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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 11)

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dass das so Erbaute gegenüber den früheren großen Kunstepochen Stand

halten kann, und auch der Nachwelt gegenüber als monumentale Leistung

zu behaupten sich vermöge. Die Ausstellung der Entwürfe und ausgeführten

 Bauwerke FersteYs, welche Eitelberger mit dem ihm eigenen

hohen Verständniss bald nach dem Tode des Meisters veranstaltete, zeigte

uns seine künstlerischen Arbeitswege, das unermüdet neue Suchen, nachdem

 er im ersten Wurf schon gefunden zu haben schien, und zwar so,

dass sich ein Anderer bei diesem Fund ganz und gar zufriedengestellt

hätte. Wir sahen da schrittweise den Werdeprocess seiner Projecte, die

Phasen und Wandlungen derselben; auch dies wurde ersichtlich, wie

selbst während des bereits fortgeschrittenen Baues veränderte Entschließungen,

 entscheidende Correcturen eintraten.

Inmitten all' dieser Arbeit wusste er wohl und musste es auch

wissen, dass sein Name mit dem Begriff der neuen, auf wohlgeprüfte

Stilgrundlagen gestellten Wiener Architektur untrennbar verknüpft sei.

Dabei hatte er aber durchaus den reinen, edlen Drang, seine bedeutenden

Mitgenossen hochzuhalten, mit voller, rückhaltsloser Künstlerfreundschaft.

Einen tragisch ergreifenden Eindruck macht der Gratulationsbrief FersrePs

an Theophil Hansen zu seinem 70. Geburtstage; eine künstlerische Confession

 in den letzten Lebensstundcn, welche der Meister dem Sohne

noch klaren Geistes in die Feder dictirte. Nur folgende Stellen seien

hervorgehoben: uJedem Menschen ist sein Lebensweg vorgezeichnet. Was

er schafft und wirkt, ist Resultat seiner Individualität. Wie sehr drängt

mich meine Empfindung dazu, Dir heute zu sagen, wie gerade Deine

künstlerische Individualität so außerordentlich erfolgreich für unsere Zeit

werden musste. Und siehe da, ein Schicksal, wie es grausamer kaum gedacht

 werden kann, bestimmt, dass Deine beiden jüngeren Fach- und

Kampfgenossen (ich selbst und Friedrich Schmidt) dem schönen Feste

Deiner 70. Geburtsfeier fernstehen, während gerade ihnen die Verpflichtung

 obliegen würde, Dich heute auf den Schild emporzuheben. Sei es

mir wenigstens gestattet, in flüchtigen Zügen zusammenzufassen, was

ich Dir sagen möchte, wenn ich so glücklich wäre, Dir heute persönlich

gegenüberstehen zu können-n. Der Brief überfliegt nun ein ganzes Zeitalter:

 die allrnälige Erlösung der Baukunst vom Banne des Buraukratismus

seit dem Jahre 1848; die außerordentliche bauliche Entwicklung Wiens

seit den sechziger Jahren, wo gleichwohl nur von einigen Künstlern jene

Richtung vorgezeichnet wurde, die man heute allgemein mit dem Namen

"Wiener Stile benennt u. s. f. Und nun folgt wieder der höchst bemetkenswerthe

 Ausspruch: vFreund Schmidt und ich hätten heute einen

schönen Anlass gefunden, öffentlich zu erklären, wie Künstler, verschiedenen

 Richtungen angehörig und doch den gleichen Zielen zustrebend,

in fOTKSChIelIIIIClCIU geistigen Wettkampfe nie andere als rein sachliche

Interessen aufkommen lassen werden, sobald sie die Kunst und sich gegenseitig

 achten . . .1
            
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