MAK

Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 6)

Und er ist doch die Hauptperson, er macht ja doch die Ausstellung wirk- 
lich, er muss nicht allein sein Geld in die Waare stecken, sondern auch 
noch für den ihm zugewiesenen Platz Zins entrichten. Daher ist das Ver- 
langen nur billig, dass wenigstens sein Beitrag zum Betriebscapital als 
Vorschuss aufgefasst und je nach dem Erträgnis des Unternehmens zurück- 
erstattet werde. 
Nach alledem ist es sehr begreiflich, dass sich gegen jedes neue 
Project anfangs lebhafte Abneigung äußert, und nicht minder, dass, wenn 
es dennoch ausgeführt wird, Viele trotzdem mitthun. Man will und kann 
nicht fernbleiben, wenn die Concurrenten auf dem Platze erscheinen, man 
will nicht vergessen werden, wenn auch die HoEnung auf ein Geschäft 
gering ist. Solche Klagen sind aus den bezeichneten Kreisen schon sehr 
oft laut geworden. Aber allerneuestens hat auch die Großindustrie mit 
einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen lässt, ihren Ueberdruss am 
jetzigen Ausstellungswesen zu erkennen gegeben. Die Gelegenheit, bei der 
dies geschah, ist allerdings eine besondere. Bei dem vorgeschlagenen 
Unternehmen ist der Gedanke an eine Subvention aus öffentlichen Mitteln 
von vornherein ausgeschlossen, und doch würde es, so wie es gedacht ist, 
ungewöhnlich große Mittel in Anspruch nehmen müssen. Der Einwand, 
dass die Großindustrie sich infolge davon darauf gefasst mache, zu dem 
Anlagecapital einen besonders großen Theil beisteuern zu sollen, mag 
ja begründet sein; indessen wurde von jener Seite unzweideutig die 
Bereitwilligkeit erklärt, an Veranstaltungen zur Feier eines so denk- 
würdigen Ereignisses, wie das bevorstehende Regierungsjubiläum Sr. 
Majestät des Kaisers mit allen Kräften sich zu betheiligen; nur wolle man 
dafür im Einklange mit dem vor sechs Jahren kundgegebenen aller- 
höchsten Wunsche, Schöpfungen von Dauer in's Auge fassen, nicht eine 
Ausstellung, deren Chancen sich im voraus unmöglich berechnen lassen, 
deren Erfolg durch zufällige Umstände, Witterung u. s. w. beeinträchtigt 
werden könnte. 
Diese Auffassung scheint in der Geschäftswelt vorzuherrschen. Gleich- 
wohl darf es gewiss nicht zu ernst genommen werden, dass die betreffen- 
den Erklärungen gelegentlich die Form einer Absage an das Ausstellungs- 
wesen überhaupt angenommen haben. Diesmal wurden eben die beiden 
Argumente ins Feld geführt: Verherrlichung des Gedenktages - wofür 
man andere Veranstaltungen geeigneter findet, und Förderung der Industrie 
- die aber selbst ausstellungsmüde ist. Wenn ein Einzelner sich über- 
arbeitet hat und sich abgespannt fühlt, so wird als erstes und wichtigstes 
Heilmittel Einschränkung oder gänzliche Einstellung der Thätigkeit ver- 
ordnet, bis die verbrauchten Kräfte sich in der Ruhe wieder ersetzt haben. 
So empfindet die Industrie jetzt ein Ruhebedürfniss in der einen bestimmten 
Richtung; gönnt man ihr Muße zur Sammlung der Kräfte, so wird sie 
auch grundsätzlich wieder eine andere Stellung zum Ausstellungswesem 
einnehmen.
	        

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