Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 7)

43 l

Lebensweise (der lex Romana). Allein allmälig kam die kurze und enge

Kleidung der Germanen als die bequemere besonders bei den arbeitenden

Classen und niederen Ständen mehr in Aufnahme, Aund die römische lange

Gewandung blieb den Beamten, den vornehmen Ständen und vor Allem

dem Clerus als Amts- und Staatskleidung vorbehalten; wir würden sagen

(meint Krieg l. c. 182), es war der Gegensatz zwischen der Robe und

dem kurzen Rocke. - Die Kirche erwies sich auch hier als die stärkste

Macht gegen die Eindringlinge, indem sie am zähesten an der alten feierlichen

 Tracht festhielt. Dies Festhalten war durch den Hof, d. h. dadurch

begünstigt, dass die zahlreichen Beamten am kaiserlichen Hofe den ererbten

Typus beibehielten. Es hatte sich also durch das Eindringen der kurzen

nordischen Kleidung vom 5. Jahrhundert an ein Unterschied zwischen

Volkstracht und Autoritätskleidung herausgebildet, letztere im Kreise der

Kirche, des Hofes und der Beamtenschaft. Der Autorität ist es ja eigen,-dass

 sie stabil zu sein oder zu werden sucht und wohl auch, dass sie

sich unterscheiden soll von Anderen, denen sie zu imponiren berufen ist.

Daher das Festhalten an den antiken Kleidungsformen, die schon an sich

einen würdevollen Eindruck machten.

Ausdrücklich wird uns dies von der Umgebung des Papstes Gregors

des Großen (T 604,) erzählt, es habe keiner seiner Getreuen, vom Mindesten

 bis zum Höchsten hinauf, sich nach barbarischer Sitte gekleidet,

noch auch ihre Sprache angenommen, sondern das latinische Element

habe die Oberhand behalten und Jeder im päpstlichen Palaste: palatium

latiale, der von Latium seinen Namen führte, sei der Quiritensitte von

Toga oder Trabea treu geblieben (Joah. Vita Gr. II, c. 13). Wobei wir

natürlich nicht mehr an die Wiederaufnahme der alten Toga denken, es ist

nur der alte Ausdruck für irgend ein längeres wallendes Kleid, etwa so

zu verstehen, wie selbst im Ceremoniale Episcoporum, das bis in unsere

Tage kirchlich giltig ist, die alte Toga erwähnt und von der Begleitung

des Bischofs, der in seine Diöcese einzieht, verlangt wird: reliqui togati.

(Cerem. Episc. I. c. II, n. 4,.)

Die Paenula wurde gewiss auch wegen ihres majestätischen Eindruckes

 als Kleidung des opfernden Liturgen gewählt, während seine

Diener, die Diaconen, nach einer Vorschrift der Constitutiones Apostolorum

 II. 57 leichter gekleidet sein sollen, denn sie gleichen den Matrosen

im wSchiHeu der Kirche, der Bischof aber nimmt als Steuermann den

beherrschenden Platz auf seinem Throne hinter dem Altare ein: darum

gebührt ihm die majestätische Paenula, diesen die bequemere Dalmatik.

Jetzt war auch die Einheit in der Farbe gebrochen. Da die Griechen

und Römer zu ihrer Festkleidung nur die weiße Farbe wählten (Leinen

und gebleichte Wolle), erklärt es sich, dass die älteste liturgische Farbe

eben das Weiß ist und dass die ncandida vestimenta geradezu ein Gegensatz

 zu den quotidianau waren. In dem Worte Candidat haben wir noch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.