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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 8)

graphien und der von den Letztgenannten ihrem Werke -Les Dells Robbian angefügte

Katalog der in Italien und in den hauptsachlichsten Museen Europe's existirendcn Arbeiten,

 welcher 78 Folioseiten umfasst, kann, was Vollstandigkeit betrifft, wohl kaum

übertroffen, er kann nur noch ergänzt werden und in dieser Hinsicht ist es Reymond

gelungen, manches Neue hinzuzufügen.

Marcel Reymond gibt in seinem vorliegenden Werke keine Lebensgeschichte

dieser Meister, die Nachrichten über dieselben sind auch so knßPPi dass dem bisher

Veroffentlichten kaum etwas Neues hinzugefügt werden konnte, aber er'bietet eine gee

wissenhafte Studie über die künstlerische Bedeutung und die Stellung

ihrer Werke, eine Studie, die erst ermöglicht wurde, seit die weltbekannte Firma

Alinari in Florenz es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle, auch die entlegensten

Arbeiten der Robbia in vorzüglichen photographischen Aufnahmen der Oeffentlichkeit zu

übergeben.

Das in Großquart hergestellte Werkchen Reymondk enthalt nun auch einen überraschenden

 Reichthum vorzüglicher Abbildungen, fast zoo an der Zahl, die, was für den

Oesterreicher besonders erfreulich erscheint, mit Benutzung der Aufnahmen Alinarfs aus

dem Atelier von Angerer öt Göschl in Wien hervorgegangen sind und durch Scharfe

der Wiedergabe den Wunsch nach einem größeren Maßstabe bei vielen der Abbildungen

zurücktreten lassen.

Neben Lu c a D e l l a R o b b i a, dem der Ehrenplatz neben seinen Zeitgenossen

 Ghiberti und Donatella längst gesichert ist, holft Reymond durch Vorführung

der Hnuptwerke seines NeEen Andrea, des Bildhauers des Franciscaner-Ordens par

eitcellence, deren Abbildungen er der Mehrzahl nach zum ersten Male veroEentlicht,

auch diesem, dessen Namen bisher durch denjenigen seines Oheims verdunkelt wurde,

einen ersten Platz unter seinen Zeitgenossen zu verschaffen. Die Thätigkeit Andrea's,

dessen Werke, so weit sie unter dem EinHusse Luca's entstanden sind, sich von den

Arbeiten des Letzteren nur wenig unterscheiden, ist so groß und mannigfaltig, wie die

eines Malers, da sein Material, der Thon, ihm eine fast gleich rasche Arbeit gesnattet. Von

den einfach-edlen Conceptionen Lucifs ausgehend, steigert er in seinen figuralen Werken

die Ausdrucksweise bis zu den großartigsten und beweglichsten Scenen.

Wer im Buche Reymontfs die Abbildungen der Werke dieses Meisters aus den-i

entlegenen Apenninenkloster des heil. Franciscus zu Verna gesehen hat: die vor dem

Christuskinde betende Madonna, die Verkündigung und vollends die Kreuzigung,

 der wird Andrea die Berechtigung, unter den Ersten seiner Zeit zu stehen,

nicht absprechen und das Beginnen Reymond's als kein vergebliches erachten.

Außer Andrea erfährt auch noch dessen Sohn Giovanni, der letzte Robbia-Sprosse,

 der die Kunst seines Hauses in Florenz mit Ehren und Erfolg weiterführte, eine

eingehende Würdigung. Auch seine Thatigkeit ist, wie diejenige seines Vaters, ganz der

kirchlichen Kunst gewidmet. Seine Werke sind, was die ßguralen Compositionen anbelangt,

 noch complicirter und reicher, die ornamentale Ausstattung derselben verstans

diger und luxuriöser als diejenige seiner Vorfahren. Giovanni hat auch, entgegen dem

Brauche der Letzteren, auf einer Anzahl seiner Werke seinen Namen angebracht.

Jedem der genannten drei Meister widmet Rcymond eine specielle Studie und an

der Hand der jedem derselben documentarisch angehörigen und datirten Werke sucht

er unter den Hunderten von auf uns gekommenen, Jedem von ihnen seinen Theil sicher

zu stellen. Er steht hiebei in manchen Punkten nicht in Uebereinstimmung mit der

allgemein giltigen Classißcation, namentlich weist er eine Serie von Madonnen-Reliefs

zurück, welche neuerdings als Luca zugehürend in die Kunstgeschichte eingeführt werden

sollen. So in erster Linie die im Museum von Oxford befindliche Madonna "Drury

Fortnumv, zwischen welcher und den Madunnen des Luca von Via dell' Agnolo und

S. Pierino Bade Ankllnge entdecken will.

Was uns aber die Arbeit Reymond's besonders sympathisch macht, ist das von

ihm befolgte genaue Eingehen auf die architektonischen und ornamentaldecorativen

 Beigaben der Werke der Dells Robbia, auf Gebalk- und Pilasterschmuck,

Guirlanden, Fruchtschnüre eti:., durch welches er eine weitere Handhabe für die Zeitbestimrnung

 der Werke erhält. ln dieser Beziehung bespricht er die Arbeiten Luefs

für das Sacellum Michelozztfs in S. Miniato und für die Capelle des Cardinals Portugal

ebendaselbst, für die Seitencapelle in S. Giobbe in Venedig, für die beiden Baldachine

in der Collegiulkirche dell'lmpruneta bei Florenz und für Brunellestds Capella Pazzi.

Weitere seine herrlichen Wappenmedaillons an der Fassade von Or San Michele und

am Palazzo Quaratesi, die er neben Ghibertfs Thürutnrahmungen für die schönsten Werke

der decorativen Kunst Italiens erklärt. '

Von den Werken Andrea's behandelt er unter diesem Gesichtspunkte den Gebälkschmuck

 in Sangallds Madonna delle Carceri in Prato und du Tonnengewolbe in der

Vorhalle des Domes von Pistoia.
            
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