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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 5)

Oberbaues erscheinen. Auch decorativ sei dem Mensatheile der Altlire mehr Aufmerksamkeit

 zu erweisen und können hier manche lang vernachlässigten Techniken der

Kleinkunst wieder herangezogen werden, wie Stickerei, Einlegearbeiten in Holz oder

Stein, Mosaik, Niello, Filigran, Treibe- und Gobelintechnik.

Eine Schwierigkeit für den Altarhau ist die rechte Anbringung und Ausstattung

eines Tabernakels, der Vortrag verweist hier auf historisch begründete Vorrechte der

österreichischen Länder, der ofteren rEXPOSlKiO Sanctissimic und gibt sodann Erklärung

 und Losungsversuch der Schwierigkeiten im Anschluss an vernachlässigte antikchristliche

 Traditionen. Redner deutet weiters an, dass die im heutigen Vortrag angeführten

 Grundzüge auch für die Monstranz - worüber er schon früher einmal im Museum

 gesprochen - wie für die kirchliche Parantentik, darunter besonders Messkleid

und Mitra, gelten.

Zum Scblusse betonte der Vortragende, dass der Weg heute nur principiell angedeutet

 worden sei, er hege aber den lebhaften Wunsch, es mögen diese Studien --vor

 Allem auch durch den ersten internationalen Congress christl. Archäologen in Salona -

theoretisch zur Vertiefung des Kunstinteresses untl in einer weiteren praktischen Folgerung

zur Consolidirung der kirchlichen Kunstübung beitragen. Letzteres sei ebenso von

pastoraler, wie volkspadagogischer und sozialer Wichtigkeit. Das Streben nach diesem

ideal - wie materiell hochwichtigen Ziele sei eine heilige - und patriotische Pflicht.

- Am 15. Marz hielt Custosadiunct Dr. Karl Masner einen Vortrag über die

Sarltophage von Sidon, der vollinhaltlicb zum Abdruck gelangen wird.

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- Am 5. April hielt der Maler Ernst Berger aus München einen Vortrag über

nPompeianische Wandmalerei und punisches Wachse. Ueber den lnhalt desselben gibt

uns der Vortragende folgende Ueberaicht: Zunachst wird in dem Vortrage die in der

letzten Zeit allgemein geltende Ansicht bekämpft, dass die antiken Malereien in Frescotechnik

 ausgeführt gewesen seien. Selbstgemachte Versuche, die sich ausschließlich

darauf bezogen, die uns in den Quellenschriften erhaltenen Anweisungen so genau als

moglich nachzumachen, berechtigen hiezu.

An der Hand der quellenschriftlichen Nachrichten des Vitruv und Plinius bespricht

der Vortragende die Art der Bereitung des Mauergrundes und den auffallend starken,

an der Oberfläche glatten Stuccobewurf. Das Kriterium der antiken Wandbilder ist die

Unterlage, bei welcher auf zwei bis drei Lagen von Sandmörtel noch drei Marmorstuckauftragungen

 kommen, u. zw. so, dass mit der letzten, feinsten Stucklage gleichzeitig die

Farben mittelst einer eisernen Spachtel oder Kelle aufgetragen werden, wie dies an

mehreren Originalfragmenten aus Pompeji leicht ersichtlich ist. Auf die so zubereitete

Unterlage von in sich gefarbtem Stucco wurde dann erst gemalt, und zwar, wie die vorgelegten

 die charakteristischen dick aufgetragene Farben zeigenden Proben erweisen,

mit der als npunisches Wachs- bezeichneten Composition, deren Zubereitung Plinius

genau angibt; dabei ergab sich das bisher wenig beachtete Resultat, dass dieses mit dem

Namen -punischesn bezeichnete Wachs nicht natürliches gebleichtes, wie man annahm,

sondern durch Lauge (nitrum) verseiftes ist, und dass die gemalten Figuren und Ornamente

 durch nachheriges Erwärmen eine große Festigkeit erlangen. Aus einer bei Vitruv

sich findenden Notiz, den Zinnober, welcher sich auf Kalkwand leicht schwarzen wurde,

doch zu Decorationen zu verwenden, wobei zunächst die ganze Wandßache mit punischem

Wachse, das auch in kaltem Zustande sich in jedem Verhältnisse mit Wasser mischen

lässt, überstrichen und mittelst eisernen Warmbecken w-bis zum Schwitzen: (ad sudorem

usque) erhitzt wurde, schließt der Vortragende, dass auch andere Farben in gleicher

Weise verarbeitet worden sein müssen. Man malte mit Farben, die mit dem punischen

Wachse angerieben wurden, und konnte nach dem erfolgten Erhitzen durch Reiben mit

leinenen Tüchern Glanz hervorbringen. Viele und gerade die sehonsten der erhaltenen

Wanddecorationen in Pompeji und Rom sind derartig ausgeführt, unter anderen die

farbenfrischen Gemälde im Hause der Livia am Palatin und die erst vor wenigen Jahren

aufgefundenen der Villa Farnese, welche sich jetzt im Thermenmuseum zu Rom befinden.

 Neben dieser vornehmen Art ist in Pompeji noch eine einfachere allgemein in

Uebung gewesen, welche darin bestand, dass die Grundfarben gleichzeitig mit dem dritten

feinsten Stuckbewurfaufgetragen wurden, wie es eingangs bereits geschildert ist. ln diesem

Sinne ist die bisher vollig missdeutete Stelle ncolnribus cum politionibus inductisß zu

verstehen, denn die Glättung lasst sich gleichzeitig mit dem Farbauftrag bewerkstelligen,

insbesonders wenn zu diesem Zwecke geeignete nZuschlagee wie Vitruv es andeutet,

zugesetzt werden. Es lassen sich bei dieser Decorationsart (IlI. Art nach Muu) auch noch

so reicli ornamentirte Wandßachen stets auf einfache große einfarbige Grundflächen

zurückführen. Die verschiedenen gefärbten Sluekmischungen werden mosaikartig anein-
            
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