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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 10)

der Auszeichnung als der Rücksicht besonders würdig sind, eintreten-Die

 Gewährung dieser Ermäßigung, sowie in ganz besonderen Fällen die

gänzliche Nachsicht der Taxe, kann nur über eingeholle Allerhöchste

Ermächtigung erfolgen.

Industrie-Ausstellungen von 1896.

Das erste Jahrhundert des Zeitalters der Industrie-Ausstellungen

nähert sich seinem Ende, und wenn wir uns nicht täuschen, wird dasselbe

 eine längst ersehnte Wendung in der Entwicklung dieses Ausstellungswesens

 bringen. Die erste Periode währte bekanntlich von 1798 bis 1851.

Damals gab man dem Gewerbfleiße eines Landes oder einer Ländergruppe

(wie z. B, des Deutschen Zollvereines 184a in Mainz u. ff.) Gelegenheit,

von seinem Streben und Können öffentlich Rechenschaft zu geben, wie

das auch der bildenden Kunst, der Land- und Forstwirthschaft etc. von

Zeit zu Zeit ermöglicht wurde. Selbstprüfung war das ideale Moment,

in zweiter Linie erst die Belebung des Interesses weiterer Kreise für

Arbeitsgebiete, um die man sich in jenen Zeiten nur wenig kümmerte.

1851 waren zum ersten Mal alle Völker der Erde zu einer solchen Heerschau

 eingeladen worden, und damit erhielten die Ausstellungen einen

anderen Charakter, eine in jeder Hinsicht erhöhte Bedeutung. Alle

Länder maßen ihre Kräfte, lernten von einander und rangen um die Ehre

und um den Einfluss auf dem Weltmarkte. Man war bisher überall von

den eigenen Leistungen sehr befriedigt, rühmte in officiellen Kundgebungen

 und Zeitungsberichten die großen Fortschritte der Industrie,

die in der That jede neue Entdeckung, jede Verbesserung auf dem Gebiete

 der Mechanik mit Eifer sich zu Nutze machte. Den nichtfachmännischen

 Besuchern dienten von jeher die Werke des Kunstßeißes als

Augenweide, und sie fragten nicht, ob die Verbindung von künstlerischem

Schmucke und Benutzbarkeit der Dinge sinngemäß, zweckmäßig durch!

geführt sei oder nicht. Nun aber wurde dem Publicum gesagt, dass

auch für das Verhältniss zwischen Zweck, Form und Verzierung bei

Gebrauchsgegenständen natürliche Gesetze bestehen, die in Europa nur

in Vergessenheit gerathen waren, bei asiatischen Völkern (namentlich den

Indern, Japan ward uns erst später genauer bekannt) jedoch von altersher

Geltung behalten hatten; nicht minder, dass vieles von dem, was man

seit den großen französischen Kriegen vornehmlich in Deutschland als

verwerflichen Luxus angesehen hatte, vollen Anspruch auf Pflege habe,

unter ästhetischem wie unter wirthschaftlichern Gesichtspunkte. Die vom

11. October 1851 datirte - leider nicht so fleißig gelesene wie ausgeschriebene

 _ Schrift Gottfried Sempers nwissenschaft, Industrie und

Kunstu brachte die Grundzüge eines Reformprogramms; derselbe große

Künstler und Gelehrte entwarf den Plan des Kensington-Museums, und

in überraschend kurzer Zeit war ganz Europa in eine Bewegung hinein-
            
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