Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 2)

Es ist nun nicht schwer einzusehen, dass das Aufheben eines jeden

zweiten Kettfadens mit der Hand behufs Durchschiebens des Schusses

eine überaus langsame und zeitraubende Procedur wer, auf deren Abkürzung

 der menschliche Eriindungsgeist früher oder später hingeführt

werden musste. Die Möglichkeit einer solchen Abkürzung war durch den

Umstand nahe gelegt, dass man die Kette immer nur in zwei Hälften

von alternirenden Fäden zu zerlegen brauchte. Hier musste der Hebel

angesetzt werden, und heutzutage erscheint uns der nächste Schritt, der

nach der angedeuteten Richtung gethan wurde, allerdings so einfach wie

das Ei des Columbus. Man brauchte blos beim einmaligen Durchgehen

XQX", der Kette unter Hebung der ungeraden und

 Liegenlassen der geraden Kettfäden, anstatt

des Schussfadeus einen Stab durchzuschieben

und in dieser Stellung zu belassen, und hatte

die Theilung der Kette in die zwei Hälften

von geraden und ungeraden Fäden ein für

allemal lixirt. Nebenstehende Figur 3, die ich

wie die benachbarte Fig. 4 aus J. Heierlfs

erwähntem Aufsatze über I-Die Anfänge der

Weberei-r (im Anzeiger für schweizerische

Alterthumskunde 1887, S. 423 E.) entlehne,

veranschaulicht den gedachten Process durch

eine Durehschnittsansicht. Die geraden Fäden

x bleiben in der verticalen Richtung ruhig

hängen, die ungeraden y werden nach vorne

gezogen und in dieser Lage durch ein dazwischengeschobenes

 und auf zwei an den

Pfosten befestigte Traghölzer aufgeetlitztes

Querholz b festgehalten. So entsteht zwischeu

 den Fäden x und y ein im Durchschnitt

 keilförmiger Raum a, das sogenannte

 Fach'). Steckte man die Spule mit dem

Fis- 3- Fis- 4- darauf gewickelten Schussfaden durch das

Fach und ließ den Faden in der ganzen Breite der Kette ablaufen, so

hatte man mit einem Griff einen ganzen Schuss zwischen die Kettfäden

 - vor die geraden und hinter die ungeraden - gebracht, ohne

erst die letzteren einzeln mit der Hand aufheben zu müssen. Die Erfindung

 einer solchen Art mechanischer Zweitheilung der Kette, die sogenannte

 Fachbildung, war nun eine Vorbedingung für jede Art von

Weberei, die sich einigermaßen über das Niveau einfacher (nicht Kunst-)

Flechterei erheben sollte.



 





') Die Faden x und y gabeln sich in der Abbildung nicht schon ganz oben am

Zeugbaum (g), sondern ein Stuck weiter unterhalb, weil ein Stuck Zeuges bereits als

fertig geweht gedacht ist.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.