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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 11)

Kunst an. Dagegen lasst sich im Princip nichts einwenden. Anderseits wird man aber

von einer Decorationskunst, die solchen lmpulsen folgt, keine Qualitaten erwarten, die

ihre Meisterin. die moderne Malerei selbst nicht besitzt. Es liegt vielmehr in der Natur

der Sache, daß die Schwächen und Mangel, die der einen anhaften, auch bei der anderen

auftreten, und zwar um so sichtbarer, als man an derlei Entwürfe nicht die höchste

künstlerische Leistungsfähigkeit zu verschwenden pflegt. Alle jene Neuerungen, die

man kurz als Mode in der Kunst bezeichnen kann, sind hier reichlich vertreten. So die

seit einigen Jahren beliebten ln- und Aufschriften, die in mühaarn erzwungener Originalitat

 einen Hexensabath alphabetischer Willkür feiern, die neu entstandene Symbolik,

 die mit kindisch brutaler Derbheit auf den Gegenstand losschlagt oder ihn charadenhaft

 andeutet, statt ihn mit künstlerischen Mitteln poetisch zu umschreiben, die unmelodiese,

 eckige, bald absichtlich skizzenhafte, bald treu der Photographie folgende

Compositionsweise des Figürlichen und Landschaftlichen. das achrullcnhafte Format, das

absichtliche Außerachtlassen richtiger Proportionen, das Vermeiden alles Conventionellen

bis zur lngstlichen Flucht vor jeder formalen Schönheit, all' das und noch manches

Andere haftet auch diesen Entwürfen an. An decorativen Vorbildern der Antike oder der

Renaissance dürfen wir sie also nicht messen. Aber je deutlicher ihre Mangel hervortreten,

 desto weniger, meinen wir, braucht man damit strenge in's Gericht zu gehen.

An Reizen solcher Art sieht sich auch der Stumpfsinn bald satt, und vielleicht gehört

es mit zu einer Kunst, die sich an das große Publicum wendet, dass sie sozusagen

Saison-Modenarrheiten mitmacht. - Jedenfalls erblicken wir in diesen Dingen nicht den

Kern der Sache. Dieser ist vielmehr ein gesunder, Hoffnung erweckender, zukunftsfreudiger,

ein solcher, der darauf hindeutet, dass wir erst am Anfang einer Bewegung stehen, deren

Ziel dahin geht das gesammte Gebiet der Kunst mit der Tendenz, die sich auf dem

Gebiete der Litteratur schon seit viel langerer Zeit geltend gemacht, in Einklang zu

bringen. Die Befreiung von der Schablone, das Herbe, Selbstbewusste, Rücksichtslose,

die frische Erfindung, das unbeengt Fröhliche und derb Sinnliche, die originelle Wahl

und Behandlung der Pßanze im Ornament, der Apell an ein Publicum, dem der Stil

gleichgiltig und die Kunstgeschichte fremd sein darf, daa ist es, worin wir die Hauptvorzüge

 dieser Blätter erblicken. Wein, Liebe, Musik und Tanz ist das Thema, das in den

verschiedensten Combiuationen diesen Entwürfen zu Grunde liegt.

Eine Reihe theils alterer bewährter Künstler, theils jüngere kaum noch bekannte

Namen, Maler hauptsächlich aus Wien und München haben sich an der Ausführung hetlteiligt.

 Von Wienern finden wir in den bisher erschienenen vier Nummern unter

Anderen: Heinrich Lefler, Moser, Liebscher und Schmutzer; aus München haben sich

Stuck, Diez, Lossow, Kaufmann und E. Unger betheiligt. Von dieser mit vieler

Umsicht gewählten Künstlerschaar ist denn auch das anregende Thema auf das Vielseitigste

 und Mannigfaltigste variirt worden.

Unter den vielen Entwürfen verdienen einige wegen ihrer hübschen, originellen

Erhndung besonders hervorgehoben zu werden. So die Liebe und Tanz behandelnden

Entwürfe von Lefler und Moser, denen sich die Compositionen von Rinner gleichwerthig

 anreihen, nur dass letzterer etwas derb im Ausdruck geworden, ohne jedoch

dabei alle Anmuth einzubüßen. Auch Schmutzer hat namentlich in seinem frischen,

lebendig bewegten Kinderreigen einen Beitrag geliefert, dem es ebensowenig an Beifall

mangeln wird, wie der anonymen prächtig gezeichneten Weinlese und den gefallig

erfundenen Compoaitionen von Kaufmann. Nicht minder gehört eine stimmungsvolle

Liebes-Idylle in einer Parklandschaft von Halmsky in Prag mit zum Besten, waa bisher

für diese Neue Folge der Allegorien gezeichnet wurde. - Diez hat sich ganz in das

Fahrwasser der modernen Engländer begeben, mit wie viel Erfolg wollen wir nicht

untersuchen, jedenfalls ist er es, der der Mode die weitgehendsten Concessionen macht.

Von seinem Schüler Unger finden wir zwei Blätter mit Bauerntanzen, das eine in der

Art Holbeins am Haus zum Tanz, das andere im Genre Defregger. H. Lossow hat etwas

süßliche aber grazios bewegte Gruppen erfunden. Stuck endlich mit kraftvoller Derbheit

in seiner eindringlich auf die Sinne wirkenden Art eine Kreideskizze in mehreren Tonen

entworfen, ein tanzendes Liebespaar, dem zwei Faune aufspielen. L ie bache r, S va b i ns ky,

Koppai und Andere haben sich'a an weiblichen Acten genügen lassen, die in mehr

oder minder erzwungener Pose Wein, Liebe, Gesang oder Tanz symbolisiren.

Die Reproductionsweise aller dieser Beitrage steht vollkommen auf der Hübe

moderner Technik, sowohl was die Schwarzdrucke als was die farbigen Tafeln betrifft.

Ein besonderer Vorzug ist hierbei die Rücksichtnahme auf alle möglichen Darstellungsarten,

 wie Aquarell, Tusch-, Feder- und Kreidezeichnung, Radirung, Darstellung in

einer Farbe oder in mehreren leichten Tonen etc.

Die erste Serie wird circa 45 Tafeln in Buch-, Licht- und Farbendruck sowie in

Heliogravure enthalten. Eine zweite Serie soll in 75 Tafeln Künste und Wissenschaften,

Jahreszeiten und Sparte umfassen, so dass daa Werk mit etwa tzo Tafeln abgeschlossen ware.

Fs.

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