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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 7)

V 421

denn diese sogenannten Liebhaberkünste haben mit der ernsten, berufsmäßigen Beschaftigung

 des Kunsthandwerkers, deren Pflege uns vor Allem am Herzen liegt. nichts

gemein. Aber die reiche Auswahl an Mustern - und zwar an recht brauchbaren Mustern

der Rund- und Hohlschnitt-Technik - die das erste Heft auf to Tafeln bringt, machen

das Werkchen ganz geeignet für den Gebrauch in der Werkstätte des Tischlers und

Drechslers, wie nicht minder in derjenigen des Holzschnitzers, der für Mobeldecor arbeitet.

 Und auch die betreffenden Schulwerltstätten gewerblicher Lehranstalten können

mancherlei Nutzen aus den gebotenen Motiven ziehen. Als Vorlagen für den Zeichenunterricht

 möchten wir die Tafeln selbst allerdings nicht verwendet sehen, da sie in

einer zu primitiven Weise die Muster wiedergeben; und außerdem sind wir der Meinung,

dass derartige Motive besser nach plastischen Modellen als nach Vorlagen zu zeichnen seien.

Man sieht es der Publication an, dass die Herausgeber bemüht waren, ein recht

billiges und handsamcs Werkchen zusammenzustellen. Und das ist ihnen auch gelungen.

Für den Gebrauch in der Werkstätte sind die Darstellungen, trotz ihrer primitiven

Manier, vollständig ausreichend.

Dass die Sparsamkeit die Herausgeber genöthigt hat, auf der ersten Tafel die

graphische Anleitung zum Gebrauche von Werkzeugen und sonstigen Arbeitsbehelfen

zusammenzudrangen, knmmt für uns nicht in Betracht. Der Handwerker braucht eine

derartige Anleitung nicht, die ist eben nur für den Dilettanten bestimmt.

Das zweite Heft bringt auf fünf Großfnlio-Tafeln zunveist Anwendungen der im

ersten Hefte gebotenen Motive. XVir hätten es geine gesehen, dass die Herausgeber sicli

die Wiedergabe von Objecten zur Aufgabe gestellt hatten, die auch dem Handwerker

mehr Nutzen bieten würden. Deren gibt es aber in dem Werltchen vorlauüg nur wenige.

Die meisten Gegenstände tragen unverkennbar den Stempel ihrer Bestimmung: ifür den

Liebhaberkünstlen. Da die Herausgeber jedoch die Sammlung fortzusetzen beabsichtigen,

 so ist eine etwas großere Rücksichtnahme auf den Gebrauch derselben in der

nwerkstatte- nicht ausgeschlossen. O. B.

k

Max Klinger. Radirungen, Zeichnungen, Bilder und Sculpturen des

Künstlers mit drei vollständigen Folgen: Zeichnungen über das Thema

nChristusa, Einwürfe zu einer griechisch-römischen Gedichtsammlung

und ßEine Lieben, Rad. op. X in Nachbildungen durch Heliogravure.

Text von Franz Hermann Meissner. München, Franz Hanfstängel,

1897. gr. F0]. 68 Text- und 6i Vollbilder. H. 120.-.

Klingefs Werke sind noch lange nicltt so allgemein bekannt, seine Kiinstziele so

offenkundig, seine Schßpfungen so leicht zugänglich. wie es der Bedeutung des Meisters

entsprechen würde. Abhandlungen und illustrirte Zeitschriften haben zwar einzelnen

Werken weitere Verbreitung verliehen, gerade dadurch aber, dass sie meist aus größeren

Zusammenhängen herausgerissen waren, manches schiefe, einseitige und unzutretfende

Urtheil über Klinger hervorgerufen. Demzufolge ist im großen Ganzen das Bild seines

künstlerischen Wesens noch unklar und verschwommen, Man begnügt sich mit ziemlich

allgemeinen Vorstellungen. Man weiß, Max Klinger sei eine stark persönliche, eigenwillige

 Natur, ein Künstler, der auf Beifall und Anerkennung lange verzichten musste,

dessen kleiner Anhang aber dafür mit um so großerer Begeisterung für ihn eintrat.

Man gibt gerne zu, dass seine Compositionen individuellates Geistes- und Ciemütlisleben

otTenbaren, bestreitet auch ihre zuweilen packende Wirkung nicht, fühlt sich aber gleichwohl

 ivenig angezogen von einer Form, die jeder malerischen Wirkung abhold, bald

nach realistischer, bald nach symbolistischer Richtung graritirt. - Damit ist das allgemeine

 Empfinden, das Urtheil der Menge über den Künstler ziemlich erschöpft. Wie

man sieht, ist es lückenhaft und ungenau genug. Die bewunderungswürdig scharfe psychologische

 Momentaufnahme, wie sie in seinen berühmten Cyklen vorliegt, die herbe Poesie

seines Wesens, die auch bei den realistischen Compositionen nicht versiegt, sein eigenthürnliches

 Sich-Versenken in die großen Daseinsprobleme, der betvunderungswürdige

Aufbau einer Welt von Allegorien, phantastisch wild und unbarmherzig wahr, endlich die

verheerende Glut einer Alles dahinralfenden Leidenschaft, das sind Vorzüge und Eigenschaften,

 die nur aus dem gesammten Schaffen des Künstlers richtig erkannt und gewürdigt

 werden können.

Das Erscheinen eines mächtigen Foliobandes mit zahlreichen phutomechanischen

 Reproductionen bildete daher ein Ereigniss, das weit über den Kreis der

engeren Klinger-Gemeinde hinaus mit Freuden begrüfit wurde. Man hegte die Hoßnung,

nun dem Verstandnisse Klingefs entgegengeführt zu werden und sich mit kritischem

Ernst in diese aller Schablone zuwiderhandelnde Künsilernatur versenken zu können.
            
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