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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 7)

lichen Baukünstler noch nicht einig geworden sind. Das bewundernswerthe

 Hängewerk der Decke schuf ein Meister aus Laun. Die Kanzel

wurde später von einer Bergmann-Karyatide getragen, um sie her die

vier Evangelisten in Schnitzwerk. Den Hauptschmuck bildete der Altar

mit dem aus sechs großen Bildern bestehenden, auch mit Rückgemälden

versehenen, weit über die Emporen reichenden, mehrflügeligen Altarschrein,

 ein geschichtlich-allegorisches Werk Lucas Kranach's d. Ae. mit

zahlreichen Porträts berühmter Zeitgenossen. Die Aehnlichkeiten dieses

von keinem Kranachforscher erwähnten Werkes mit dem Altar in Schneeberg,

 der als das ausführlichste und schönste Beispiel einer evangelischen

Symbolik und Emblernatik gerühmt wird, und mit Kranach's sinnvollstem,

von seinem Sohn vollendeten, in der Stadtkirche der Goethestadt ist

nicht zu verkennen, doch scheint es noch reicher gewesen zu sein.

Decke und Pfeiler waren mit Wappen und lnschriften geschmückt. Die

Grafen Schlik benützten die Kirche zugleich als Ehrenhalle ihrer Familie.

Noch in diesem Jahrhundert waren für den Altarschrein hohe Summen

geboten; Kranach's Farben pflegten sich gut zu halten. Man lehnte den

Verkauf ab. Dieser Idealismus der nicht mehr reichen Stadt hat den

gänzlichen Verlust des Kunstwerkes herbeigeführt, denn bei der furchtbaren

 Feuersbrunst vor zwanzig Jahren brannte auch die Kirche bis auf

die Grundmauern und die Rundbogen-Portale, die bei dem schönen

Wiederaufbau benützt sind, nieder.

Deshalb ist heute die Spital- oder Bahrkirche, auch aus Stein, ohne

Wölbung aufgeführt, culturgeschichtlich bedeutsamer; sie ist dem Hass

der Elemente entgangen, ebenfalls rnit Gemälden geschmückt und ein

wahres Museum von Grabsteinen und lnschriften.

Mathesius trat mit der Tochter eines Finanzbeamten am Bergwerk

in die Ehe, die nicht nur rührend durch ihre Romantik und ergreifend

durch ihre sturmerprohte Festigkeit war, sondern auch litterargeschichtlich

merkwürdig geworden ist. Einen ganzen Theil seiner i-Leichenredenc,

die in mehreren Auflagen erschienen, hat er nur seinen Kindern zu Hause

gehalten, zur Erinnerung und zur Nachfolge der entschlafenen Mutter.

Eine Reihe von Pfarrern und Lehrern sind aus dieser Verbindung entsprossen;

 das vielästige Geschlecht ist bis beute nicht ausgestorben.

Das freilich nur die Unglückszahl an Jahren dauernde häusliche

Glück wurde durch amtliches Vorschreiten und Anerkennung von außen

erhöht. Doch auch dies Freudenlied wurde nur mit der Sordine gespielt;

denn die gräfliche Herrschaft im Thal muss der des Königs weichen.

Ferdinand zog sein Lehen ein.

ln dieser bedenklichen politischen Wandlung, der, wenn sie sich

auch in milder, ja huldvoller Form vollzog, leicht eine confessionelle

folgen konnte, rückte Mathesius nach einigem Schwanken und, nachdem er

sich auf's Neue durch Berührung mit dem Feuergeist an der Elbe gestiihlt

hatte, in die oberste Pfarrstelle ein, mit der Aufsicht über die Filialen.
            
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