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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 4)

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offenbar zusammengehörige Medaillen auf Constantin d. Gr. und Heraklios,

deren Rückseiten auf die Legende von der. Kreuzerßndung anspielen. Goldexetnplare

 dieser beiden Stücke befanden sich ebenso wie Bleiabschläge

jener Medaillen der Carraresen im Besitze _des Herzogs Jean von Berri,

des berühmten Bibliophilen, der sie 14.02 von einem Florentiner Kaufmann:

erworben hatte ""). Gegen ihren italienischen Ursprung sprechen allerdings

stilistische Bedenken; dass sie aber in ltalien bekannt und verbreitet

waren, geht auch daraus hervor, dass sie schon im t5. Jahrhundert an

dem Facadensockel der Certosa von Pavia copirt worden sind und dass

sie noch im 16. Jahrhundert einem Stecher der Marc Anton-Schule als

Vorlage dienten.

Ich muss es mir vorläufig versagen, auf diese merkwürdigen Objecte

näher einzugehen. Sie machen fast den Eindruck, als seien sie die Vorbilder

 für Pisanello gewesen, der übrigens erst im späteren Lebensalter

Medaillen goss. Die Größe der Stücke, die eigenthürnliche Art der Darstellung

 des Kaisers zu Pferde, was in beiden Fällen nicht von den

antiken Münzen, sondern eher von den Siegeln herkommen mag, ihre

sorgfältige Durchbildung, namentlich in den Thierkörpern, die Mischung

 griechischer und lateinischer Legenden, die Gusstechnik, alles

das wiederholt sich auf der ersten bekannten Medaille Vittore's; der

Stil der Compositionen ist freilich, wie nicht verschwiegen werden darf,

grundverschieden; er ist jener der Kunst jenseits der Alpen.

War es Pisanello nun auch nicht, der die Medaille zuerst wieder

künstlerisch belebt hat, so ist er es doch, dem sie ihre Ausbreitung und

Blüthe verdankt"). Denn Pisanello ist der am meisten beschäftigte Künstler

im Beginne des 15. Jahrhunderts und seine historische Bedeutung liegt

nicht zum wenigsten darin, dass er der erste Oberitaliener war, der,

ähnlich wie im Trecento der Toscaner Giotto, ganz Italien bis in's Königreich

 Neapel durchwanderte, und überall durch seinen von dem florentinischen

 ganz verschiedenen oberitalienischen Realismus anregend wirkte,

weniger durch seine Malerei, als eben durch die leicht zu verbreitende

Medaille. Er hat fast alle hervorragenden Dynasten und die bedeutendsten

Männer seiner Zeit porträtirt, sich selbst nicht ausgenommen.

Mit Pisanello beginnt, wenn auch nicht die Geschichte, so doch die

fortlaufende Reihe der modernen Medaillen. Wie schon erwähnt, sind

dessen Arbeiten durchwegs gegossen, und diese Aenderung der Technik

ist von so großer Bedeutung, dass wir kurz darauf eingehen rnllssen.

"; Guiirey, M66. de Constantin et Hereclius. Revue numismltique, Vlll.

") Heiss, Las mednilleuu d: In Rennisslnce (vol. l: Pisnnellox; Armend, Les m6-dlilleurs

 italiens du XVC er XVXC siecle, 3 vols.; Friedlinder, Italienische Schaumnnzen

Jlhrbuch der preuß. KunstsnrnrnL, I (auch separat); Greene, Rcnsissance-Medails in

relnion to untique gems und coinl, Nurn. Chroniele 1885; Pownnll, Plpal medeils of

XVÜI cenlury, Nurn. Chron. 1885 und 1887; über Pisanello schrieben in neuerer Zeit:

Spnvemi (Verona 1892) und Gruyer, Gaz. des beaux-arts 1893.
            
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