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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 11)

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Literaturbericht. 
Bruno Bucher: Real-Lexikon der Kunstgewerbe. Wien, G. P. Faesy, 
r884. 8. IV u. 487 S. 
Ein Werk wie das vorliegende, das eine vollstandigs Erklärung aller auf das 
Kunstgewerbe bezüglichen Ausdrücke enthält und zwar vollständig für alle Gewerbs- 
zweige nebst Aufschlüssen über Orte, Personen u. s. w., welche in der Geschichte des 
Kunstgewerbes eine Rolle spielten, das dazu noch Erklärungen sammtlicher heute noch 
in der bildenden Kunst verwendeter Typen der classischen und nordischen Mythologie, 
so wie der wichtigsten Geräthe, Embleme etc. des christlichen Cultus bringt, d. h. alle 
Begriffe umfasst, die für einen Kunstgewerbetreibenden, sei er nun ausübender Meister 
oder Schüler, oder auch nur Liebhaber, der Erklärung bedürftig sind, hat bisher voll- 
ständig gefehlt. Jetzt, wo das Buch vollendet vor uns liegt, können wir kaum begreifen, 
wie wir uns bisher bei solchen Fragen durchhelfen konnten, ja viele der zunächst 
Betheiligten werden sich erinnern, dass sie, wenn es noththat, einen oder den anderen 
Ausdruck in kürzerer Zeit erklärt zu finden, überhaupt in der zugänglichen Literatur 
keinen Aufschluss finden konnten, sondern auf mündliche Umfrage angewiesen waren. 
Dem sind wir nun mit einem Male entliehen, die einzelnen Artikel geben in allen 
Fällen pracisen Aufschluss, wichtigere Gegenstände werden in längeren Abhandlungen 
behandelt, und für weiteres Studium dem Leser die Fachliteratur angegeben, und zwar 
in einer sorgfältigen Auswahl, die nur das lnstructive und Brauchbare berücksichtigt. 
Die Erklärungen umfassen auch alle veralteten Ausdrücke, so wie die aus fremden 
Sprachen entnommenen. Besonders hervorzuheben ist dabei die Erklarung der italienischen 
Worte, die in der gewöhnlichen lexikalischen Literatur nur zu häufig nebenbei behandelt 
werden. 
Der Autor bemerkt in der Vorrede, dass die Aufnahme der mythologischen Figuren 
Widerspruch erfahren habe. Mir scheint das gerade ein glücklicher Griff. Dem Fabrikanten 
und Kunstarbeiter begegnen überall die emblematisch gebrauchten Figuren der classischen 
Mythologie, und bei seiner Vorbildung ist er selten in der Lage die Handbücher, die ihm 
Aufschluss geben konnten, aufzufinden, auch würde er gerade das, was er darin sucht 
selten finden, oder aus einem Wust von Notizen nicht herauszuschalen verstehen. lhm 
handelt es sich nicht um ihre mythische Bedeutung, sondern um ihre landläufig symbo- 
lische. Freilich war hier die Auswahl sehr schwierig, da nur die wirklich in der modernen 
Kunstindustrie verwendeten zu beachten waren. Wie glücklich sie gelost ist, mag u. A. zeigen, 
dass von den Heroen zwar die allgemein als Embleme verwendeten Hercules, l-lelena, 
Ganymedes. nicht aber die mythisch eben so wichtigen, aber emblematisch nicht verwendeten 
Theseus oder Achilleus aufgenommen sind. Natürlich finden die ornamental so häufig 
gebrauchten Zwitterwesen wie Hippocamp, Hippogryph, Sirene etc. eine vollständige 
Erklärung. 
Ebenso glücklich wie in dem Fall der Mythologie, die nur als Beispiel dient, ist 
die geographische und historische Auswahl. Das Buch wird bald ein nothwendiger 
Begleiter jedes Kunsthandwerkers werden, oder wenigstens jener, denen an ihrer 
Ausbildung gelegen ist. F. W. 
z 
Moritz Thausin g: Dürer, Geschichte seines Lebens und seiner Kunst. 
Mit Illustrationen und Titelkupfer. Zweite verbesserte Auflage in zwei 
Bänden. Erster Band. Leipzig, E. A. Seemann, 1884. 8. lX u. 384 S. 
Die zweite Auflage des geschützten Buches, welches inzwischen eine Uebersetzung 
in das Französische und Englische erfahren hat, bot dem Autor Gelegenheit, seine fort- 
gesetzten Studien über Dürer zu verwerthen. ln allen Punkten konnten die neuen 
Resultate der ersten Auflage festgehalten werden, und sie erscheinen hier nur durch neue 
Urkunden und Beobachtungen gekräftigt. Gerade jene Fragen, in welchen Thausing am 
stärksten bekämpft wurde, in der Bedeutung des W auf den bekannten Kupferstichen, 
in dem Verhältnisse Dürer's und Barbari} in der Behauptung eines Aufenthaltes in 
Venedig im Jahre 1494, wurde die Ansicht Thausing durch inzwischen bekannt gemachtes 
Material, so wie durch eigene oder fremde Untersuchungen bestätigt, während sich von 
den Einwürfen, besonders jener Ephrusis, keiner Geltung zu verschaffen gewusst hatte. 
Wir dürfen hoffen, dass in dem bald zur Ausgabe gelangenden zweiten Bande, Thausing 
seine schon zum Theile veröffentlichten neuen Studien über Dürer's Verhaltniss zur Re- 
formation verarbeiten, und dadurch jene letzte Periode des Künstlers in noch helleres Licht 
stellen wird. . F. W. 
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