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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 3)


sicilischen Dekadrachmen von Syrakus und Agrigent, Ausnahmen) jetzt

häufiger werden, liegt ein Schritt gegen die Medaille hin. '

Das römische Weltreich knüpft an die Traditionen der Diadochenhöfe,

 vor allen Alexandriens an. Ebenso folgt es in der Architektur nur

mit vorzüglicheret Technik und nicht minder in der nachbildenden Kunst

den Vorbildern der großen Weltstädte Alexandrien und Antiochia. Von

dort her übernahmen die Römer auch nach dem Falle der Republik

die Gepflogenheit, das Herrscherbild auf ihre Münzen zu setzen. Aber

auf diesen selbst zeigt sich eine wichtige Neuerung. Statt der eintönigen

mythologischen oder symbolischen Darstellungen, welche, wie der Reichsadler

 der Ptolemäer oder der delphische Apollon der Syrier, auf dem Gelde

der Diadochen sich forwährend wiederholen, tritt, dem großen historischpolitischen

 Sinne dieses Eroberervolkes entsprechend, die historische

Scene, schon seit langem in der hellenistischen Kunst ausgebildet, nunmehr

 auch auf diesen officiellen Denkmälern in die erste Reihe. Schon

zur Zeit der Republik, auf den Consularmünzen, bildet die Darstellung

von Familienerinnerungen, welche mit großen Momenten der Staats?

geschichte verknüpft sind, einen wichtigen Bestandtheil des Typenschatzes.

So feiern die patrizischen Claudier ihren Ahnherrn, den Insubrersieger

M. Cl. Marcellinus, wie er den Tempel des Jupiter Feretrius weiht; die

Cassier, alle privilegirte Vertbeidiger der plebejischen Rechte, spielen auf

den berühmten Tendenzprocess gegen die Vestalinnen an, den ihr Ahne

l... Cassius Longinus siegreich durchführte. Die römischen Kaisermlinzen

werden aber nun eminent historische Quellen, nicht nur durch genaue

Datirung, sondern dadurch, dass sie die Regierungshandlungen des lmperatorsr

 vviederspiegeln, ja förmliche Regierungsprogramme entwickeln').

Dazu tritt dann als zweite neue und wichtige Erscheinung die ebenfalls

dem hellenistischen Orient entlehnte Allegorie und die Personification

ethischer BegriEe.

So hatten sich an dem gemünzten Gelde allmälig die Lebensbedingungen

 der Medaille entwickelt; kein Wunder, dass diese nunmehr

selbständig den Schauplatz betrat '). Der römische, sogenannte Medaillon,

der sich vom couranten Gelde sogleich durch Größe und Schwere unterscheidet,

 verleugnet seine Herkunft nicht; er ist durchaus geprägt

und hängt schon dadurch mit der Münzemissinn zusammen. Was ihn

aber von der heutigen Medaille scharf trennt und seinen ganz eigenthümlichen

 Uebergangscharakter ausmacht, ist seine Coursfähigkeiß).

Es ist dies nicht so zu verstehen, als ob er je wirklich coursirt hätte; er

ist als Schaugepräge ausgegeben und ward auch als solches angesehen,

4) Kenner, Programm-Münzen römischer Kaiser. (Numismat. ZGlHChL, 1385.)

i) Froehner, Le medaillon de Pempire romain, Paris 1878; F. Kenner, Rdmische

Medaillen! (des Wiener Cabinets). Jahrb. der Kunstsnmml. des Allerh. Kniserhauses,

Bd. l und Xl E.

') F. Kenner, Der romische Medaillen. (Numismat. Zeitschr. 1888.)
            
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