Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 2)

Litteratur - Bericht.

Zur Aesthetik und Technik der bildenden Künste. Akademische Reden

von Sir Joshua Reynolds. Uebersetzt und mit Einleitung, Anmerkungen,

 Register und Textvergleichung versehen von Dr. Eduard

Leisching. Leipzig, C. E. M. Pfeffer, i8g3. 8". 325 S. M. 7.

Dieses Buch, mit welchem sich die sPhilosophische Gesellschaft an der Universität

zu Wienc als Erstlingsgabe in die Oelfentlichkeit einführt, gilt aeinem Inhalte nach mehr

der Kunst als der Philosophie. Es enthllt die Ansichten eines großen, mit philosophischer

Anlage begabten, über seine Kunst in allen Richtungen beobachtenden und nachdenkenden

Künstlers, die er in erster Linie seinen Schülern mittheilt. Insofern hier die Erfahrungen

des ausübenden Malers mit den Resultaten des Nachdenkens zusammenfallen, vermag

auch die philosophische Aesthetik daraus den größten Nutzen zu ziehen, und das umsomehr,

 als ia die moderne Richtung dieser Wissenschaft immermehr dahin strebt, ihre

Regeln von den Kunstwerken selber abzuleiten, nicht aber auf speculativem Wege zu

construiren. Die größere Bedeutung dieses Buches scheint uns jedoch auf dem praktischen

Gebiete zu liegen, indem hier ein Meister der Kunst, der erste Maler Englands, ein

Portrltmaler, der unter Allen seinesgleichen in vornehmster Reihe steht, mit einem von

Pedantcrie und Schulfuchserei völlig freien Geiste den Jüngeren die richtigen Wege

weiset und sie vor Irrthümern warnt. Wir mdgen mit manchem Urtheil nicht einverstanden

 sein, das sich z. B. über verschiedene Maler heute etwas anders festgestellt hat,

der absolute Werth des Buches kann aber in keiner Weise in Zweifel gezogen werden.

Wir glauben sogar, dass, wenn es wirklich von den lungern der Kunst studirt würde,

dasselbe gegenwärtig bei den Abwegen, welche die heutige Malerei in ihrer Neuerungesucht

 einschlagt, einen ganz besonderen Nutzen stiften konnte.

Wir betrachten es daher als ein Verdienst, welches sich Dr. Leisching durch die

Uebersetzung der fünfzehn Reden des Sir Joshua Reynolds erworben hat. Die Ueberaetzung

war nicht leicht, denn sie erforderte nicht blos ein gutes und klares Deutsch, sondern auch

ein Verstandniss ebensowohl in künstlerischen wie in philosophischen Dingen. Da diese

nothwendigen Eigenschaften sich in Dr. Leisching beisammen finden, so ist auch seine

Arbeit wohlgelungen. Er hat sich aber mit der Uebersetzung jener Reden, welche

Reynolds als erster und langjahriger Präsident der Akademie der Künste in London

gehalten hat, nicht begnügt; er hat ihnen eine Biographie des Malers voraufgeschiekt, die

Reden mit Anmerkungen und Daten begleitet und noch ein Verzeichniss von Stichen

nach Reynolds Werken, Vergleichung der Lesarten und ein ausführliches Register hinziigefugt.

 Wenn etwas an dem Buche auffallt, so ist es der Doppeltitel. Es wäre wohl

richtiger gewesen, den speziellen Titel: aAltadeinische Reden des Sir Joshua Reynoldss,

die ja doch den Inhalt bilden, als Haupttitel voraufzuschicken und die allgemeinere Bezeichnung:

 aZur Aesthetik und Technik der bildenden Künsten als Zusatz folgen zu

lassen. Findet man etwa das Buch mit seinem jetzigen Haupttitel citirt - denn der

ganze ist zu lang - so bleibt man über den lnhalt desselben im Unklaren. Wer aber

den zweiten Titel liest, weilt, dass er es mit den Ansichten. Meinungen und Erfahrungen

eines großen Künstlers zu thun hat, von denen er das Beste und Gediegenate über

das Wesen der Malerei erwarten darf. Und in diesem Sinne wird er sich nicht getauscht

Enden. J. v. F.

t

Die Malereien des Huldigungszimmers im Rathhause zu Goslar. Von

Gustav Müller-Grete. Mit (9) Illustrationen und (9) Lichtdrucktaf.

Berlin, G. Grote'sche VerlagsbuchhandL, 1892. 8'. lV, ttz S. M. 6.

Der reiche Bilderschmuck des sogenannten Huldigungszimmers im Rathhause zu

Goslar wurde in der kunstgeschichtlichen Litteratur bekanntlich seit langer Zeit dem

Nürnberger Maler Michael Wolgemut, dem Lehrer Albrecht Durers zugeschrieben. Der

Hildesheimer Kunsthistoriker J. M. Kratz hatte zuerst diese Zuschreibung, wie man

bisher annehmen musste auf Grund urkundlicher Nachweise, aufgestellt und am 3. Sepa

tember 1858 im Hildesheimer Allgem. Anzeiger veröffentlicht. Auf seine Angaben stützte

sich dann Mithoif in seinem sArchiv für Niedersachsens Kunstgeschichter, lll. Abtheil.

p. 33 E, und in sKunstdenkmale und Alterthümer irn Hannovefschens, lll. Bd. p. 63 E,

von wo aus die vermeintlich urkundlich feststehende Nachricht weitere Verbreitung

gewann. ln neuerer Zeit aber haben Robert Viscber in seinen aStudien zur Kunstgeschichtea

 (1886), p. 377 tf. und Henr Thode aDie Malerschule von_ Nürnberg im

XIV. und XV. Jahrhundert: (1891), p. tg , aus Gründen der Stilkritik die Richtigkeit

der durch Kratz vermittelten Angaben bezweifelt und von dein Ersteren wurde der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.