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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 4)

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eines Mailänder Meisters, wenn auch vielleicht in Lyon gefertigt. Wenig Kunstwerke wird

man der Rossstirne auf Tafel 22 bezüglich ihrer Ausstattung an die Seite setzen können,

Lange war selbe als italienische Arbeit angesehen, sie wurde aber x55n von dem Augsburger

 Desiderius Colman gefertigt und gehorte ursprünglich zu dem Harnische Königs

Philipp von Spanien, der sich in der Armeria Real zu Madrid befindet. Ungemein reich

ist das Musee d'Artillerie an Helmen und Schilden von besonders prachtvoller Ausstattung.

 Dieselben bieten dem Künstler wie dem Kunsthandwerker ein reiches Feld des

Studiums über die Anwendung der Motive, über die Technik des Repousse, die Schnittarbeit

 in Eisen, die Tausia in Gold und Silber, die Gravirung, Ätzung u. dgl. Wer steht

nicht bewundernd an der Prachtsturmhaube, bekannt unter dem Namen 1h la Chimere-i, die

auf Tafel 33 abgebildet ist? Die Darstellung auf dern Schilde, welcher auf Tafel 36 vor

Augen tritt und an Arbeiten des Lucio Piccinino anklingt, zeigt die Galathea Raphaels.

Der Schild auf Tafel 33 besitzt den Stil der Florentiner Arbeiten, jener auf Tafel 4.0 ist

zweifellos von Lucio Piccinino in Mailand. Schwert- und DegengriEe waren seit dem

Mittelalter die beliebtesten Gegenstand: einer künstlerischen Ausstattung. Die ersten

Meister finden wir mit derlei Arbeiten beschäftigt. lm I6. Jahrhundert gab es keinen

Adeligen, keinen etwas wohlhabenderen Bürger, der nicht bei besonderen Gelegenheiten

mit einer kunstvoll ausgestatteten Seitenwalfe im Gürtel aufgetreten wäre.

Wir finden solche daher auch noch in r_eicher Zahl in den größeren Waffensarnmlungen

 und ersehen die ungemeine Reichhaltigkeit der Ideen, die in der Zeichnung der

GriGe zu Tage tritt. Gerade an diesem Gegenstande feiert die Eisenschmiedeltunst in

Italien und Deutschland ihre Triumphe, aber es gibt auch keine decorative Metalltechnik,

 die hier nicht zur Anwendung gelangte. Unser Werk schließt mit einer Anzahl

von auserlesenen Stücken, fast durchgängig italienischer Herkunft, und ich verzeichne

hier vorzüglich den Degen Heinrichs ll. auf Tafel 42, den herrlichen Coltelaggio auf

Tafel 43, wobei ich bemerke, dass ein ähnlicher, aber noch viel schöner ornamentirter,

von demselben Meister in der kaiserl. Walfensammlung in Wien bewahrt wird. Eines

der herrlichsten Stücke ist in dem Schwerte auf Tafel 45 abgebildet, es gehürt zu der

ubgenannten Sturmhaube ü la Chimere und tragt den Stil der Florentiner Arbeiten an

sich. Den Schluss bilden zwei Stadtdegen mit Grifen aus geschnittenem Elfenbein.

Die Ausführung der Lichtdruclte, namentlich auf den letzten Blättern, ist sehr

zufriedenstellend und bringt der militärischen Anstalt, wo sie hergestellt wurden, und

dem Leiter V. Roger alle Ehre. Die ersten Blatter sind der vielen Glanzlichter halber

hie- und da minder deutlich, aber der Fachmann kennt die ungemeine Schwierigkeit der

Aufnahme von Gegenständen aus glänzendem Metall. Wenn irgend etwas an der prachtvollen

 Publication zu wünschen übrig bliebe, so Ware dies die Beigabe eines erkllrenden

Textes, aber auch diesen Mangel ersetzt der ausgezeichnete Katalog des verstorbenen

Conservators Oberst Robert, der alle nur immer wünschenswertben Auskünfte bietet.

Wendelin Boeheim.

- Seit die uAllgemeine Kunstchronilu in den Verlag von P. Albert in

München übergegangen hat sie sich mehrfach und nicht zu ihrem Nachtheil verändert.

Nicht nur sind von allem Anfang an die Illustrationen zahlreicher und besser geworden,

in den letzten Nummern macht sich auch bezüglich des Textes eine dankenswerthe

Neuerung bemerkbar, indem die Redaction ausführlichere biographische Essays bringt,

die einen über das lnteresse des Tages hinausreichenden Werth besitzen. So das von

G. Fuchs über Albert Keller, von H. Moltau über Georg Ebers, dem ein kleiner

Artikel von diesem selbst v-Ein Blick in die Grüfte von Beni Hassen: folgt, dann das

von C. Sokal über Victor Tilgner, und in einer der früheren Nummern eine

hübsche Zusammenstellung von biographischen Skizzen deutscher Karikaturisten wie

W. Busch, A. Oberlander u. A. von G. Fuchs unter dem Gesammttitel: eDCf Humor iu

der deutschen Kunstc. Endlich darf eiue Artikel-Serie über wKaiser Leopold l. als Förderer

 von Kunst und Wissen: von P. v. Radics und nHeinr. Brunn und die Erhaltung

des antiken ldeals in der modernen Welt: von Gg. Hch. nicht unerwähnt bleiben. .lm

Uebrigen mm die Zeitschrift fort, in der Art und Weise ihres früheren Eigenthümeß

W. Lauser das deutsche und österreichische Kunstleben mit Aufmerksamkeit zu verfolgen

 und über Angelegenheiten der Kunst und des Kunstgewerbes, des Ausstellungswesena,

 der Litteratur, des Theaters und der Musik zu berichten. - Dabei ist der Preis

dieser Zeitschrift ein ganz mäßiger, indem das Einzelheft r Mk., das Quartals-Abonnement

(6; bezw. 7 Hefte) 4 Mk. 5o Pfg. betragt.
            
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