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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 12)


den Museen von Stockholm und Christiania befindlichen Stühle und geschnitzten Kirchenthürpfosten

 heranziehen.

Etwaa besser ist das gothische Mobiliar in Frankreich vertreten; es gibt hier

schon einige Schränke aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Auf die bemalten und eisenbeachlagenen

 Mßbel des 13. Jahrhunderts folgen die Möbel, deren Decoration der Architektur

 entnommen ist, Architekt und Bildhauer ersetzen den Maler und den Schlosser.

Hauptsächlich ist es aber das kirchliche Möbel, sind es die Chorsttihle, welche

Anhaltspunkte gewähren. Es folgt nun die Aufzählung einer Reihe französischer Stuhlwerke

 aus dem 14. Jahrhundert von oft ganz bedeutenden Dimensionen, so dasjenige

von Chaise-Dieu mit 144 Sitzen. Am Ende des 14. und am Anfang des 15. Jahrhunderts

 macht sich in Frankreich der vlätnische Einfluss geltend, zu dieser Zeit entstehen

 die schönsten gothischen Stulilwerke, welche Frankreich heute besitzt. Die

bedeutendsten darunter sind: das aus 116 Sitzen bestehende Stuhlwerk der Kathedrale

von Amiens, dasjenige von Brou und das von Notre-Dame de Bourg, alle drei

im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts ausgeführt.

Der Aufzählung der kirchlichen Arbeiten folgt die Schilderung des bürgerlichen

 Mobiliars der Gothik, nach in privaten und öffentlichen Sammlungen vorhandenen

 Beispielen.

ln dem nun folgenden Abschnitte i-Die Mübel im Mittelalter in Deutschland: lässt

Molinier unseren Vorfahren folgendes etwas eingeschränkte Lob zu Theil werden: aDiß

gothische Sculptur in Deutschland ist zwar derjenigen Frankreichs untergeordnet, aber

die deutschen Schnitzer der Gothlk haben auch Meisterwerke hervorgebracht; es wäre

ungerecht, dies zu verkennenn An einer anderen Stelle lobt er die deutschen Schnitzer,

die, nwenigstens wenn sie in hartem Holze arbeiten, mindestens ebenao Schones schaffen.

als die niederländischen oder französischem. Es ist gewiss erfreulich, dass die Franzosen

von heute sich mit dem Studium und der Würdigung deutscher Kunst befassen. Am

eingehendsten wird Jörg Syrlin's Stublwerk im Ulmer Münster besprochen, das er

zwar nicht, wie Didron, dem Besten der franzosischen Gothik gleichstellt, das er

aber immerhin als Meisterwerk bezeichnet. Um so schlechter geht es dem Stublwerk

des Domes zu Erfurt, das wohl Wenige kennen werden. ln bunter Reihe werden nun

niederdeutsclie und Schweizer Stuhlwerke aufgezählt; hiermit schließen die Kirchenmobel

 ab.

Molinier kommt nun zu dem gothischen Hausrath Deutschlands, wobei die

unter vlamischem, und nach seiner Anschauung vielleicht auch französischem Einllusse

entstandenen rheinländischen Möbel seine Anerkennung finden, die süddeutschen,

bayerisch-tyrolischen Möbel aus weichem Holze, in wgrellerii Bemalung, mit ausgestochenem

 Grunde, bezeichnet er aber als geschmacklos: iMarktwaarel, nicht als

Kunstwerke. Ueberhaupt findet er, dass der deutsche Tischler der Gothik weit unter

dem italienischen, französischen und niederländischen stehe. Schließlich bedauert er es,

dass die deutschen Gelehrten die Geschichte des Mobiliars ihres Landes noch nicht geschrieben

 haben und mit dieser Bedauerniss steht er gewiss nicht allein. Wäre diese

Geschichte geschrieben, dann wurde das Urtheil Molinier's über deutsche Gothik und

deutsche Renaissance gewiss modificirt worden sein.

lm nächsten Abschnitte werden die mittelalterlichen Möbel in Flandern,

Spanien und England geschildert. Unter den spanischen Stuhlwerken finden sich

so ungemein reiche Arbeiten, wie z. B. jene von St. Thomas zu Avila, dass weder

Frankreich noch Deutschland Aehnliches aufzuweisen haben. Vollends aber neben den

Stuhlwerken des Tudorstiles z. B. in Windsor und Westminster in England bezeichnet

 Molinier alle deutschen und französischen Arbeiten als kindlich einfach.

Bei der Besprechung der gothischen und Renaissance-Möbel in Italien verweist

Molinier auf Burckhardfs i-Ciceronec, den er sehr hoch hält, den italienischen lntarsia-Arbeiten

 lässt er aber nicht die Hochschätzung zu Theil werden, die wir denselben

entgegenbringen; Benedetto da Majano's Thür in der Sala de' Gigli zu Florenz mit den

Gestalten Dante's und Petrarca's missfällt ihm sogar.

Nach Molinier ist das italienische Mobel der Frührenaissanee vom Maler entworfen

und von Künstlern ausgeführt, welche den lntentionen des Malers sich strenge fügen;

das italienische Möbel des 16. Jahrhunderts dagegen ist ebenfalls vom Maler (.7) ent-Werfen,

 aber vom Bildhauer ausgeführt, der meistens nicht einmal den Zweck kannte,

dem das fertige Mobel zu dienen hatte (i).

Dieser Abschnitt enthält auch die Biographien der Künatler- und Schnitzerfamilien

Del Tasso und Barile nach Milanesi, und diejenige des Intarsiators Fra Damiano

da Bergamo nach Marchese.

Das vorletzte Capitel bildet die Schilderung der Renaissance in Frankreich.

Molinier will also keine territoriale Abgrenzung, er gesteht nur die Möglichkeit einer

Ztveitheilung zu. Der eine Theil umfasst die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die
            
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