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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 4)

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Hausgenossen von Geburt, Taufe und Hochzeit bis zum Grabe begleitet.

Nichts kann bezeichnender von der südländisch antiken Weise der Italiener

 abstechen, als dieser häusliche Charakter der deutschen Medaille,

ganz so wie der nordische Formschnitt, in zahllosen Exemplaren auf den

Jahrmärkten verkauft, denselben intimen Charakter trägt und im Volke

wurzelt, während der italienische Kupferstich, im Ganzen unbedeutend

auch in technischer Hinsicht, erst dann Ansehen bekommt, als er in m0-derner

 Weise der Vervielfältigung von Kunstwerken dient. Die eigentliche

Volkskunst Italiens ist, wenigstens im 15. Jahrhundert, die Malerei, welche

an Plätzen und Märkten, in Kirchen und Staatsgebäuden die Wände mit

großen Fresken ziert.

Der vielberufene dreißigjährige Krieg gab der deutschen Kunst nur den

Gnadenstoß. Ihr Lebensfaden war schon längst durchschnitten, ihr Zusammenhang

 mit dem mütterlichen Boden und den nationalen Stoffen schon

so sehr gelockert, dass neue Triebe nicht mehr Wurzel fassen konnten.

Rom, die Stadt, welche vor allen anderen mit Recht den Beinamen des

Ewigen trägt, bewährt auf's Neue seine alte Anziehungskraft, trotz oder

vielleicht gerade wegen seiner eigenen Kunstarmuth in alter wie moderner

Zeit; seit dem Cinquecento sammelt sich die Blüthe der italienischen

Künstler am Hofe der Päpste und von da aus unterjocht die römische

Kunst zum zweiten Male im Laufe der Geschichte, diesmal in Gestalt des

Barockstils nicht blos die localen Schulen Italiens, sondern die ganze

gebildete Welt. Die glänzendsten und einflussreichsten Höfe Eurupa's,

der habsburgische und der bourbonische, ziehen italienische Medailleure in

ihre Länder: Leone Leoni"), die beiden Abondio, de Pomis u. A. arbeiten

für den Wiener Hof; Benvenuto Cellini, fast berühmter durch seine

Selbstbiographie als durch seine Werke, wirkt in Paris. Es ist die Zeit

vollendetster, detaillirtester Technik. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

 tritt die niederländische Medaille, nachdem sie, wie die Malerei,

 das ganze Cinquecento hindurch, ihrem alten nationalen Stil abtrünnig,

 in den Bahnen der römischen Kunst gewandelt war, wiederum

kräftig und eigenthlirnlich hervor. Glücklicher als ihre deutsche Schwester,

 erlebte die niederländische Kunst eine zweite Bllithezeit; auch an

der Medaille ist das Zeitalter Rubens' und Rembrandfs nicht spurlos vorübergegangen.



Seit den Tagen Ludvvig's XIV. beginnt Frankreich zum zweiten Male

seine Vorherrschaft auszuüben. Abermals wird, wie einst im XIV. Jahrhundert,

 französisches Wesen auf allen Gebieten der Cultur und Mode

herrschend. Wieder ist es allein Italien, das, wenigstens auf dem Gebiete

der bildenden Kunst, auch von der letzten Blüthe dieses französischen

Geschmackes, dem Rococo, unberührt geblieben ist.

") Kenner, Leone Leone's Medaillen für den kaiserlichen Hof, Jahrbuch der Kunstsammlungen

 des Allerh. Kaiserhauses, Bd. XIII; Cnsati, L. Leuni, Milnno 1384; Plan,

Les maitres au service de la mailon d'Autriche: I... Leoni e Pompeo Leoni, Paris 1886.
            
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