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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 1)

Kaiser-Jubillums, sowie die schonen Lichtdruck-Publicationen über die Denkrnller von

Olmutz haben in jüngster Zeit viel dazu beigetragen, diesem Bereiche das Interesse der

Kunsthiatoriker zuzuwenden; da ist es denn aber recht erfreulich, durch eine neue

Gabe, wie die vorliegende, gewahr zu werden, wie reich die Quelle trotz solcher Ausbeutungen

 noch immer hieße. Freilich wäre bei all' diesen Unternehmungen Eines zu

wünschen. In der heute so beliebten, durch die bequemen und billigen Reproductionsverfahren

 ao sehr erleichterten Publicationaweise hat sich ein bischen ungeregelter

Raubbau merklich eingenistet und es fehlt darum immer mehr an Methode und System.

Wir werden schließlich vor der Fülle von Publicationen bisher unbekannter Kunstobjecte

 aus allen Ecken und Enden des lieben Vaterlandes rathloa wie der Zauberlehrling

 dastehen und nicht wissen, was wir mit den Wassern beginnen sollen, die wir

mit unseren billigen Rcproductionen sorglos und planlos beschworen haben. Der Ruf

nach einer ordnenden Hand wird immer dringender.

Damit aoll aber ltein specieller Vorwurf gegen das Franüsche Unternehmen

ausgesprochen sein. Es ist ja ganz loblich, dass der Zeichner von seinem Standpunkt

auch beiträgt. was zur Kunsttopographie des Landes verwerthbar sein kann, obschon

obne jeden Text die Veröffentlichung an einem empündlichen Mangel leidet. Sehen

wir aber davon ab, so kann man sich mit der Arbeit vielfach zufrieden finden.

Werthvoll sind vornehmlich die Darstellungen der deutschen Renaissance-Portale

in Mahrisch-Weißkirchcn, Proßnitz, Olmütz, Kromau und Trubau; die barocken Stucco-Fenster-Leibungen

 in Nikolsburg; die Spindeltreppe im Schlosse Kanilz; die schonen

gothischen Reste des Prlmonstratenserltlosters Rosa coeli daselbst, besonders der malerische

 Kreuzgang; die Renaissance-Architekturen des Schlosses Namiest, dessen herrliche

Bibliothek mit den Fresken von Carpofero Tencala im Barockstil Franz aber übersehen

 hat; die charakteristischen Hofe rnit Laubengangen der deutschen Renaissance

des XVL-XVll. Jahrhunderts in den Schlössern von Namiest, Ullersdorf, Rotschitz,

Weißkirchen, Kromau, Eywanowitz, Trübau; der Grabstein im Kreuzgang bei

St. Michael in Olmntz; jene in Ungnrisch-Hradisch; die farbige Mosaikplatte der Dietrichstein

 in der Brunner Garnisonskirche; die l-lolzkirehen in Hotzendorf und GroB-Karlowitz 5

die reichen Chorstühle später Renaissance in Konigsfeld ; die Kirchenthüre der Ursulinerinnen

 in Olmutz; die Zunfttruhen, das Taufbecken bei St. Jacob in lglau; der prachtvolle

 gothische Hangeleuchter in Alt-Brunn; die vielen schonen Grabkreuze und Portale,

Gitter und Oberlichten aus Eisen, die Zinngefaße der Handwerlter-lnnungen und endlich

die Siegel. Dagegen sind die silbernen Bestecke aus der Sammlung Promber in Ungarisch-Hradiach

 mit dem Bildnisse Kaiser Maximilian's l. und Ornamenten im deutschen

Renaissancestil (Taf. 88) entschieden Fälschungen; auch zu dem Buffet in Ullersdorf

(Taf. 43) haben wir durchaus kein Vertrauen bezüglich seines echten Alterthums.

Alles in Allem genommen, kann der Billigdenkende dem mit aichtlicher Liebe

veranstalteten Werke nur seine vollste Anerkennung zollen. Was daran mangelt, zu

vervollstlndigen, wäre Sache anderer Factoren. Als Correspondent der k. k. Central-Commission

 hat der Herausgeber einen achtenswerthen Beitrag zur Vervollstlndigung

ihrer Absichten in loealtopngraphischer Hinsicht geliefert und uberdiea gewiss auch für

moderne Schaifende zahlreiche Vorbilder künstlerischer Arbeit beigebracht. llg.

l

Sammlung von Abbildungen türkischer, arabischer, persischer, centralasiatischer

 und indischer Metallobjecte. Mit einleitenden Bemerkungen

herausgeg. vom k. k. Oesterr. Handelsmuseum. Wien, Verlag des

k. k. Oesterr. Handelsmuseums, 1895. Fol. H. 30.

Auf 50 Lichtdrucluafeln bringt diese Publication eine Reihe von Gefäßen zur

Darstellung, deren Form und Decoration in gleichem Maße unser Interesse beansprucht.

Wie schon der Titel besagt, sind die meisten der Länder vertreten, die wir in dem

CollectivbegriE nOrientu zuaammenfassen, von der frankischen Einfluss zeigenden Türkei

bis zu dem chinesische Ornamentformen aufweisenden Nepal. Die Mehrzahl der Gefäße

sind gegossene Erzeugnisse des Gelb- und Kupferachmiedes und durch Gravirung,

Tauacbirung, bei Arbeiten der Hindu durch Treiben auf's Reichste verziert. Wo die perspectivische

 Darstellung der Obiecle die Decoration stark verkürzt, sind Abwicklungen

der betreEendcn Ornamente beigegeben. Vorwiegend sind die zu religiösen Waschungen

dienenden Wasserkanncn sarnmt Becken und die dieselbe Form zeigenden Theekannen

vertreten, und wie sehr sich auch all' diese Gcflsse in der Gesamrntform gleichen, so

ist doch durch Variation der Grundform und verschiedenartige Ornamentation eine große

Abwechslung erzielt. Einen besonders gefälliger: Eindruck machen die mit Gold und

Silber tauachirten sBidric-Gefaße aus Hyderabad, und es sind in der Beschreibung der

Tafeln detaillirte Angaben über deren Herstellung enthalten. H-e.

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