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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 7)


klagt schon über die empfindliche Concurrenz, welche durch das neue

Kleidungsstück gegenüber der altehrwürdigen Toga erstanden war:

i-Welche Erniedrigung haben der Beredsamkeit diese Paenulae angethan

 in ihrem Gehege, ja wie von ihnen eingeschlossen schwätzen wir

nur mehr mit dem Richters"). Er beklagt den Verlust der majestätischen

Gesten, welche in der schweren, den rechten Arm aber doch freigebenden

Toga von selbst sich ergaben. Das neue, vielleicht aus Lacedaemonien

stammende Kleid umschloss aber fast in Manneshühe den ganzen Körper;

ohne jede Oeifnung, mit Ausnahme des runden oder länglichen Loches,

um den Kopf durchzustecken, lastete es von allen Seiten gleich auf den

Schultern und den beiden Armen, wenn diese es versuchten, unter dem

Kleide hervorzukommen. Bei den verschiedenen Arten von Paenulae, mit

und ohne Capuze, reichlicher in den Falten und enger anliegend, ist

nicht an eine Art von modernem Radmantel zu denken, der vorne oEen

ist und von rückwärts her umgelegt wird, sondern die Paenula musste

in einer Hälfte zusammengeraüt über das Haupt gehoben werden, und

so erst konnte ihr Träger mit dem Kopfe hineinschlüpfen. ln Bezug auf

Verwendung und Form hat dies sehr praktische Kleidungsstück eine überraschende

 Aehnlichkeit mit den neuestens in größere Aufnahme kommenden

 wWettermäntelnu unserer Lodenindustrie. Der Apostel Paulus

trug einen solchen Reisemantel und schreibt um denselben an seinen

Schüler Timotheus: nPaenulam oder im Griechischen 1:611 qaslövqv, auch

qaawaälrou, meinen Mantel, den ich in Troas bei Carpus gelassen habe,

nimm mit Dir, wenn Du kommst, auch die Bücher, vor Allem das Pergamenta.

 2. Timotheusbrief 4„ 13.

Dieses kegelartige, rundum geschlossene Kleid mochte außerordentlich

praktisch auf Reisen gegen Kälte und Regen sein und wurde darum auch

von den Theaterbesuchern getragen. Ursprünglich soll es auch nach

Weiß, Costümgeschichte I, 463, ein Sclavenkleid gewesen sein, schlug

aber dann dem immer schwerer und complicirter werdenden officiellen

Staatskleide, der Toga, gegenüber den umgekehrten Entwicklungsgang

ein und wurde leichter und graziöser: rpaenula nobilisa. Natürlich hatte

dies Kleid auch den Reiz der Neuheit für sich und übte diesen nicht nur

den Männern, sondern wohl noch mehr den Frauen gegenüber aus. Kaiser

Caligula machte sich noch lächerlich, als er in einer bunten und gemmengeschmückten

 Paenula erschien, wie sie nur von Frauen getragen wurde.

Aber schon Alexander Severus erlaubte officiell den Senatoren, zuerst

wohl nur zum Schutze gegen die Kälte, den Gebrauch dieses merkwürdigen

Kleides. Und wenn auf den Reliefs des Constantinbogens die Paenula

im Gefolge des Kaisers schon häufiger auftritt, verbot ein kaiserlicher

Erlass im Codex Theodosianus 438 (l. XIV tit. 10, c. i) den Senatoren die

') Qulntum humilitatis putnmus eloquentine nttullisse puenulas isns; quibus

nscriczi et velul inclusi, cum iudicibus fnbulamus? Quint. in R. de Fleury VII, 114.
            
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