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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 12)

QILU

immer nur sehr dünnen Auftrag des Gypsbreies, der jedesmal frisch bereitet

 zur Verwendung kommt. Für die letzte Lage wird dem Gyps eine

Quantität Peseri (ueßügz) und Seife zugesetzt. Dieser Peseri ist schon

von Mialle als huile siccatif bezeichnet worden. In der That können wir

in ihm ein trocknendes Oel erkennen, sei dieses nun durch irgend ein

Mittel von dem darin enthaltenen, das Trocknen verzögernden- Pflanzenschleim

 befreit oder nicht. (Ein Firniss oder ein Firnissöl.) Sollten wir

es mit einem Firniss zu thun haben, dann aber gerade das Wesentliche,

das den Pflanzenschleim bindende Mittel nicht angegeben finden, so müssen

wir dies als einen der im Handbuche mehrere Male vorkommenden Fälle

betrachten, wo bei sonst pünktlicher Beschreibung aller, auch unwesentlicher

 Umstände die Hauptsache ausgelassen ist. Für unser Verständniss

 ist dies kaum von Belang, da das Fehlende leicht zu ergänzen

ist, sei es auch nur durch irgend eine gleichwerthige Substitution. Am

unsichersten ist die Bestimmung der für die Malerei auf Gypsgrund angewendeten

 Bindemittel der Farben. Wir haben hiefür nichts als eine

triftige Vermuthung. Diese stützt sich zunächst auf die Thatsache, dass

außer den mit Gyps grundirten Holztafeln auch noch v-Tuchu auf Rahmen

gespannt beschrieben ist, dessen Grundirung gleichfalls aus Gyps und

Leim besteht (nur - um Sprünge zu vermeiden - mit einem Zusatz von

Seife und Honig), und dass für die Malereien auf diesen Tafeln die

Farben als mit Ei temperirt angegeben werden. Es ist somit wohl sehr

wahrscheinlich, dass auf Gypsgrund überhaupt mit Eitempera gearbeitet

wurde und, wie die Vorschrift lautet, eine leichte Lage Firniss das Bild

verschönerte und schützte. Hier nur das Eiweiß als Bindemittel ') anzunehmen,

 ist ausgeschlossen, da im Original ausdrücklich steht: Hüg 1113:

dovleüqg elg mwl y} uüyov . . . und utiyb nur schlechtweg Ei heißt.

Gegen die Eitempera spricht freilich auch eine Stelle, die anordnet: auf

die Augensterne, die kräftigen Partien der Augenbrauen und Nasenlöcher

Schwarz mit Ei") (aüyoal guzüpw) zu legen. Eine Bemerkung, die überflüssig

 erscheint, wenn es sich im Allgemeinen um Eitempera handelt.

Dass Oelfarben ausgeschlossen sind, geht aus dem Umstande hervor,

dass die Oelmalerei (das nun": 1101101191113") in einem besonderen Capitel

erklärt wird und dort auch abweichende Vorschriften über die Zubereitung

 des Stoffes als Malgrund zu finden sind. Dieses Capitel scheint zu

den jüngeren Zusätzen des Handbuches zu gehören. Seine Anleitungen

bestehen in Folgendem:

Die Farben werden zuerst mit Wasser gut abgerieben und getrocknet,

 dann mit dünnflüssigem Peseri auf Marmor gerieben und in

Näpfchen gethan. Das an der Oberfläche sich bildende Häufchen wird

nur an einer bestimmten Stelle gehoben, um das jeweilig zu verwen-')

 Z. v. Schäfer, a. a. 0., in der Ueberschrifx zu (j. 27 und sonst noch.

') Bei Schäfer, u. a. O.  17, u. Note '): -5chwnrz (mit) Eiweiß.
            
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