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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 6)

l

zeuger die berühmten französischen Clavierbauer Erard gewesen' sind.

Der Concurrenzstreit, in den die damals schon hervorragende Firma

Erard verwickelt wurde, weil sie - wie man sich erzählt - zwar der

Gilde der lnstrumentenbauer, nicht aber gleichzeitig auch jener der

Fächermaler (wegen der Zierarbeiten an den Clavieren) angehörte,

erinnert so sehr an derartige Streitigkeiten um Erzeuger-Vorrechte der

allerneuesten Zeit, dass wir uns nicht versagen können, denselben zu

erwähnen.

Nicht eigentlich in den engeren Kreis unserer Betrachtungen fallend,

aber doch dem Hausrathe im Allgemeinen zuzurechnen sind folgende

Objecte. Zunächst, als ein hervorragendes Stück, das Geschenk Napoleon's

 l. an die Kaiserin Marie Louise, eine rechteckige Cassette

(Nr. 407, Erzherzog Leopold). Dieselbe ist mit grünem Sarnmt überzogen

und mit reichem Beschläge aus vergoldetem, feinciselirtem Silber bedeckt.

Die Biene (das immer wiederkehrende napoleonische Wappenzeichen),

Lorbeergewinde, die bekrönten Initiale N und M L, sowie flache Reliefs

(Nachbildungen der sogenannten aldobrandinischen Hochzeit) bilden die

Decorationsmotive.

Eine feine Tischlerarbeit der berühmten Goldschmiede- und Kunsttischleriirma

 Bi ennais (orfevre-tabletier a Paris), die auch das vorgenannte

Object angefertigt hat, ist die Cassette aus Amboinaflader, mit Stahlprismen-Ornamenten

 verziert (Nr. 372, Gräfin Lützow). Dieselbe enthält

ein vollständiges Necessaire, ein Geschenk der Kaiserin Marie Louise an

ihren Vater, Kaiser Franz.

Gleichfalls ein Erzeugniss von Biennais ist die mit Silbereinlagen

(Wappen und Bienenfries) verzierte, in Amboina-Fladerhnlz hergestellte

Münzen- und Medaillen-Cassette (Nr. 403 ,' Fürst Alfred von

Montenuovo) aus dem Besitze der Kaiserin Marie Louise. t

Auch des Kästchens (Nr. 384, Erzherzog Rainer und Erzherzogin

Marie)-sei noch Erwähnung gethan, das, in Schildpatt - einem von den

Ebenisten früher häufig verwendeten Materiale - von Giroux in Paris

ausgeführt und mit reicher Goldbronze-Montirung versehen, den kostbaren

 Behälter für ein Reißzeug, für" Farben, Scbreibgeräthe und dergleichen

 mehr bildet. Die Vorderseite enthält in vergoldeten Bronzeumrahmungen

 die Portraits der Herzogin von Berry und ihrer Kinder,

des Herzogs von Bordeaux (Grafen von Chambord) und der Herzogin von

Artois; Miniatur-Malereien von entzückender Feinheit.

Den stärksten Gegensatz zu den bereits besprochenen, mehr oder

minder prunkvollen Objecten - die einen Theil der Umgebung Desjenigen

bildeten, der die kräftigste Stütze einer neuen Geschmacks-Periode geworden,

 weil er hierin den künstlerischen Ausdruck des neuen Cäsarenthumes

 erblickte, finden wir im Mobiliar jenes Raumes, der dem Arbeitszimmer

 weiland Seiner Majestät Kaiser Franz I. in der Wiener Hofburg

nachgebildet ist (Nr. 4x4, 4a: und 427).
            
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