Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 6)

127

Josephine als Toilettestuhl benützt hat. Die eingelegten Perlmutter-Ornamente,

 theils flach, theils reliefartig, zieren sowohl Rücken- wie

Armlehne und ebenso die Füße und Zargen. Ist auch die Gesammtform

des Möbels schwer und massig, so trägt doch das Einlagematerial dazu

bei, diesen Eindruck einigermaßen zu mildern.

Charakteristische Empire-Möbelformen, jedoch oHenbar nicht für

Prunk-, sondern für Wohnräume geschalfen, zeigen die Sitzgarnitur

und der zugehörige Tisch aus Mahagoni mit mäßig angebrachten Bronzebeschlägen

 (Nr. 37 und 38). Durch die geschweiften Armlehnen am

Sopha und an den Fauteuils, welche vorne in große Voluten endigen,

fallen diese Möbel besonders auf. Der Bezug der Sitzmöbel aus Damast,

mit dem beliebten grünen Fond und mit gelben Ornamenten, vervollständigt

 die ihrer Zeit gemäße Erscheinung der ganzen Garnitur. Der

runde Tisch mit lichter Marmorplatte hat drei stark nach einwiirts gebogene,

 hörnerartige Füße, die, auf eine dreieckige Fußplatte sich stützend,

von bronzenen Widderköpfen aufsteigen.

Der Registraturkasten aus polirtem Mahagoni (Nr. 726, Dr. Albert

Figdor) ist ebenfalls hier zu nennen. In seiner Gesammtform rechteckig,

ist dieser Kasten von unten bis oben mit zwei Reihen gleicher Schubladen

 ausgestattet und wird von zwei langgestreckten, cylindrischen Säulen

Hankirt, deren Basen und Capitäle, ebenso wie die Verzierungen des

Kastenfrieses, in Goldbronze hergestellt sind. Die rechte und die linke

Schubladenreihe trennt in der Mitte des Kastens eine Lisene, hinter

welcher ein Bascule-Verschluss liegt, mit dessen Hilfe alle Schubladen

gleichzeitig zu versperren sind. Die Schubladen-Vorderstücke sind rnit

goldgepresstem, rothen Saflian überzogen.

Ob die Empire-Möbel im ngenre Jacobu aus polirtem Mahagoni,

wie z. B. zwei Schreibkasten (Nr. 24 und 31) und ein Consoltisch

 (Nr. 70) -- denen entschieden noch das Gepräge der Louisseize-Periode

 anhaftet - mit blanken Messing-Kehlleisten, auch mit ausgefütterten

 Messing-Cannelüren, dann weiters diejenigen (Nr. 707, 708,

709 und 7x0), deren große, glatte Mabagonifiächen eine geradlinige Untertheilung

 durch eingesetzte, gerippt-gezogene Messingstäbe erhalten und

die unter dem Eindrucke ihrer Gesarnmterscheinnng den Beschauer schier

zu dem Glauben verleiten könnten, er athme Luft des ersten Viertels

unseres Jahrhunderts, also, ob diese Möbel thatsächlich aus den Werkstätten

 des berühmten Hauses wlacobu in Paris hervorgegangen sind, wollen

wir nicht untersuchen, es ist auch für unsere Betrachtung völlig gleichgiltig.

 Die äußere Erscheinung ist echt und charakteristisch;

hier haben wir eine ganze Anzahl von Beispielen, sie stammen zum

größeren Theile aus dem Besitze des Grafen Oswald Thun, an die sich

auch heute wieder anknüpfen lässt.

Viel ernster als die vorgenannten präsentiren sich die Möbel in dem

Schwarzenberg-lnterieur, welches Erinnerungsstücke an den Feld-9.


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.