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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 11)

Lange's, welche sich auf die Lanzknecht-Holzschnitte stützt, hat viel Ansprechendes:

nVielleicht lasst sich eine gewisse Ausgelassenheit in Flotner's Kunst, seine Vorliebe

für schmutzige. ja obscone Darstellungen mit auf eine solche, in dieser Hinsicht bildende

Periode seiner Jugend zurückführena.

Zwei andere Punkte ergeben sich aus den beigebrachten Archivalien: dass F. in

erster Linie Bildhauer war, und sich nicht Flbtner, sondern Flattner, Flaitner oder

Flatner nannte (die Form Flottner oder Floitncr kommt erst nach seinem Tode vor).

Lange meint, dass der Name Flattner zu dem vom Künstler als Wappen gebrauchten

Flügelpaare (flattern) oder gar zu jenem öfter wiederkehrenden ungewissen, von Lange

als Flade, Koth, gedeuteten Gegenstande, Veranlassung gab, so dass wir darin eine

redende Signatur zu sehen hatten. '

Von seinem Werke kommen zunächst die Holzschnitte zur Besprechung. Von

den zwölf Konigen will ihm Lange nur vier zutheilen; die übrigen seien von anderer

Hand. ich kann dem Verfasser auf diesem Gebiete nicht folgen, seine Anschauung scheint

mir aber wegen der Gleichartigkeit der xylographischen Ausführung wenig glaubhaft.

L. sucht sodann den Antheil festzustellen, welchen Flotner an der Illustration der beiden

Bücher des Rivius genommen habe; die Ausbeute ist eine so bedeutende, dass man darnach

 annehmen musste, nFloiner habe die letzten Jahre seines Lebens fast ganz auf diese

Arbeit verwenden lm Uebrigen bringt L., nachdem W. Schmidt die Liste Reimers' so

bedeutend erweitert hat, nichts Neues oder wenig Sicheres vor; die von Reimers erhobenen

 Zweifel, ob Flotner der Urheber der Wyssenhach'schen Folge war, theilt Lange

nicht; er gilt ihm dafitr.

Reicher fiel die Ausbeute auf dein Gebiete der Handzeichnungen aus. Den

bisher bekannten ornamenialen Handzeichnungen konnte Lange neun weitere zuweisen:

 acht in der Universitats-Bibliothek von Erlangen befindliche aus den Jahren

1526-1540 -sie gelangten vermuthlich aus der lmhoPschen Sammlung dahin) und eine

kürzlich in Dresden versteigerte. Außer Entwürfen zu verschiedenen Gebrauchsgegenstanden

 ist da auch ein Entwurf zu einem Epitapliium. der sich inhaltlich und formell

als ein sehr bedeutendes Werk charakterisirt.

Von Handzaichnungen mit figürlichen Darstellungen fuhrt Lange vier, bisher

nicht allgemein bekannte, an: den Entwurf zu einem Wandbrunnen (konigl. Kupferstichcabinet

 in Berlin), einen sitzenden Bacclius im Rund v. J. 1526 (Universums-Bibliothek

Erlangen), Satyr und Nymphe im Rund, bezeichnet P. F. (öffentliche Kunstsammlung in

Basel), endlich einen figurenreichen Zug viin Putten, signirt PF VR (Universitäts-Bibliothek

 Erlangen). Nagler hat diese letztere Zeichnung dem Flbtner abgesprochen;

ich zweifle nicht, dass Lange mit seiner Zuweisung recht behalt. Dass sich aber diese

in der That sehr iweltliche- und sogar nanstoßige- Zeichnung, welche Lange als

DTflülIlPh der christlichen Kirchen betitelt, Iganl in den Bahnen der alten Kirche bewegea

 und deshalb spltestens in den Beginn der Zwanziger Jahre zu versetzen sei, ist

mir gar nicht einleuchtend. Man konnte im Gegentheile diesen Puttenzug für ein Seitenstuck

 zu jener noch immer unbekannten nlangen Creuziahrt zu Münnich, Nonnen und

Pfeifen: halten, welche nach Neudorier Flütner ugerissen und in Druck geben: habe.

l)a, wie Lange hervorhebt, nur erst etwa ein Dutzend deutscher und österreichischer

 Sammlungen auf das iiin durchforscht worden sind, ist eine Nachlese zu den Handzeichnungen

 P. Flotner's mit einiger Wahrscheinlichkeit zu gewartigen.

Vollig neu ist das Capitel i-Ausgeführte Decorationen und Architek"

turenu. Lange zahlt hieher:

I. Den ganzen Saalbau (nicht bloß den durch Neudorfer beglaubigten steinernen

Kamin) des Hirschvogel-Hauses in der Hirschelgasse zu Nürnberg vom Jahre 1534, und

nicht bloß das lnnere, sondern auch das Aeußere desselben. vWer den Kamin entworfen

hat, hat auch das übrige entworfen, alles ist- bis auf die späteren Zusätze im Innern -

aus einem Gusm. -Die kunsthistorische Bedeutung des Hirschvogel-Hauses beruht aber

darauf, dass es das erste grollere, im reinen Renaissancestil ausgeführte Gebäude Nürnbergs

 und überhaupt die schonste und strengste Schöpfung der ganzen deutschen Frührenaissance

 ist- (S. 73).

z. Im Tucherhaus in der I-lirschelgasse zu Nürnberg (dem im Jahre 1533 begonnenen

 ajnngeren- Bau) weist Lange mit Bestimmtheit dem Flotner zu: die Holzvertalelung

 eines Zimmers im l. Stockwerke und einen Theil der Holzvertlfelung im Saale

des ll. Stockes.

3. Das aus dem katholischen St. Larenzer Schulhaus stammende Portal im Standesamt

 des Rathhauses zu Nürnberg. Die Aehnlichkeit der Proportionen und die Wiederkehr

ganz derselben Ornamente sprechen dafür.

Was den im Jahre 1525 gestilteten Marktbrunnen von Mainz betriGt, welchen

Domcapitular Fr. Schneider dem P. Flotner zuschrieb, so ist Lange der Ansicht, dass

allerdings, wie schon das dreimalige Vorkommen des gekreuzten Klopfels und Balleisens
            
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