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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 4)

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Meisterwerke der deutschen Bildnerei des Mittelalters, ausgewählt und

erläutert von August Schmarsow, aufgenommen und herausgegeben

von Eduard v. Flottwell. I. Die Bildwerke des Naumburger Domes.

Magdeburg, E. v. Flottwell. Fol. so Lichtdrucktaf. mit 57 S. Text

_ in 4". M. 25.

b "Wir freuen uns, hiemit eine musterhafte Leistung zur Anzeige bringen zu können.

Z,u den guten Aufnahmen des Architektur-Photographen E. von Flottwell, welche dieser

von den bildnerisehen Meisterwerken des Naumburger Domes gemacht hat, liefert Professor

 Schmarsow einen Text, der auf den Referenten den Eindruck eines künstlerischen

Werkes ausgeübt hat, so schon und warm geschrieben, so klar und wohl abgerundet

ist er. Schmarsow beschreibt die Stifter-Statuen im Dome, den Lettner mit seiner Kreuzigungsgruppe

 und den Reliefs, das Grnbdenkmal des Bischofs Engelhard und als Anhang

die Bildsaule eines Subdiacons, die als Pulttrager dient; er stellt sie in ihrem geistigen

Zusammenhang: hin und weist ihnen den richtigen Platz in der Geschichte der deutschen

Plastik an. Er erkennt, dass sie - mit Ausnahme des Pulttragers - der romanischen

Kunstperiode angehören, als Höhenpunkte derselben; er spricht sich dagegen aus, dass

man sie zum Ausgangspunkt der viel entschiedener von Frankreich beeinflussten gothisehen

 Stilrichtung machen will. Wir sind mit seinen Beschreibungen bis auf einige unwesentliche

 Einzelheiten einverstanden, und glauben hier nur sagen zu dürfen, dass ein

in wenigen Strichen gegebener Grundplan, auf dem die Stellung der Statuen (mit Zahlen)

angegeben wäre, dem Leser wesentlich beim Auffassen der Beziehungen geholfen hatte.

Die Lichtdrucke machen einen guten plastischen Eindruck, aber Ref. spricht seine Meinung

 dahin aus, dass eine etwas größere Scharfe der Aufnahme die plastische Wirkung

nicht schldigen wurde.

im Uebrigen soll an dem oben gegebenen Urtheile der Musterhaftigkeit dieses

Werkes durch diese kleinen Bemerkungen nichts geändert werden. N-nn.

i!

Die Holzbaukunst Norwegens in Vergangenheit und Gegenwart von

L. Dietrichson und H. Munthe. Mit St Tafeln und vielen Textabbildungen.

 Berlin, Schuster St Bufleb, 1893. Fol. t28 S. M. 4.5.

Das Werk der beiden Verfasser gibt zunächst die Geschichte der Construction

der kirchlichen Holzbauten Norwegens, der -Stabkirehenu, von denen 32a bekannt geworden

 sind, die aber heute, bis auf a4, alle verschwunden sind. Der Weiterbestand

der Mehrzahl dieser letzteren ist dem aVereine zur Erhaltung der norwegischen Alterthumeru

 zu verdanken. Es folgt sodann die Schilderung des profanen Holzbaues der Vergangenheit

 und schließlich die norwegische Holzbaukunst der Gegenwart. Die beiden

ersten Theile sind von Dietrichson bearbeitet, zum letzteren haben die Bauten Munthe's

und Anderer das Material geliefert.

Wir lernen die Stabkirche als eine den Forderungen des Materiales, des Holzes,

angepasste Modiücation der romanischen Basilika kennen, auf deren Construction, namentlieh

 auf die Dachconstruction, der Schiifsbau seinen Einfluss ausgeübt hat. Ohne Nägel

oder Anker von Eisen sind die verschiedenen Theile derselben nur durch Einspunden

und Einzapfen zusammengefügt. Eine fortlaufende, horizontal und vertical angebrachte

Bngconstruction bildet nlchst dern Spundsystern die zweite charakteristische Eigenthtlmlichkeit

 der Stabkirchen-Construction. Ußprünglich hatten alle Stabkirchen einen als

Sprengwerk conatruirten offenen Dachstuhl, erat seit circa 1700 treten Bache oder gewölbte

Deckenverschalungen auf. .

Norwegen erhielt seine Kirchenform mit dern Christenthum von den britischen

Inseln, die Stabkirche hat aber ihre wesentliche Entwicklung in Norwegen selbst gefunden,

 denn die englischen Fachwerkshauten aus normannischer Zeit stehen weit hinter

den norwegischen Kirchen zurück. Dagegen besteht zwischen den russischen, ruthenischen,

ungarischen, schlesischen und mlhrischen Holzkirchen einerseits und den norwegischen

andererseits kein Abstammungsverhaltniss; die ersteren sind alle junger als die norwegischen,

 ferner sind sie Blockhaus- und keine Stabbauten. -

Die lltute erhaltene norwegische Holzkirche ist die zu Urnes, Stift Bergen, vom

Ende des n. oder Anfang des n. Jahrhunderts mit irischer Ornarnentation; die besterhaltene

 ist die zu Burgund, Stift Bergen, von circa xt 50.

Die unter Konig Friedrich Wilhelm IV. von Preußen im Jahre 1341 von Vang,

Stift Hamar in Norwegen, nach Brnckenberg in Schlesien übertragene Stabkirche ist den

Deutschen am ldchtesten zugänglich. Sie stammt nngefahr aus dem Jahre m50 und gibt

wohl von: Aeußeren, nicht aber von der inneren Anordnung norwegischer Stabkirehen

einen richtigen BegriE. Ursprünglich dreischiffig mit nur vier Slulen im Innern, zeigt sie

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