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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 4)

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Die zweite der genannten Gruppen unterscheidet sich wesentlich

von der eben erwähnten.

Wohlbedacht und systematisch arbeitend geht sie daran, die Erscheinungsformen

 der Natur, insbesondere der Pflanzenwelt, zu durchforschen

 und die einzelnen Species auf Entwicklung und Gestaltung zu

prüfen. Der hiebei eingehaltene Vorgang bezieht sich anstatt auf das unmittelbare

 Anschauen und Genießen und auf die vielleicht nur unbewusst

richtige Verwerthung des gewonnenen Eindrucks auf ein kritisches, bis

in die feinsten Einzelheiten gehendes Studium. Hiemit soll dem Ornamentiker

 Gelegenheit geboten werden, den" Weg des fortgesetzten Copirens

von Zierformen vegetabilischen Charakters zu verlassen, um auf diese

Art der Gefahr zu entgehen, statt des organisch Entwickelten, nach den

Gesetzen der Naturnothwendigkeit Gebildeten das todte Schema, die roh

verallgemeinte Form in Anwendung zu bringen. Ferner aber soll der

Künstler darauf hingewiesen werden, die Motive seiner Ziergebilde der

Flora seines Heimatlandes oder seiner Umgebung überhaupt zu entnehmen;

 Pflanzenformen hingegen, welche ihm an lebenden Exemplaren

wohl niemals zu Gesicht gekommen, nach Thunlichkeit zu vermeiden.

Dass Projecte solcher Art ihre gesunde Grundlage offen und klar

zu Tage treten lassen und hiedurch sogar manchen Skeptiker wenigstens

zur ruhigen besonnenen Prüfung der angestrebten Reformen nöthigen,

ist leicht erklärlich. ln der That scheint schon in der Einfachheit und

Deutlichkeit der Motivirung solcher Verbesserungsvorschläge, welche auf

eine in der angedeuteten Weise vorzunehmende Förderung des Natur.

studiums abzielen, die beste Gewähr für das Gelingen zu liegen.

Nutzen werden sie auf jeden Fall.

Wie weit sich aber dieser Nutzen erstrecken kann und wird, ist

erst zu ermessen, wenn in den verschiedensten Arten der Technik, in

den verschiedensten Zweigen der Kunsttlbung Aufgaben mit Zugrundelegung

 der neugewonnenen Erfahrungen zu vollständiger Lösung gebracht

sein werden.

Herstellungsart und Zweck dürften da gar oft die Benlitzung der

schönsten, wohldurchstudirten Form unthunlich erscheinen lassen. Manche

Aufgabe, welche vor ein paar Jahrhunderten noch in glänzender Weise,

gleichsam spielend, bewältigt wurde, dürfte mit Benützung des der Natur

entnommenen Formenschatzes entweder nur unvollkommen oder gar

nicht zu lösen sein.

Vergegenwärtigen wir uns eine solche Aufgabe" etwa in der Herstellung

 eines eisernen hohen Abschlussgitters, für den Chor eines Domes

bestimmt. Betrachten wir irgend ein solches aus den Zeiten der deutschen

Spätrenaissance oder der frühesten Barockkunst. Wohlgefügt und stark

sehen wirsdas Rahmenwerk, -wie es Meister Schmied nach seinen Erfahrungen

 und den Regeln seiner Kunst geschaffen. ln schöner Proportion

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