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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 1)

Der Verfasser arbeitete seine Geschichte der beiden Fischer größtentheils aus 
dem Rohen heraus, und weil er hiebei mit der unvermeidlichen Pedanteric des strengen 
Historikers vorgegangen ist, so bleibt uns auch nicht der geringste Beweis erspart für 
seine Aufstellungen im Einzelnen, nicht die geringste Polemik, mit der er die lrrthümer. 
der bisherigen Litteratur auszurotten beniüßigt war. Es ist nur ein leidiger Ausfluss 
menschlicher Unvollkommenheit, wenn, wie überall, so auch in diesem Buche jeder 
Vorzug zugleich nach anderer Seite einen kleinen Nachtheil in sich birgt. Da llg mit 
vollen Händen gibt und seine Gaben keinem Zweifel überlassen will, musste nothwen- 
digermaBen die Uebersichtlichkeit der Darstellung darunter leiden. Mancher wird such 
die Belehrung durch begleitende lllustrationen vermissen, aber 31g Seiten zlhlt schon 
dieser erste Band, und wohin ware es gekommen, wenn nur jedes in Frage kommende 
Bauwerk, geschweige denn jedes interessante oder strittige Detail zur Abbildung gelangt 
wlrel - Der streng historische Charakter von llg'a Forschung brachte es ferner mit 
sich, dass die Darstellung sich unbeugsam an die chronologische Abfolge gehalten hat. 
Dieser vom Standpunkte der Methodik gewiss höchst achltzenswertlie Vorzug musste 
unvermeidlich den Nachtheil nach sich ziehen, dass sich die kunstkritischen Erörte- 
rungen auf verschiedene Stellen des Buches vertheilen, wodurch es dem Leser erschwert 
wird, ein einheitliches Bild von der Kunstweise Fischer's und vom Wiener Barock über- 
haupt zu erhalten. Wie, wenn llg sich entschlösse, nach Beendigung des ganzen Werkes 
ein compendioses, mit Illustrationen versehenes Buch über die Fischer herauszugeben, 
das blos die nackten Ergebnisse seiner Forschungen enthielte? Man verstehe uns nur 
recht: wir - die Zunftgenossen möchte ich sagen - sind zufrieden mit dem Gebo- 
tenen und begehren natürlich nichts Anderes; aber einer überaus großen Menge von 
kunstbegeisterten Oesterreichern würde llg durch eine solche rVolksausgabes gewiss zu 
Danke handeln. 
Bei dem Umfange des von llg behandelten Gegenstandes und der relativen Neuheit 
der Materie überhaupt, erscheint es ganz selbstverstlndlich, dass man über Vieles, was 
der Verfasser vorbringt, verschiedener Ansicht sein kann. So wollen wir, nur um der 
Recensentenpßieht zu genügen, beispielshalber erwähnen, dass uns die Beurtheilung 
BorrominVs nach der Klosterfaasade von San Filippo Neri zu einseitig erscheint, weil 
gerade in dieser Fassade der Künstler in mehr als einer Hinsicht durch die Rücksicht- 
nahme auf die danebenstehende altere Fassade der Chiesa Nuova gebunden war; dass 
wir in dem Verfasser des nEntwurfs einer historischen Architektur. nicht so sehr den 
Vorlaufer Winckeltnann's, als den Entwerfer der indianischen Cabinete u. dgl. für den 
exotischen Modegeschmack der großen Herren damaliger Zeit erblicken mochten; dass 
uns auch das Vorkommen gothiscber Bauversuche zu Fischer's Zeit nicht als Vorbote 
der spateren historischen Strömung, sondern als unmittelbares Nachleben der deutsch- 
rnittelalterlichen Gotbik erscheint u. s. w. Das Maßgebend: bleibt immer, dass der Ver- 
fasser seine Anschauungen mit einer klaren und niemals schwankenden, weil durch jahr- 
zehntelange Forschung gefestigten Ueberzeugung zum Vortrag bringt, wodurch einer- 
seits den minder selbstlndigen Lesern, die ja immer die Mehrzahl ausmachen, eine sichere 
Anlehnung ermöglicht, den Fachkundigen ein fester Anhaltspunkt für die Anknüpfung 
eigener Wahrnehmungen, unter allen Umständen aber fruchtbare Anregung geboten wird. 
-- Alles in Allem genommen wird man sagen dürfen, dass das Buch in der kunsthisto- 
riechen Litteratur überhaupt einen hohen Rang, in der Geschichtschreibung der oster- 
reichischen Kunst aber einen bevorzugten Ehrenplatz behaupten wird. Rgl. 
Kunstarcbäologische Aufnahmen aus Mähren. Von Alois Franz. Brlinn, 
R. Knauthe, 1894. Fol. ioo zinkograph. Taf. ohne Text. H. 4'8o. 
Eine im Ganzen dankenswerthe Publication, der k. k. Centralcommission für 
Erhaltung der Kunstdenkmale gewidmet. Der Herausgeber hat dabei nur eigene, recht 
sorgfaltige Zeichnungen nach Kunstwerken des genannten Kronlandes publicirt. welche 
er auf Reisen im Laufe der Jahre zahlreich aufgenommen. Es sind Aufnahmen im 
Geiste des Architekten, von sauberer Durchführung. Stellt sich das Ganze nach der 
Art seiner Entstehung auch etwas zufallig und ohne sllen Plan geworden dar, gibt es 
auch nur fragmentarisch ein blos theilweises Bild von dem Kunstscbafen in Mlhren 
von der romanischen Periode bis in die neueste Zeit, so hat das Werkchen doch 
manche Verdienste deshalb, weil es abermals ersehen lasst, welcher noch immer unge- 
hoben: Reichthum in dem Lande steckt, unerforscht steckt, an dem, wie fast in allen 
österreichischen Gebieten, die wissenschaftliche Forschung bisher noch so gleichgiltig 
vorubergegangen ist. Zwar ist für Mahren durch bildliche Illustration schon Manches 
geschehen, die Mittheilungen des Brünner Gewerbe-Museums, das Werk über die dorti e 
kirchliche Ausstellung, jenes über die Burgen und Schlösser des Landes anllsslich des
	        

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