unternehmen betheiligte

Gattin"), sowie der Bürgermeister und der Stadtrath von Wien wurden

W) Die betrelfenden Acten befinden sich im Archiv der Stadt Wien.

11) Du Paquier hatte eine Witwe geheiratet, die ihm mehrere Kinder mit in die

Ehe brachte. Sein ältester Stiefsohn Carl war in der Porzellanfabrik thätig; seine und

seiner Geschwister spätere Lebensschicksule lassen sich nicht verfolgen, weil ihr Name

in den Acten nicht genannt ist.
            
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