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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 6)

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gebrachte Art anlehnen. Doch die außerordentliche Prunkliebe Ludwigs

des XlV., der wohl nicht umsonst den Beinamen nle Roi-soleilu führte

und sich demgemäß mit Pracht und Glanz umgeben wollte, verlangte

neue Decorationsweisen. Die steifen, goldgestickten Hoftrachten passten

nicht mehr in eine Umgebung von Holz, und so sehen wir, wieder durch

äußere Umstände hervorgerufen, eine neue Art eingelegter Arbeit,

wir können wohl nicht sagen entstehen (siehe den Schreibtisch Fig. g,

A. de Champeaux, uLe meublei- ll. aus der Zeit Louis XllL; auch vL'art

pour touse, Jahrg. 3, Taf. 354i, aber doch mit mächtigem Drange sich

entwickeln. Diese neue Technik gehört, streng genommen, nicht mehr

zur lntarsia, denn das zur Decoration verwendete Materiale ist nicht

Holz, sondern Schildpatt und Messing. Hier und da tritt auch noch

Perlmutter, Bein, Zinn und wohl auch Kupfer hinzu. Es werden also

Materiale benützt, denen vermöge ihrer Beschaffenheit technisch ein bedeutend

 erhöhterer Glanz verliehen werden kann, als dem Holze. Kam

Holz an der Oberfläche der Obiecte dennoch zur Verwendung, so war

es das edelste und härteste, das Ebenholz. Dies geschah aber fast nur zu

Einfassungen und Umrahmungen für die eigentlich constructiven Theile.

Um die Pracht des Mobiliars weiter zu steigern, kam auch noch die

Verwendung von feinciselirter und vergoldeter Bronze hinzu. Es ist nicht

zu leugnen, dass die echten Boulle-Möbel einen prächtigen, oder sagen

wir besser, einen prunkvollen, äußerst vornehmen und gemessenen Eindruck

 hervorrufen und dass sie wohl vollkommen zu ihrer Umgebung,

in die Umgebung des französischen nSonnen-Königsu, gepasst haben

mögen. (Boulle-Mübel finden sich abgebildet in Graesse, vDas grüne Gewölbe

 zu Dresden-z; wL'art pour tousu; A. de Champeaux, vLe meubleu;

Bucher ät Gnauth, w-Das Kunsthandwerku; Williamson, wLe mobilier

national-i; Gurlitt, wMöbel deutscher Fürstensitze-i; ferner eine moderne

Arbeit von J. v. Storck und Franz Michel, Tisch für Aquarelle ußlätlß!"

für Kunstgewerbeu, Band XlX, Taf. 17 und I8.)

Die technische Herstellung der Boulle-Einlagen entsprach jener in

Holz, nur mit den Abänderungen, welche die Eigenschaften des Materiales

geboten. Die Metallplatten waren in jeder für Möbelbestaudtheile ausreichenden

 Größe zu haben, hierdurch ergab sich also, wie beim Holze, keine

Einschränkung. Dagegen erhielt man in Schildkrot oder Schildpatt nur

kleinere Stücke, die der Zeichnung angemessen nach gezähmten, ineinander

greifenden Linien zusammengeschnitten und zusammengesetzt werden

mussten. Heute ist wohl auch diese Schwierigkeit beseitigt, denn man löthet

und schweißt echtes Schildpatt wie Metall, je nachdem man es braucht. Nach

erfolgtem Zusammensetzen wurde die untere Fläche der Schildkrotplatte mit

entsprechenden Werkzeugen glatt geputzt und mit farbigem Papier unterlegt.

Wir sehen daher bei den Boulle-Arbeiten dieses Material in verschiedenster

Färbung: schwarz, grün, zumeist roth, aber auch golden und selbst

silberfarben. Metall und Schildpatt wurden nun mittelst geleimter Papier;
            
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