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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 8)

Die gesammten Oefen des Haller Damenstiftes, vornehmlich aber 
das Prunkstück in der Sammlung Lechner, dürften aus der Zeit Claudias 
von Medici, -der Gemahlin Erzherzog Leopolds von Tirol, stammen, 
die nach dem Tode ihres Gemahls (1632) die vormundschaftliche 
Regierung für ihre Söhne führte und viel zu der hohen Blüthe beitrug, 
die die Kunst Tirols in der Mitte des 17. Jahrhunderts erreichte. 
Fritz Minkus. 
Johann Mathesius. 
Vortrag, gehalten im k. k. Oesterr. Museum am 9. Januar 1896 
von Prof. Dr. Georg Loesche. 
(Schlusm) 
Mit Mathesius ist auch für Joachimsthal der Höhepunkt überschritten. 
Das Schicksal, das alle Bergstädte des Erzgebirges an der Seite des böh- 
mischen Gehänges und zum großen Theile in Sachsen traf und treffen 
musste, dass die Erzadern versagten, Armuth die Wohlhabenheit ablöste, 
ereilte Joachimsthal nur zu bald. Das ganze Betriebssystem war unklug, 
meist ein Raubbau, ein planmäßiger Abbau kam nur ausnahmsweise vor; 
die Verwaltung war sehr schwerfällig; die Mangelhaftigkeit der tech- 
nischen und chemischen Kenntnisse setzte dem ausgiebigen Betriebe 
manchmal recht enge Schranken; zudem sind die Silbergilnge im oberen 
Erzgebirge außerordentlich unzuverlässig, zumal auf der böhmischen 
Seite; Noch verderblicher wirkte aber die Gegenreformation und der 
Soiährige Krieg; die protestantischen Knappen wurden verscheucht. So fiel 
auch in den Hohen Tauern mit der Erschöpfung der Erzmittel in den 
oberen, leicht zugänglichen Horizonten die Vertreibung der Protestanten 
zusammen; so wurden viel später die Bergwerke in Salzburg und Gastein 
durch xonfessionellen Zorn verwüstet. 
Doch lassen wir an diesem Orte den Vorhang fallen über all' die 
Szenen der Härte und List! 
Mit den Fanfaren einer Jubel-Ouverture war man in Joachimsthal 
eingezogen, unter den klagereichen Klängen eines Trauermarsches nahmen 
die Tüchtigsten von ihm Abschied; nur einige Hunderte betreiben noch 
den wenig lohnenden Bergbau, obwohl Joachimsthal der einzige Ort in 
Oesterreich ist, wo die für die Emailfarben wichtigen Uranerze in bau- 
würdiger Menge vorkommen. 
Indessen ist Mathesius bis heute dort nicht vergessen. 
Als man nach jenem dies irae-Brande zum Wiederaufbau schritt, 
stieg auch der Phönix seines Andenkens aus der Asche. Am Stadthaus, 
das der Verheerung getrotzt, wurde ihm zu Ehren eine Votivtafel an- 
gebracht und unter Anwesenheit der katholischen Geistlichen vom Bürger- 
meister feierlich enthüllt. ,- 
Fern von mir sei es, Sie, hochgeehrte Anwesende, in das Labyrinth 
der Iitterarischen Hinterlassenschaft des flüchtig gezeichneten Mannes ein- 
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