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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 6)

gebogenen oder rechteckig gebrochenen Linien, versteigt sich aber auch

zu Reihen entenartiger Vögel, kleiner Männchen, zuletzt sogar zu ganzen

Kriegern mit Helm, Schild und Speeren, zu Hirschen und Sphinxen.

Dabei erscheint statt der älteren missfärbigen oder ungleichen eine ausgesprochen

 rothe, braune oder schwarze Oberfiäche.

Der Haupttypus unter den Bronzegefäßen ist die unverzierte, conische

 Situla mit zwei Henkelreifen. Die meisten anderen, in Thon vorhandenen

 Formen, Reifencisten, Fußschalen, Tassen u. s. w. erscheinen

auch in Bronze, so dass man erkennt, woher die Töpfer ihre neuen

Muster nahmen. Die alterthlimlichen Palstäbe und Rasirmesser vcrschwinden

 nach und nach; dafür bietet sich zunächst eine andere leicht

gekrümmte Messerform. Die Fibeln werden viel häufiger: es finden sich

bis zu zwanzig Stück in einem Grabe, was vielleicht auch mit einer

Aenderung der Tracht zusammenhängt. Neu sind die mit buntemaillirten

Perlen besteckten Gewandhaften. Ueberhaupt erscheint jetzt mehr Schmuck

aus Bernstein, Bein, Glasemail. Bronzearmbänder sind mit Biberzähnen

und Bernstein eingelegt, Halsbänder aus Glas- und Bernsteinperlen zusammengesetzt.



Gold und Silber sind noch selten; doch zeigt sich schon vielfach das

Eisen, wo früher nur die Bronze angewendet wurde: in Pferdegebissen,

Dolchen, Messern, aber auch im Schmuck, bei Armbändern, Fibeln,

Ringen, was wieder lehrt, dass dieses Metall doch noch eine gewisse

Kostbarkeit besaß.

Jedenfalls hat sich die Metallzufuhr gegen das Ende der Villanovastufe

 auch in Oberitalien erheblich gesteigert. Man besaß schon einheimische

 Bronzewerkstätten. Aus einer derselben stammt der von Zannoni

herausgegebene Metallvorrath von 15.000 meist unbrauchbaren Obiecten,

welche in einem thönernen Fasse bei dem Thore San Francesco in B0-logna

 geborgen waren. Diese Depotfunde, deren Zannoni in seinem Werke

über die fonderia di Bologna eine lange Reihe aus ganz ltalien, meist

aus Oberitalien, aufzählen konnte, gewähren uns eine anschauliche Vorstellung

 von der Art und Weise des vorgeschichtlichen Metallvertriebes.

Zannoni theilt sie in drei Classen. Die erste trägt den Charakter kleiner

Vorräthe herumziehender Bronzehändler, welche ihre Waare aus Furcht

oder aus anderen Gründen der Erde anvertrauten und nicht wieder behoben.

 ln der zweiten Classe erkennt man ähnliche Depots herumziehender

Bronze a r b c i te r gleich den modernen KesselHickern und Zigeunerschmiedenr

Sie enthalten alle möglichen Objecte, theils ganz, theils zerbrochen und

dabei Merkmale von Gussthätigkeit. Die dritte Classe bilden endlich

solche größere Depots, welche sich nach der Menge und Verschiedenheit

der Gegenstände als Ueberreste ständiger localer Gussstätten definiren

lassen. Der Zeit nach reichen diese Hinterlassenschaften aus der reinen

Bronzezeit tief in die erste Eisenzeit hinein. Der Fund von San Francesco

ist um 600 v. Chr. unter die Erde gelangt.
            
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