Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 6)

157

interesse ist aber noch allgemein rege, die berühmten Meister in Augsburg, Nürnberg,

Frankfurt u. s. w. künnen die Auftrage kaum bewältigen. Weltliche und geistliche

Fürsten trachten ihre Kunstkamrnern mit wirklichen und vermeintlichen Schätzen zu

füllen, Deutschland, Italien, die Niederlande, Frankreich und Spanien stehen im beständigen

 Austausch ihrer artistischen Producte.- Das ist die Zeit, auf welche durch die

Correspondenzen Phil. Hainhofers helles Licht fallt. Die Originalbriefe, von denen nur

wenige erhalten sind, befinden sich in Stettin, die Entwürfe, Abschriften und Auszüge

in acht großen Octavblnden in der Wolfenbüttler Bibliothek. Sie sind in den verschiedensten

 Sprachen geschrieben und waren für aller Herren Linder bestimmt. Einen

grüßeren Zusammenhang bildet der hier publicirte Briefwechsel mit Herzog Philipp ll.

von Pommern-Stettin aus den Jahren 1610-1619. Doering hat daraus nur das kunsthistoriach

 Wichtige excerpirt und mit den nbthigen Commentaren versehen. Als Beilagen

gibt der Verfasser die Beschreibung des Pommefschen Kunstschrankes und den noch

unedirten Theil der Beschreibung des herzogl. Stammbuches.

Gewissenhafte Sorgfalt in der Wiedergabe des Textes, systematische Uebersichtlichkeit

 auf Grund eines zweckentsprechend angeordneten Registertheiles und umsichtig

gearbeitete Literaturnacbweise gestalten diese Arbeit zu einem ebenso erwünschten als

brauchbaren und werthvollen Quellenwerk. Der dargebotene Inhalt dieser im Uebrigen

hauptsächlich von politischen Dingen handelnden Briefe zeigt Hainhofer in seiner bekannten

 Eigenschaft als Kunstkenner, Speculant, Sammler, Rathgeber des Herzogs und

Vermittler in allen Angelegenheiten der Kunst und des Kunstgewerbes. Wir finden daher

neben zahlreichen Angaben, die sich auf großtentheils zeitgenössische Maler, Bildhauer,

Bildschnitzer, Stecher u. s. w. beziehen, Notizen über allerlei kunstgewerbliche Objecte

namentlich Goldschmicdearbeiten, die entweder bereits vom Herzog bestellt sind, wo

dann über den Fortgang der Arbeit, die Ausführung und die daran betheiligten Meister

berichtet wird, oder auf Gegenstände, die er ihm zum Kaufe anbietet, worauf gewöhnlich

 eine mehr oder minder ausführliche Beschreibung derselben folgt. So erfahren wir

mannigfaches Detail über den pommerschen Kunstschrank, den pommerschen Meierhof

und den silbernen Nahkorb für die Herzogin Sophie, die Gemahlin Philipp's ll., ferner

über den Inhalt vieler Kunstkammern wie der zu Florenz, Prag, München, Stettin u. s. w.,

über Hainhofers Stammbuch u. A. Was die Nachrichten über Künstler betrißt, so sind

es aus der Gruppe der Maler namentlich die Augsburger Hans König, der Landschafter

Mozart und der Maler der Decke des goldenen Saales im Rathhause Job. Math. Kager,

über die wir zahlreiche Notizen finden. Von den dortigen Kupferstechern werden besonders

 L. Kilian und P. Güttich oft genannt. Von den Goldschmieden Dav. Attemstetter

und sein Vetter der Niederländer Job. de Voss, der Kammergoldschmicd Kaiser Rudolfs ll.,

dann Langenbucher, Christoph Lencker, (seltener Vater und Sohn Hans,) Münderer,

Tobias Bernhart und Joh. Schwegler. Die bayerischen Hofmaler Chr. Schwarz und

P. Candid sowie Rottenhammer werden nicht minder häufig angetroßen. Von den niederlandischen

 Malern sind es Paul Bril, der altere Jan Brueghel und der Landschafter

Falkenburg, denen wir oft begegnen. Unter den Nürnberger Goldschmieden finden wir

Jul. Bayr mehrmals erwahnt. Die zahlreichen Stellen, die sich auf Dürer beziehen,

wurden im Register in einer besonderen Gruppe vereinigt und durch Unterabtheilungen

übersichtlich geordnet. Von den übrigen Nürnberger Meistern ist noch P. Flotner besonders

 zu nennen, von dem kleine Landschaften in geschnittenem Stein erwähnt werden.

lm Ganzen werden gegen 250 Künstlernamen angeführt, worunter eine ganze Reihe

bisher unbekannt war. l Fs.

Die Wirk- und Webekunst, inbegrilfen die Flechterei, Näherei, Stickerei,

Spinnerei, Knüpferei und Strickerei etc. Von August Demmin. Mit

12.6 Abbild. Wiesbaden, Bechtold ÖL Co. 8". 196 S. M. 6.

Der Verfasser ist ein bekannter Polyhistor auf kunstgewerbliehem Gebiete und

das Buch tragt auch alle Vorzüge und Nachtheile solchen Ursprungs zur Schau. Eine

ungeheure Belesenbeit spricht aus allen Seiten, und vom encyltlopadischen Standpunkte

wird man dem Buche kaum ein zweites an die Seite stellen können, das dem schier

unübersehbaren Gegenstande mit solcher Vollständigkeit in der Aufzlhlung der vorzugsweise

 beachtenswerthen Seiten desselben gerecht würde. Selbstverständlich musste aber

bei solchen Bestrebungen - namentlich mit Rücksicht auf den noch immer mangelhaften

 Stand unserer historischen Kenntniss von den früheren Phasen der Textilkunst -

die Genauigkeit und kritische Cbarakterisirung im Einzelnen wesentlich leiden. So sind

z. B. in anerkennenswertber Fülle Abbildungen ülterer Webstühle vor Augen gebracht,

wer aber weiß, mit welchen Schwierigkeiten man bei der Erklärung der meisten dieser

alten Webstuhlbilder heute noch zu kämpfen hat, wird sich über den problematischen

Werth ihrer Schaustellung vor dem Duröhschnittsleser - und für solche ist ja das
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.