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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 4)

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schulen vollständig befriedigt worden. Nach dem Wortlaut: in dem Vorworte hatte man

bei der Bearbeitung des BuchneHschen Leitfadens gerade die genannten Bildungsanstalten

im Sinne; aber nunmehr das Resultat dieses Strebens vorliegt, erscheint uns der ursprüngliche

 Charakter des Leitfadens wesentlich verändert. Durch zahlreiche kleinere Einschaltungen

 im Texte und ganz neue Ausarbeitung mehrerer ausführlicher Abschnitte wurde

der Umfang des Büchleins im Ganzen um sieben Druckbogen vermehrt, was trotz der

x74 Abbildungen einer ausgiebigen Vermehrung des Lernstolfes gleichbedeutend ist. Ich

fürchte nicht, missverstanden zu werden, wenn ich sage, aus einem Lernbuchc sei nun fast ein

Lesebuch geworden; das wird aber vollständig zuStande kommen, wenn die Autoren ihre Absicht

 ausführen und in der nächsten Auflage noch die Geschichte des Wohnhauses, das Verhaltniss

 derAntike zur Renaissance, ausführliche Berücksichtigung der deutschen Renaissance

und des Kunstgewerbes und eine Uebersicht der Kunstlitteratur bis zur Aufzählung größerer

Aufsätze aus Zeitschriften in ihr Bereich ziehen wollen. Das ist gewiss sehr loblich, besonders

wenn alle neuen Artikel so sorgsam ausgearbeitet werden, wie jene über die Malerei des Mittelalters

 und über die Entwicklung der Barocke in den einzelnen Ländern. (Die Charakteristik

des Rococo in seinem Elemente als decorativen Stils ist ein wenig zu kurz ausgefallen.)

Aber ein so ausgewachsenes Handbuch ist zum eigentlichen Schulgebrauche nicht mehr

recht verwendbar. Man kann doch nicht dem Lehrer der Kunstgeschichte, bei deren

Unterricht das lebendige, begeisternde Wort die Hauptrolle spielt, zumuthen, dass er den

Schülern das ganze Buch sozusagen vorlese und ihnen dann angebe, wie viel oder wenig

sie sich von dem Texte für die Prüfungen anzueignen haben. Uebrigens haben die Autoren

selbst schließlich ihr Buch für weitere Kreise und zum Selbsluntetrichte bestimmt. Zuletzt

kann nicht unerwähnt bleiben, dass in beiden Werken noch einige Nachträge zur osterreichischen

 Kunstgeschichte erwünscht und mehrere zum Theile sehr störende Drucktehler

 zu tilgen sind. Chmelarz.

n

Die Bautbätigkeit und Kunstpflege im Kloster Wessobrunn und die Wessobrunner

 Stuccatoren. Von Dr. Georg Hager. München 1894. Sonderabdruck

 aus dem oberbayer. Archiv des histor. Vereins von Oberbayern.

Dieses Buch ist mit sichtlicher Begeisterung für seinen Gegenstand und auf Grundlage

 einer sehr eingehenden Localforschung geschrieben und erfüllt dadurch den Zweck

einer gediegenen kunstgeschichtlichen Untersuchung über jenes uralte, im Jahre 763 bereits

gegründete bayerische Stift, welche bisher fehlte. Seiner Anordnung nach zerfallt es in

zwei Partien, von welchen die erste im großen Ganzen die mittelalterliche, die zweite

die Barock- und Rococoperiode des Hauses ganz vorzüglich behandelt, wenngleich man

in der Darstellung beider Perioden vielleicht etwas klarere und concisere Zusammenfassung

 des unendlichen Stoffes wünschen würde. Die mit anerkennenswerthem Fleiß:

gesammelten Details zerquellen Einem etwas zu sehr bei der nicht mühelosen Lectüre

und man hat zu thun, um sich aus denselben das Gesnmmtbild zu gestalten, welches die

Schilderung des Verfassers als Resultirende uns über der Fülle von Einzelheiten eigentlich

 schuldig bleibt. Der Autor hat eben große Verdienste als ein enorm eifriger

Sammler und Forscher von Materialien, aber es mangelt ihm noch an Methode, um ihrer

zum bequemen Genusse des Lesers Herr zu werden. ln unserer kurzen Besprechung des

Buches gehen wir übrigens an dem die altere Zeit betreEenden Theile hier kurz vorüber,

denn, was uns besonders interessirt, ist die Zeit der Wessobrunner Stuccatoren des

Barnckzeitalters, über welche sich der zweite Abschnitt eingehend verbreitet. Wir bemerken

 blos, dass Hager mit ausgezeichneter Sorgfalt bemüht ist, das Bild der mittelalterlichen

 Klosterkirche, welche bei der Saecularisirung barbarischer Weise dem Erdboden

gleich gemacht worden war, wieder zu erwecken; dass dabei namentlich seine Forschungen

über die romanischen Apostelstatuen, von denen noch Fragmente vorhanden sind, ausnehmenden

 archaeologischen Werth besitzen. Mit diesen und den übrigen seiner Untersuchungen

 über die mittelalterliche Kirche und das Kloster wird man nur einverstanden

sein können und sie als erfreuliche Früchte liebevoller Beschäftigung mit dem Gegenstande

 begrüßen. Sowohl uns nach unserer speciellen Richtung, als dem Interesse dieser

Blltter liegt es aber zu ferne, sich auf die mittelalterliche Geschichte jenes südbayerischen

Klosters naher einzulassen, wogegen der zweiteTheil, besonders nach der Werthbedeutung,

die demselben der Autor selber für die österreichische Kunstgeschichte beimisat,

wohl geeignet ist, unsere besondere Beachtung herauszufordern. Aber, wir vermogen

uns mit dem Verfasser leider in dieser Hinsicht nicht eben einverstanden zu erkliren.

Hager hat gefunden, dass sich in dem Bezirke des ehemaligen Stiftes Wessobrunn

seit dem 17. Jahrhunderte eine Unmasse Stuccatorer befanden, deren Namen er in unerschopflichem

 Reiehthum aus dortigen Kirchen-, Pfarr-, Tauf-, Trau- und Sterbeverzeichnissen

 bis in unser Saeculum mit größtem F leiße herausgehoben hat. Er bespricht

auch stilgeschichtlich genau ihre Leistungen, die Stuccaturen, welche sich in den noch.
            
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