selben Munde den in sich widerspruchsvollen Vorwurf zu hören bekommen,
dass sie Akademie spielen, dass sie andererseits aber auch viel
zu gewerblich seien. Diese Meinung wird nie verschwinden, sie liegt in der
natürlichen und nothwendigen Zwitterstellung der Kunstgewerbeschulen;
welcher Einsichtige wollte aber hier tadeln, was doch sonst als die Summe
aller Weisheit erklärt wird: zwei Eisen im Feuer zu haben. Dazu kommt,
dass wir einen principiellen Unterschied zwischen hoher Kunst und Kunstgewerbe
nicht zugestehen können und dass die künstlerische Ausbildung
an den Kunstgewerbeschulen genau denselben Weg gehen muss, wie an
den Akademien. Man darf sich daher nicht verwundern, wenn man auch
an unserer Schule, vornehmlich an den Fachschulen für Malerei, Aufgaben
gestellt sieht, wie sie an Akademien auch nicht anders gefordert werden
können. Wenn diesen Ahtheilungen als Gebiet ihrer Thätigkeit mit Vorbedacht
durch das Schulstatut vorgezeichnet ist: v-Die Anwendung der
menschlichen Figur, des Thieres, der Pflanze und des Ornamente: im
Kunstgewerbe für kirchliche und profane Gegenstände, die künstlerische
Ausstattung typographischer Werke, das Gesammtgebiet der decorativen
Malerei zu Zwecken der Ausschmückung einzelner Theile oder ganzer
Innenräume und Fagadenu, so liegt darin doch wohl Zugeständniss und
Aufforderung, alle Zweige der Malerei zu pflegen, ohne ängstlich zu erwägen,
ob es einen Unterschied zwischen nhoherß und vniedereru Kunst
gibt oder nicht. Es wird daher, wenn man der Schule die Erfüllung ihrer
statutengeinäßen Pflichten nicht erschweren, ihr nicht unmöglich machen
will, die Voraussetzungen zu schaffen für die Entwicklung der decorativen
Malerei, nicht gehindert werden dürfen, dass die Schüler neben gründlichen
Actstudien, neben der Pßege des Porträts sich in großen malerischen
Compositionen versuchen, die bis in alle Details auszuführen
sind. Allerdings sollen es immer Arbeiten sein, denen die Beziehung zur
decorativen Malerei nicht fehlt; Stalfeleibilder wären wohl ganz zu vermeiden.
Dass unsere Malerschulen allen vernünftigen, modernen Bestrebungen,
die malerische Technik auszubilden, zugänglich sind, sah man
wieder auf's Neue. Von Absurditäten, von deren Vorhandensein selbst überzeugte
Freunde der Secession unsere heutige Production nicht frei sprechen
können, wird in einer Schule selbstverständlich nie ausgegangen werden
dürfen. Andererseits wird man es aber immer mit Freude zu begrüssen
haben, wenn gerade hier der Cultus der wbraunen Sauce- weniger gepflegt
wird, und alles Lichte, Helle, Natürliche breiteren Raum einnimmt.
Zu wenig gepflegt wird noch eine Technik, welche für die Aufgaben
der decorativen Malerei so besonders geeignet ist, die Tempera. Darauf
wäre wohl besonderes Augenmerk zu richten. Die Zahl der Talente,
welche uns in den Schulen Karger, Matsch und Ribarz neuerlich begegnete,
ist erstaunlich groß, und man sah es allen Leistungen an, mit
welch verständiger, aufopfernder Hingebung sich die genannten Lehrer
ihrer Aufgabe widmen. Neben den Malerschulen sind es natürlich die