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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 4)

zeigt sich die Theilung und Anordnung des Gitters. Nichts ist zu plump,

nichts zu schwach gerathen. Weich und schmiegsam durchdringen sich die

zierlichen Voluten, lösen sich und vereinigen sich wieder in tändelndem

Spiel, ordnen sich an zu kräftigen, hochaufstrebenden Zügen, ausklingend

in rascher Bewegung wie in jubelnder Lustl Und das zierliche einfache

Blattwerk, welches dem Ganzen sich einfügt! Vom Windhauch bewegt

erscheint es dem Beschauer! Wir vergessen ganz, dass schwere Hammerschläge

 das sprühende Eisen so gestalten konnten, dass es uns wie ein

elastisches Gespinnst erscheint.

Wenig würde es heute den Verfertiger eines ähnlichen Objectes

fördern, wollte er seinen Entwurf zunächst mit Benutzung jener Formen

herstellen, welche aus den constructiven Entwicklungsgesetzen der Pflanzen

und der correspondirenden Bildung der Einzelheiten von Blatt und

Blüthe sich ergeben.

Weitaus am brauchbarsten erwiesen sich die gewonnenen Resultate

dieses Naturstudiums für die malerischen Fächer der Ornamentik, wie

überhaupt für jene Darstellungsweisen, bei welchen die nothwendigerweise

 zu berücksichtigenden bestimmenden Einflüsse des Materials und

der Technik in den Hintergrund treten. Ob sich aber gerade hier die

Beziehungen des Ausübenden zur neuen Richtung wirklich lebhaft gestalten

 werden, ist noch keineswegs mit Entschiedenheit zu bejahen. Zwei

Umstände dürften hier bestimmend einwirken: Erstens wurde an den

Lehranstalten, auf deren Thätigkeit die wichtigsten Fortschritte der decorativen

 Kunst während der letzten Jahrzehnte zurückzuführen sind, die

Bedeutung des Naturstudiums ohnehin stets als ein Cardinalpunkt in'sAuge

gefasst und durch die Praxis bethätigt. Für die Jünger dieser Institute

könnte es sich also in der Gegenwart höchstens um eine Modification der

Methode handeln, deren Nothwendigkeit nur in geringem Maße empfunden

wird. Zweitens befasst sich die neue Methode, so viel bis jetzt zu Tage

tritt, in erster Linie mit der Formengebung, ohne die Erörterungen des

so hochwichtigen coloristischen Princips damit in Verbindung zu bringen.

Der hauptsächlichste und größte allgemeine Nutzen aber, welchen

die mit so großem Eifer in's Leben gerufene Reform bringen wird und

muss, ist für den Ornamentiker in der Steigerung seines Bedürfnissen zu

suchen bei der Anwendung der Naturformen, insbesondere der pflanzlichen,

 der liebevollen intimen Durcbbildung des zu Schaffendeu seine

ganze Hingebung zu widmen, dabei aber doch den Bedingungen Rechnung

 zu tragen, denen jedes Kunstgebilde ohne Ausnahme zu unterordnen

 ist; welche, in ihrer Bedeutung unverändert fortbestehend, in

ihrer Gesammtheit Das zum Ausdruck bringen, was wir im Allgemeinen

als den Stil bezeichnen. Den Stil, der nie das Ergebniss der Schafen;

kraft eines Einzelnen ist, der als etwas Lebendes sich weiter entwickelt

zugleich mit und in Folge der von Generation zu Generation sich vermehrenden

 Ergebnisse der Erfahrung, - der Erfahrung, welche, so ein-1.


            
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