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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 12)

ersonalnaohrichten. Se. k. u. k. Apostol. Majestät haben mit

Aller . Entschließung vom 27. Octoher d. J. den außerordentlichen Professor

 und Custosadjuncten am Oesterr. Museum, Dr. Alois Riegl, zum

ordentlichen Professor der Kunstgeschichte an der Universität in Wien

allergnädigst zu ernennen geruht.

- Der Herr Ministerpräsident hat den Kanzlisten am Oesterr.

Museum, Karl Scherz, zum Kanzlisten im Ministerraths-Präsidiurn ernannt.

Herr Scherz, welcher dem Museum seit i. September i89i angehörte,

hat seine neue Stellung am i7. v. M. angetreten. Sein bescheidenes,

liebenswürdiges Wesen und seine unermüdliche Dienstwilligkeit lassen

sein Scheiden aus dem Hause aufrichtig bedauern.

- Die Kunstgewerbeschule hat den Verlust einer ihrer ältesten Lehrkräfte

 zu beklagen: Regierungsrath Universitäts-Professor Dr. v. Frisch

hat sich im Hinblicke auf seine Ueberbürdung mit Berufsgeschäften veranlasst

 gesehen, auf die Docentur für Anatomie zu resigniren. Professor

v. Frisch gehörte dem Lehrkörper mehr als ein Vierteljahrhundert, seit

dem Sommersemester t87i[72 an.

- Der Minister für Cultus und Unterricht hat den k. u. k. Corvetten-Arzt

 Dr. Hermann Vincenz Heller bis auf Weiteres zum Docenten

(Hilfslehrer) für Anatomie an der Kunstgewerbeschule bestellt.

- Der hohe akademische Senat der k. k. Universität Wien hat in

Ausführung seines Sitzungsbeschlusses vom iz. November dem Professor

der Kunstgewerbeschule Hans Macht, welcher die künstlerische Composition

 und Ausführung des für Se. Majestät den König von Schweden

bestimmten Ehrendoctor-Diplotns der Wiener Universität übernommen

und nicht nur das Ganze entworfen, sondern auch für alle an der Herstellung

 der goldenen Bulla betheiligten Kunsthandwerker die nöthigen

Detailzeichnungen geliefert, die Arbeit überwacht und überdies die Miniaturmalereien

 des Diplomblattes eigenhändig ausgeführt hat, für seine

selbstlosen Bemühungen im Interesse der Universität und für seine ausgezeichnete

 künstlerische Leistung den wärmsten Dank ausgesprochen.

Vorlesungen. Am n. November eroünete Vice-Director Dr. Leisching die

Reihe der Donnerstag-Vorlesungen im Wintersemester t897{g3 mit einem Vortrage über

Jakob von Falke und das Oesrerr. Museum. Der Vortragende schilderte die allgemeinen

Zustande, aus denen das Oesterr. Museum nothwendig hervorgegangen ist, und den großen

Antheil, den Falke neben Eitelberger, Bucher, Storck, Teiricli, LauFberger u. A. als Gelehrter

 und als Praktiker genommen hat an der vom Oesterr. Museum eingeleiteten Bewegung

 zur Reform des Geschmacks, zur Wiedererneuerung alter Techniken und Stile,

zur Erweiterung der Kunsiforachung und ihrer Ausdehnung auf das Kunsthandwerk.

Dr. Leiaehing skizzirte den Entwicklungsgang Falke's, den Einfluss der Romantik auf ihn,

seine Studien, seine Einführung in die Kunst- und Culturgeschichte in Hildesheim,

Düsseldorf, Nürnberg, no er unter Freiherrn von Aufsess mit Fromann, J. H. Müller,

Bartosch, Barack u. A. an der Organisation des Germanischen Museums arbeitete. Hier

entstanden seine ersten Iiiierarischen Arbeiten, unter anderen die deutsche Trachtenund

 Modenwelt, und _ie mehr er sich in das Studium alterer Kunstepochen versenkte,

desto mehr scharfte sich sein kritischer Sinn für die Uebel und Schaden der Gegenwart.

Ala er 1858 als Bibliothekar des Fürsten Atois Liechtenstein nach Wien berufen wurde,

trat er hier bereits mit ausgereiften Gedanken über eine Reform des modernen Geschmacks

 in den Kreis jener Münner, die theils theoretisch, theils praktisch den Umschwung

 der Geister vorbereitet hatten: Heider, Eitelberger, Czoernig, Van der Nüll u. A.

Der Vortragende versuchte sodann ein Charakterbild Falke'a zu entwerfen; er

schilderte aeine feminale Weichheit und Empfindsamkeit, seine Milde im Herrschen und

in der Kritik, seine Abneigung gegen Kampf und Streit. Zum Reformator fehlte ihm

Alles: Leidenschaft und Einseitigkeit, iinpulsive Energie und die Gabe zu hassen. Aber

einen besseren litterarischen HerolJ hatte sich die Reformbewegung auf dem Gebiete

des Geschmacks nicht wünschen konnen: ihm stromten eine Fülle eigener Gedanken zu
            
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