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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 8)

zuführen, in seine anderthalbtausend Predigten, die selbst in Anbetracht

der großen ILeselust des 16. Jahrhunderts zum Theile überraschend verbreitet

 gewesen sind, trotz des bedeutenden Umfanges; einige sind in

fremde Sprachen übersetzt; die meisten sind sittengeschichtlich, sprachgeschichtlich

 und litterargeschichtlich höchst merkwürdig. Ich schweige

auch von des Mathesius Lutherbiographie, der ersten der Bezeichnung

würdigen, die vornehmlich des Verfassers Namen durch die vergesslichen

Jahrhunderte getragen hat; ich schweige von seinen dichterischen Versuchen,

 nicht so ungern, denn, um mit Jean Paul zu reden, es war ihm

kaum der Flaum einer Dichterschwinge gewachsen. Nur sein-litterarisches

Verhältniss zur Kunst und Industrie soll uns in Kürze noch beschäftigen.

Als Fastnachtsreden, in denen man Unterhaltendes zu hören beanspruchte,

 hat Mathesius einen höchst eigenartigen Cyklus von Reden

gehalten, in denen er, auf's engste sich an den Bergwetksberuf seiner

Gemeinde anschließend, alle Sprüche, Geschichten und Beispiele der Bibel,

die vom Bergwerk handeln, erklären will.

Für jede Predigt in dieser Bergpostille uSareptaa wird ein Bergwerksthema

 aufgestellt und, neben technischen Ausführungen, Alles, was

in Bibel und Geschichte dazu nur irgend Stimmendes sich auftreiben

lässt, wohl oder übel in Beziehung gesetzt, wobei der naturkundigen

Naivetät und dem Aberglauben der Zelt oft wider Erwarten hoher Zoll

gezollt wird. Die Ausführungen aus dem geologischen, hüttenmännischen

und bergrechtlichen Gebiete schwellen zuweilen zu förmlichen Abhandlungen

 an und umspannen Böhmen, Europa und Asien. Mathesius bewährt

 bei dem im ganzen Werke zu bewundernden Salto mortale über

gähnende Abgründe glänzend seine Gabe der Verknüpfung, vielseitige

Gelehrsamkeit, zähesten Fleiß; er hatte seine Büchergelehrsamkeit vermehrt,

 vertieft, berichtigt durch eigenes Anfahren, durch eigene Münzenund

 Stufensammlungen.

Der Romantiker Achim v. Arnim sagt darüber: rEr verkettet seinen

Bergleuten die Glaubenslehren mit dem täglichen Geschäfte, uns aber

mit einem neuen Bilde, während sie in der allgemeinen Sprache, in den

abgenutzten Decorationsansichten vieler Redner jener wie unserer Zeit

fast mit dem Augenblicke des Hervortretens wieder in dem allgemeinen

Geisteselemente versinkem. - Und wie urtheilen die Fachmänner über

den naturgeschichtlichen Werth der Sammlung?

Der hervorragende Geognost Nöggerath nennt sie ein Quellenbuch

für den Zustand des damaligen Bergbaues; "des Verfassers berg- und

hültenmännische Kenntnisse seien für die damalige Zeit um so höher anzuschlagen,

 als das Fach nur ein auf Empirie gegründetes Gewerbe war,

und alle seine Hilfswissenschaften noch sehr tief standen, die Naturwissenschaften

 aber nur als Keime vorhanden waren. Ueber die Umwandlung

-mineralogischer Verbindungen in dem Erdkörper in andere und neue, ein

Gegenstand, mit dem die Geologen und Chemiker heute sich viel be-
            
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