Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 2)

zur natürlichen Fachbildung bestimmt, gleich dem Holze b in Fig. 4

und 3. Anstatt der Spule mit dem Schussfaden (Fig. i) gewahren wir

an der Abbildung des nordischen Stuhls eine in die nach vorne gezogenen

Kettfäden gesteckte Spatha zum Festschlagen des fertigen Gewebes.

Aus der Vergleichung des Webstuhls der Kirke auf der böotischen

Vase der Sammlung Branteghem einerseits mit dem chiusinischen, andererseits

 mit dem nordischen Webstuhl ergibt sich somit das Resultat, dass

die Hellenen etwa im 5. Jahrhundert v. Ch. einen aufrechten Webstuhl

 gebraucht haben, an welchem nur die eine (hintere) Hälfte der

Kettfäden mittels Litzen an einem besonderen Aufzugsstäbchen (dem

Schaft des wagrechten Webstuhls) befestigt war, während zur Vorwärtsbringung

 der anderen (vorderen) Kettfädenhälfte ein zwischen die

beiden Hälften geschobene: festliegendes Querholz genügte. Wenn am

chiusinischen Webstuhl diesbezüglich insofern ein Zweifel offen bleibt,

als an demselben die beiden Querhölzer von gleicher Größe sind') und

daraus auf Gleichartigkeit der Function geschlossen werden könnte, so

fällt dieser Zweifel am böotischen Webstuhl hinweg, an welchem das

untere Querholz entsprechend seiner Bestimmung zur permanenten Theilung

 der Kette breiter und länger, das obere Querholz in schlanker

Stäbchenform gehalten erscheint. Am aufrechten Webstuhl bedurfte es

eben noch nicht zweier Schäfte mit Litzenaufzug; die Nothwendigkeit

derselben trat erst beim wagrechten Webstuhl ein, und sofern sich in

der alten Litteratur die Benützung zweier Schäfte an einem Webstuhl

nachweisen lässt, hätte man darin einen indirecten Beweis für den Gebrauch

wagrechter Webstühle bei den Alten zu erblicken.

Es gibt aber noch eine zweite Art von aufrechtem Webstuhl, die von

der früher erörterten Art in mehrfachen Beziehungen abweicht. An dieser

zweiten Art dient der obere Baum nicht als Zeugbaum, sondern als Kettbaum

zum Aufwinden und Spannen der Kette. Die Kette wiederum endigt unten

nicht in Gewichte, sondern ist auch da auf einen Baum aufgewunden, der

zugleich als Zeugbaum zum Aufwinden des fertigen Zeuges dient. Ein noch

heute in Gebrauch befindliches Beispiel eines solchen Stuhles hat Benndorf

 aus Kleinasien gebracht und in den nReisen in Lykien und Karien-S.

 18, Fig. 12, abgebildet. Die Einfachheit dieses Stuhles, dessen beide

Querhölzer wohl dieselbe Function zu erfüllen haben wie an dem vorhin

erörterten Schema, legte schon Benndorf die Vermuthung nahe, dass auch

diese Art von aufrechten Webstühlen bereits in antiker Zeit in Gebrauch

gestanden wäre. Eine Bestätigung für diese Ansicht bietet der Webstuhl

der Kirke im vaticanischen Virgil (Bartoli Tafel 4.8), der mit Deutlichkeit

 eben nur erkennen lässt, dass das fertige Zeug sich unten befindet.

') Was übrigens auch In der Wonudschen Reproduction des besprochenen nordiuchen

 Stuhles (Fig. 6) der Fall ist.

Jlhrg. 1393. 20
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.