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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 5)

llü

Also die Werke der Architektur und im Allgemeinen auch diejenigen

 des Kunstgewerhes erfordern schon um ihrer unmittelbaren Beziehungen

 zum Rohstoff willen, aus dem sie gebildet sind, eine Behandlung

in mineralisch-geometrischen Formen, deren oberstes Gesetz wiederum

die Symmetrie ist. Naturgemäß wird auch die Decoration, die zu diesen

Grundformen von Außen hinzukommt, zunächst eine Anlehnung au die

gleichen Grundgesetze suchen: sie wird also vor Allem auf eine symmetrische

 Composition ausgehen. Fragen wir nun, welches von den drei

Naturreichen dem Decorator die geeignetsten Vorbilder zur symmetrischen

Composition an die Hand gibt, so werden wir abermals zu einem ganz

ähnlichen Resultate gelangen, wie vorhin. Die rnineralisch-geometrischen

Zierformen sind allerdings die symmetrischesten, ja sie sind ihrem eigensten

Wesen nach nichts anderes als abstracte Symmetrie; man denke nur an

das Quadrat, an den Kreis u. s. w. Aber gerade darum, weil die Symmetrie

 an ihnen gar so nackt zu Tage liegt, weil dabei dem künstlerisch

betrachtenden Auge gar keine Räthsel auferlegt werden, will der menschliche

 Kunstgeist sich damit nicht begnügen, findet er sie - wenn allein

und endlos angewandt - langweilig. Das entgegengesetzte Extrem bietet

wiederum das Thierreich. Die Angehörigen des Thierreiches, namentlich

die hier hauptsächlich in Betracht kommenden höher organisirten animalischen

 Wesen - also Vogel, Säugethier und vor Allem der Mensch -

sie sind alle nicht minder wie die Krystalle, im letzten Grunde symmetrisch

 angelegt; aber ihr complicirter Bau lässt häufig die symmetrische

Grundanlage äußerlich nicht mit genügender Bestimmtheit hervortreten.

Einen Krystall kann man von beliebiger Seite betrachten, und seine symmetrische

 Bildung wird dem Auge doch niemals verborgen bleiben. Die

animalischen Wesen bedürfen hingegen einer ganz bestimmten Proiection,

um ihre symmetrische Anlage dem Auge deutlich wahrnehmbar zu

machen. Man denke nur an ein beliebiges Säugethier, z. B. an einen

Hund. Eine symmetrische Contiguration bietet ein Hund nur dann, wenn

derselbe mit der Brust und Schnauze dem Beschauer zugekehrt dahockt

oder waufwartetu. Das ist eine rein zufällige Stellung, in der wir den

Hund nur selten und ausnahmsweise zu sehen gewöhnt sind, und in der

uns auch ganz wesentliche Körpertheile des Hundes unsichtbar bleiben;

die en-face-Stellung ist also beim Hunde keineswegs die charakteristische.

Das typische Bild, das wir uns von einem Hunde zu machen pflegen -

und dies gilt im Allgemeinen ebenso von allen übrigen Säugethieren -

bezieht sich auf die Seitenansicht desselben. Der von der Seite gesehene,

auf seinen vier Beinen dahinschreitende Hund bietet dem Auge alle seine

für das Aeußere bestimmend wirkenden Körpertheile dar, und diese charakteristische

 Ansicht vou der Seite wird daher auch das maßgebende

Vorbild für die Nachbildung in der Kunst sein müssen. Aber diese

Seitenansicht ist nun nichts weniger als symmetrisch aufgebaut. Zu einer

symmetrischen Composition ist also das Säugethier, wenn in der charak-
            
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