Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 3)

facher technischer Proceduren entsprungen. Der erste Versuch zu schneiden

oder zu bohren; der erste Versuch, ein kleines Quantum färbender Substanz

 auf die Oberfläche eines Gegenstandes zu bringen, lässt auch schon

die. Elemente entstehen, welche, den Bedürfnissen der Organe des Gesichtssinnes

 entsprechend gewählt und geordnet, zum schmtickenden Gebilde

werden. Linien und Liniensysteme, Punkte und Kreise, einzeln sowohl

als auch zu regelmäßigen Gruppen zusammengestellt und geraden Linien

oder regelmäßigen Curven folgend aneinander gereiht, Zickzacklinien etc.

finden sich häufig. Rhythmische Anordnung, Richtung andeutende Form,

symmetrische Gestaltung u. s. w. zeigt sich schon jetzt.

Unter den Versuchen, nachbildend die Erscheinung des sich physisch

 vor Augen Stellenden wiederzugeben, sind diejenigen besonders

zahlreich, welche sich gewisse Arten der Producte des menschlichen

Fleißes zum Vorwurfe nehmen, deren erstes Vorkommen außer allem

Zweifel nur auf Gründe der Utilität zurückzuführen ist! die gedrehte

Schnur, der geflochtene Zopf, alles Textile überhaupt. Solche Nachbildungen,

 sowie die ältesten, kindisch-unbeholfenen Versuche, Darstellungen

von Wesen pflanzlicher oder thierischer Art schmückend zu verwenden,

finden wir gleicherweise den Gesetzen der Anordnung unterworfen, was

umsomehr in's Auge springt, als die Urbilder, wie schon früher angedeutet

 wurde, nur in der allgemeinsten Form erfasst und wiederzugeben

versucht werden. AeuBerst gering ist die Fähigkeit, Einzelnheiten zu

beobachten, dagegen die Lust zu schmücken so groß, dass die roh gestalteten

 Menschen- und Thierfiguren, zierend verwendet, oft ihrerseits

wieder mit primitiven Ziermotiven bedeckt werden.

Die physiologisch zu begründenden Gesetze der Anordnung von

Form und Farbe sind mit dem ersten Versuche, Schmückendes und

Geschmücktes, Schöngebildetes und Verziertes zu schaffen, zur Geltung

gekommen und sie werden auch nur mit der Existenz des Menschengeschlechtes

 untergehen.

Sollte es nun nicht paradox klingen. wenn dennoch hier gesagt

wird, diese Gesetze seien nicht immer dieselben geblieben und würden

auch in Zukunft nicht dieselben sein? - Keineswegs! Denn nicht von

einer Veränderung des allgemein Giltigen kann die Rede sein, sondern

nur von der Verschiedenheit der Erkenntniss desselben sowie von einem

Wechsel des Besonderen; ferner von dem Grade der Verfeinerung der

zum Bewusstsein geförderten Mittel, die Forderungen des Auges zu befriedigen.

 Die Gesetze der Linienführung, der Distribution von Form und

Farbe, des Contrasles und der Harmonie der Farben bei fortwährend

sich vermehrenden Mitteln zur Erzielung einer reichen Scala, die Modificationen,

 welche die Ausübung jeglicher Kunstthätigkeit durch die Ein'

wirkung endlos sich fortsetzender Reihen technischer Errungenschaften

erfahren muss, die Rücksichten endlich, welche beim Schaffen der Kunstgebilde

 auf Zweck oder Bestimmung nothwendigerweise zu nehmen sind,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.