Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 4)

Michel zu erinnern. Später gewährte vor Allem der Hoftiteltaxenfonds

die Mittel für die Ausführung bedeutender Aufgaben ohne die hemmenden

Fesseln der Rücksicht auf Marktgeschmack und Marlttpreis oder auf die

Laune der Besteller. Es konnten Talente aus dem Dunkel hervorgezogen,

vergessene oder neue Arten der Technik versucht, die allgemeine Aufmerksamkeit

 euf Typen oder Stilformen gelenkt werden, die von der

Mode nicht beachtet waren.

So ist in dem Laufe dieses Vierteljahrhunderts eine große Zahl

von Gegenständen geschaiTen worden, die das günstigste Bild von der

Leistungsfähigkeit unserer Kunstindustrie in allen ihren Zweigen geben,

und mit Leichtigkeit konnten deren fünfzig für die Darstellung durch

die graphische Kunst bestimmt werden, ohne dass damit die Reihe vorzüglicher

 Arbeiten erschöpft wäre.

Die Wahl des Reproductionsverfahrens bot ebensowenig Schwierigkeit,

vielmehr die willkommene Gelegenheit, die Radirschule als wirklich integrirenden

 Theil der Anstalt vorzulühren. Eine gewisse Freiheit der

Bewegung muss dieser Abtheilung ebenso wie denen für Malerei und

Plastik gewahrt, sie darf nicht auf das unmittelbare Bedürfniss der

Gewerbe beschränkt werden; allein die Befriedigung eben dieses Bedürfnisses

 bleibt immer die Hauptaufgabe der Schule, und es kommt ihr

daher zu, die bisher vielfach verkannte Bedeutung der Aetzkunst für die

Wiedergabe kunstgewerblicher Objecte zur Geltung zu bringen. Die

großen Dienste, die uns die Photographie und die auf ihr beruhenden

Vervielfältigungsarten leisten, sollen gewiss nicht unterschätzt werden;

sie ermöglichen die Bereicherung des Lehrmittelschatzes in früher nicht

geahntem Umfang und mit verhältnissmäßig geringen Kosten, doch bleibt

bei allen Kunstwerken, die nicht in einer Ebene liegen, vollkommene

Genauigkeit in der Wiedergabe der Verhältnisse unerreichbar, und die

Natur vieler Stoffe bereitet kaum liberwindliche Schwierigkeiten, vor

Allem jedes glänzende Metall. Umgekehrt ist der Radirer, der den

Gegenstand mit aller Treue zeichnet, auch im Stande, das Material und

das" Spiel des Lichtes vermittelst der Aetzung so zur Anwendung zu

bringen, dass beinahe Farbenwirkung erreicht wird.

Dieser Vorzug kann nun noch erhöht werden durch Heranziehung

des farbigen Druckes. Von der vorjährigen Ausstellung im Museum her

sind noch die von einer bemalten Platte gedruckten Stiche, Radirungen,

Schabkunstblätter wohl in Erinnerung. Aber abgesehen von einigen

Grabstichelarbeiten Peter Schenk's sahen wir diese Manier nur für

Figutenbilder, vorzugsweise Bildnisse, und Landschaften benutzt. Die

gedachte Publication wird also etwas so gut wie gänzlich Neues bringen,

indem sie dasselbe Verfahren für Werke aller der Künste, die man

technische oder gewerbliche nennt, anwendet, und es lässt- sich hoffen,

dass dieses Beispiel nicht ohne Nachahmung bleiben werde.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.