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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 4)

Von der Wiener- Congress- Ausstellung.

vEin großer Erfolge - dieser Ausdruck ist in den letzten Wochen

so vielfältig mündlich und schriftlich auf die Congress-Ausstellung angewendet

 werden, dass wir ihn, ohne Gefahr der Ueberhebung geliehen

zu werden, einfach registriren dürfen. Schon die Ziffern sprechen:

47.500 Besucher und 4000 verkaufte Kataloge in acht Wochen. Dazu

stimmt der wiederholte Ausdruck voller Befriedigung in allen inländischen

 und zahlreichen ausländischen Zeitungen und Zeitschriften; ein

Pariser Blatt ging so weit, seinen Lesern eine eigene Reise nach Wien

zur Ausstellung zu empfehlen. Ohne Zweifel hätte guter Wille auch

schwache Stellen entdecken können, aber der günstige Eindruck äußerte

sich so unmittelbar und mächtig, dass etwa vorhandene Missgunst in der

freudigen Gesammtstimmung nicht zu Worte kommen konnte.

Wenn wir uns über die Ursachen dieses ngfOßElJ Erfolges" Rechenschaft

 ablegen wollen, muss vor Allem in Betracht gezogen werden.

dass die Ausstellung, unbeschadet ihres internationalen Charakters, ein

Wienerisches Erinnerungsbild genannt werden muss. Jeder österreichische

Patriot nimmt herzlichen Antheil an der Schaustellung, die ihm die

Reichshauptstadt in einer ihrer glänzendsten Periode vergegenwärtigt;

das alte Wien, noch unberührt von den theils unvermeidlichen, theils

recht unnöthigen Umgestaltungen, die wir erlebt haben und noch erleben,

mit dem unvergleichlichen Spaziergange auf den Basteien, der hier den

Blick in die winkelige, trauliche Innere Stadt, dort über den breiten

Glacisgürtel und die noch von zahllosen Gartengründen durchsetzten

Vorstädte hinweg auf die Berge gewährte; das alte Wien, erfüllt von

ungezwungenem, fröhlichem Treiben der Einheimischen und dem Prunk

und den Festlichkeiten, zu denen die Anwesenheit fast aller europäischen

Potentaten und ihrer berühmten Staatsmänner den Anlass bot. Wir

können uns die reich ausgestatteten Carrossen besetzt vorstellen mit

stolzen Herren und schönen Damen; wir sehen in Augenblicksbildern

alle Stände in altväterischen Trachten, längst verschwundene Volkstypen,

schwerfällige Beförderungsmittel, manches seltsam, doch alles anheimelnd.

Es herrscht die Atmosphäre der nGemüthlichkeitu, die so oft von Wienern

und Fremden gepriesen und besungen worden ist.

Und weit über den Bannkreis der heimischen Tradition und des

Localpatriotismus hinaus wirkt der Reiz des Culturgeschichtlichen, dem

wir heutzutage große Empfänglichkeit entgegenbringen. Für kunstgewerbliche

 Museen ist es nicht leicht, dieser Neigung zu genügen,

weil sie sämmtlich nach dem Vorbilde von South Kensington angelegt

worden sind, in dem die Gliederung der Sammlung in Gruppen und

Unterabtheilungen von dem verarbeiteten StotTe abhängig gemacht ist.

Die Schwierigkeiten, die sich durch solche Sonderung ergaben, haben

viele Sammlungen schon längst veranlasst, jenes System zu durchbrechen.
            
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