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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 8)

sich abspinnt; Richard Welluch lässt in seiner vUnterirdischen Bergpredigt-

 den Erzähler in einem Salzbergwerk einen ihn führenden Bergmann

 über das geologische Schicksal der Erde belehren und die Theorien

von Kant und Laplace sammt den neueren Hypothesenüber die Entwickelung

 der Organismen mit ethischer Kraft vortragen. lbsen behandelt

das Bergmannsleben allegorisch in einem Gedichte; Karl HenckelVs Dichtung

 wIm Schachte der Zeiti- verwendet ebenfalls jenes Leben und Treiben

sinnbildlich. uDes Knaben Wunderhornu enthält ein einst volksthümlich

gewesenes langes Gedicht: rDer unterirdische Pilger-r, eine wunderliche

Allegorie, die die technische Sprache des Bergbaues dichterisch verwerthet.

ln derselben Sammlung steht die Romanze: vVom großen Bergbau der

Welt", sie stellt das menschliche Leben und die christliche Erlösung als

ein Bergmannsleben dar, nach Goethes Begutachtung tief und ahnungsvoll.

Es wäre verlockend, sittengeschichtliche Vergleiche zwischen

Mathesius' Werk und Zola's Germinal anzustellen. Dort bei aller Realistik

eine tiefsinnige, glaubensinnige und kräftige, wenn auch oft seltsame und

verkehrte Vergeistigung der wsauren Roßarbeitn; aus den Steinen wird

Himmelsbrot, die silbernen Schalen haken goldene Früchte; bei Zola ein

verzweifeltes Schwarz in Schwarz mit dem Nirwana oder Götterdämmerung

 als Ende, eine Tragödie oder Tragikomödie, der gegenüber die

frivole Herzlosigkeit, wie der Fanatismus gleich machtlos ist.

Gewiss! Silbermine und Kohlenschacht ist ein ander Ding. Mathesius

 hätte doch schnell bemerkt, wie mit der Kohle eine Menge eingesprengter

 Mineralien mit heraufgefördert werden; dass Schwefelkies wie

Gold funkelt und sogar in herrlichen Ikosaedern krystallisirt; dass Kohle

und Diamant eng verwandt sind. Er hätte selbst in dieser Nacht wSilberblicken

 genug gefunden. So einseitig Zola wie Mathesius ist, ihre Werke

können trotzdem eine culturelle und besonders eine religiöse Kennzeichnung

 des 16. und lg. Jahrhunderts vertreten, zumal wenn man die damalige

 Bedeutung der Predigt und die heutige des Romans erwägt. -

Die Industrie des Silberbergwerkes war mit dem Kunstgewerbe eng

verbunden, nicht nur durch Münzenschlagen. Das Kunstgewerbe nahm

damals einen solchen Aufschwung, dass ein Gebildeter gar nicht daran

vorbeigehen konnte. Außer an Stufen und Münzen hatte Mathesius

namentlich an Holzschnitzereien, Glasgefäßen und Goldschmiedearbeiten

seine Freude und benutzte auch ihre Sinnbildlichkeit, nicht zu reden von

den Paramenten, den seidenen Decken auf Altar und Kanzel, der kostbaren

 Kasel, in der er amtirte. Er rühmt den goldenen Kirchenkelch,

an dessen Fuß der Künstler Kunz Wels Christus am Kreuz, Taufe,

Absolution und Abendmahl hoch und künstlich getrieben hatte; die

Evangelisten in Thiergesralt, d. h. also mit den Thier-Symbolen schnitt

er frei von der Hand; auf der Patene war der Salvator punzirt.

Ein Glas hatte ihm ein einheimischer Künstler gearbeitet: wie

Christus aus der Hölle herauffährt, ganz schwarz, sobald man es umkehrt.

 wird es schneeweiß.
            
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