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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 5)

Sie bilden ein wichtiges Glied in einer langen Entwicklungsreihe.

War beim Zellen- und Grubenschrnelz das Metall der Träger des farbigen

 Schmuckmittcls, zugleich aber auch das formgebende Element;

trat später das Email als Maleremail so selbständig auf, dass der Metallexcipient

 nur als nothwendiges Uebel zu betrachten war, so wurden bei

den Pique-Emaillen die schmückenden Gebilde aus Edelmetall von der

Emailschichte gehalten und getragen, wobei der Umstand als nebensächlich

 betrachtet werden kann, dass diesguillochirte Musterung der

Goldunterlage dem transparenten Email zu gesteigerter Wirkung verhalf.

Das Gesagte wird besonders schön durch die selteneren Beispiele illustrirt,

die uns das aufgelegte Goldornament, ohne Fondantliberzug, also frei

zu Tage liegend, gewissermaßen als Incrustation zeigen.

Als Vorläufer solcher Arbeiten sind die beim Limousiner Email

vorkommenden Stücke mit aufgelegten Folien, ferner in noch höherem

Grade die sogenannten venetianischen Emaillen zu betrachten, bei welchen

das Princip der freien Verwendung vorräthiger Ornarnentmotive schon

vollständig ausgebildet ist.

Bei den folgenden Ausführungen wird sich vielfach die Gelegenheit

bieten, auf besonders hervorragende Beispiele von Arbeiten in Pique-Email

 hinzuweisen.

Von den vorhandenen Gegenständen sollen die wichtigsten hervorgehoben

 sein.

Schmuckgarnituren. Zwei solche, Nr. 197i u. 1972, Geschenke

der Stadt Neapel an die Königin Murat, nunmehr im Besitze des Fürsten

Camillo Heinrich Starhemberg, sind reich, aber auch schwerfällig, aus,

Motiven der Rococo-Ornamentik zusammengestellt. Die eine dieser Garnituren

 besteht aus einem Diadem, zwei Armbändern, zwei Colliers, zwei

Paar Ohrgehängen und vier Brochen. Alle diese Stücke sind mit geschnittenen

 Corallen besetzt; die zweite (ein Diadem, ein Armband, ein

Paar Ohrgehlinge, eine Broche und zwei Colliers) ist mit einer großen

Anzahl geschnittener Carneole von nicht unbedeutender Größe ausgestattet,

 die zum Theil Arbeiten der Brüder Pichler sind.

Es ist bemerkenswerth, dass in der Empirezeit Catneen, lntaglids

u. dgl. an solchen Schmucksachen angebracht wurden, die während ihrer

Benutzung auch nicht einmal für ihre Trägerin der intimeren Betrachtung

 zugänglich waren, außerdem aber auch nur geringe coloristische

Vorzüge hatten. Die Ursache eines solchen Vorganges lag wohl zunächst

in der Vorliebe, die sowohl antiken als modernen geschnittenen Halbedelsteinen

 entgegengebracht wurde, doch scheint es auch nicht ausgeschlossen

 zu sein, dass die Mode etwas darin suchte, einer am französischen

 Hofe plötzlich zur Realisirung gekommenen ldee Rechnung zu

tragen. Diese ldee, lancirt von einigen Hofdamen der Kaiserin Josephine,

bestand eben darin, eine Anzahl der im Antikencabinet der Bibliotheque

nationale aufbewahrten Gemmen zur Herstellung eines Schmuckes ver-6.


            
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