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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 2)

Es erübrigt noch die Frage: Was wurde auf jenem, zwischen dem

6. und 4. Jahrhundert in Griechenland in Gebrauch gestandenen Webstuhl

 gefertigt? Die Antwort haben wir wiederum nur aus den gegebenen

Abbildungen zu schöpfen. Der böotische Stuhl zeigt anscheinend ein

glattes, ungernustertes Gewebe. Dass dasselbe nothwendig ein gobelinartiges,

 nicht leinwandbindiges Gewebe gewesen sein müsse, wie von

einer Seite behauptet wurde, ist nachdrücklich zu verneinen. Die Ripsbindung

 (die ja das Wesen des "Gobelini- ausmacht), hängt nicht von

der Beschaffenheit des Stuhles ab, sondern von dem Verhältniss der Dichtigkeit

 von Kette und Schuss. So wie man Gobelins auf dem wagrechten

Stuhle macht (Basse-lisse-Tapisserie), ebenso kann man Leinwand auf

dem aufrechten weben und hat dies im Alterthum auch gethan.

Was dagegen den Webstuhl der Penelope anbetrifft, so gewahren

wir auf demselben geflügelte Thier- und Menschenfiguren dargestellt.

In diesem Falle haben wir es bestimmt mit gobelinartiger Bildwirkerei

 zu thun, was schon durch die vorauszusetzende Buntfarbigkeit

der Thierftguren bedingt ist, an denen die andersfarbige Kette nicht zum

Vorschein kommen durfte; dies war aber nur dann zu vermeiden, wenn

die Kette vom Schuss vollständig gedeckt wurde, was eben wieder nur

durch die Ripsbindung zu erzielen war. Den empirischen Nachweis für

dieses Sachverhältniss besitzen wir übrigens schon seit zehn Jahren in

den ägyptischen Textilfunden aus spätantiker Zeit, die uns in der ausgiebigsten

 Weise darüber belehrt haben, dass die Bildwirkerei bei den

Alten in der Verzierung der Gewänder und in der Textilkunst überhaupt

die maßgebendste Rolle gespielt hat.

Hinsichtlich des Webstuhls, den die Hellenen im 5. Jahrhundert

v. Chr. gebraucht haben, erscheint mir der Sachverhalt nunmehr völlig

in's Klare gebracht. Es wiederholt sich auch auf diesem Gebiete die Erscheinung,

 dass uns eben nur aus dem beschränkten Zeitraum von etwa

50 Jahren, in denen sich allerdings ein überaus reiches Schaden auf

allen Gebieten des griechischen Lebens entfaltete, aus der zweiten Hälfte

des 5. Jahrhunderts Denkmäler zur Beurtheilung vorliegen. Für die Aufklärung

 dessen, was späterhin gefolgt ist, besitzen wir bisher kein vollwerthiges

 Zeugniss, denn mit der flüchtigen Skizze im vaticanischen

Virgil lässt sich nicht viel anfangen. _Immerhin darf man auf Grund der

vielbesprochenen Textilfunde, die uns die Gobelintechnik selbst am Ausgang

 der Antike noch als übermächtig und maßgebend erwiesen haben,

die Vermuthnng aussprechen, dass sich an dem Webstuhl, der uns in

zwei (bildlichen) Exemplaren aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts

vorliegt, bis in die spätantike Zeit nichts Wesentliches geändert hat.

Erst die Verbreitung der Seiden-Kunstweberei scheint hierin eine gründliche

 Aenderung im Gefolge geführt zu haben: das Resultat derselben

muss die endgiltige Verdrängung des aufrechten einschäftigen Webstuhls

durch den wagrechten mit zwei (und noch mehr) Schäften gewesen sein.
            
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