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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 8)

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dünnen gedrehten Eisenfüße kommt, die den Ofen ehedem trugen. Der

jetzige Besitzer hat diese Stützen. auf welche man die monumentalen

Ofenriesen _ nicht zu ihrem Vortheil - bis in unser Jahrhundert hinein

zu stellen pflegte, durch stilvoll ausgeführte Thierhguren ersetzt.

Ueber dem kräftig profilirten Sims. der die Basis bildet, erhebt

sich ein niederer, an den vier Ecken mit Löwenmaskarons, auf den

Flächen mit flott gezeichnetem, platischen Rankenwerk decorirter Sockel,

der, von einem gleichen Sims bekrönt, den würfelförmigen Unterbau

trägt. Dieser letztere ist an seinen abgeschrägten Ecken von vier Hermen

fiankirt, die mit reichen Fruchtfestons behangen sind. Die beiden rechteckigen

 Kacheln der vorderen und der seitlichen Flächen (die rückwärtige

ist durch undecorirte Kacheln mit der Mauer verbunden) enthalten Reliefbrustbilder

 von Heiligen in schwungvoll gezeichneter Cartouchenumrahmung,

 die von drei Engelsköpfen und Fruchtgehängen gebildet sind.

Ein breites, weit vorspringendes Gesims trennt den Unterbau von

dem schmaleren, rechteckigen Aufsatz, der, ebenfalls an den Ecken mit

Hermen geschmükt, dieselben Kacheln - vier verschiedene Figuren, deren

jede sich einmal wiederholt - aufweist, wie der Unterbau.

Das mächtige (iesims, das den Aufsatz abschließt, ist an seinen vier

Ecken in mehr origineller als stilvoller Weise mit je einem Halbgiehel

besetzt, dessen Feld mit Früchten ausgefüllt ist.

Ueber dem Aufsatz wölbt sich eine Kuppel in der Form der nwälsche

Haubeu genannten Thurmdächer; den Abschluß bildet die Figur eines

Tritons mit breitem Fischschwanz.

Der Ofen hat dunkel-(pariser-)blau marmorirte Glasur als Grundfarbe,

von der sich die weißglasirten Figuren und Ornamente kräftig abheben.

Die Modellirung der ornamentalen Theile und der Heiligenbilder

ist in mäßigem Relief gehalten und von ausnehmend sorgfältiger Arbeit,

der die dicke Glasur nicht die präcise Schärfe benehmen konnte.

An den Rundfiguren, dem Triton und besonders den Hermen, hat

der Bildner seine ganze Kunstfertigkeit gezeigt: sie sind ebenso Hott

modellirt als sauber durchgebildet.

Der Name des Verfertigers ist, wie leider an den meisten uns überkommenen

 ähnlichen Werken, auf dem Ofen nicht ersichtlich; doch

dürfte das Stück zweifellos Tiroler Arbeit sein, wenn auch italienische

Formen bei seiner Ausschmückung beeinflußend mitgewirkt haben mögen.

Der Ofen stammt aus dem ehemaligen adeligen Damenstift in Hall

bei Innsbruck, auf dessen Dachboden Herr Lechner denselben vor

14 Jahren, in einzelne Stücke zerlegt, in äußerst verwahrlostem Zustande

entdeckt hat. .

Andere, weniger reich decorirte Exemplare hatte Erzherzog Carl

Ludwig während seiner Statthalterschaft in Tirol noch in den Räumen

des Stiftes vorgefunden und im Ambraser Schlosse aufstellen lassen.
            
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