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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 7)

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15. Jahrhunderts zurück zu verfolgen. Unter den nicht zu datirenden

mögen wohl auch noch ältere vorkommen. Diese Taufbecken sind sämmtlich

 von der Gestalt einer umgekehrten Glocke, auf drei Füßen stehend,

welche zumeist als fratzenhafte Menschengestalten gebildet sind. Die Form

der älteren dieser Becken zeigt ein strammeres Profil als die der jüngeren,

wodurch die Glockenform sich dem Aussehen eines konischen Bechers

nähert. Dern Zwecke entsprechend, ist die durchschnittliche Gesammthöhe

dieser Objecte ungefähr ein Meter, die Weite der Becken jedoch sehr

verschieden. Reiches figurales Bildwerk, die Gestalten Christi und der

Evangelisten, der Apostel etc., sowie Schriftbänder und Ornamente

bedecken in der Regel die Außenfläche der Becken. Durch Bernhard

Gruebers) wurden nähere Nachrichten über viele der besten dieser

Arbeiten und über die Meister derselben veröffentlicht, welch' Letztere

sehr häufig auch den Erzguss, namentlich den Glockenguss, pflegten. So

der ältere der beiden, in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zu Kuttenberg

 lebenden Brüder Ptäöek, welche die 270 Centner schwere Glocke

für den Prager Dorn gossen. Von ihm erfahren wir, dass er für die

Dechanteikirche zu Nimburg sowohl eine reich ornamentirte Glocke als

auch ein zinnernes Taufbecken herstellte. So auch der als hervorragender

Künstler gerühmte Bronze- und Zinngießer Briccius, der sich selbst

auch Brykryus von Cinpergk heißt. Doch fehlte es auch nicht an

Künstlern, welche sich ausschließlich mit dem Zinnguss beschäftigten.

Grueber nennt unter Anderen aus dem 15. Jahrhundert auch einen Rath

und Primator zu Königgrätz, Namens Petrus, dessen Thätigkeit als Zinngießer

 schon durch seinen Beinamen nCantaristau angedeutet ist.

Außer den Werken großer Dimensionen, wie die Taufbecken und

die bis zwei Meter und darüber hohen Standleuchter aus Zinn, welche

in den Kirchen Böhmens noch erhalten sind, müssen Zinnarbeiten kleinerer

Art, zum praktischen Gebrauch oder zur Ausstattung dienend, in großer

Anzahl in Böhmen angefertigt worden sein. Wie weit die italienischen

Zinngießer, welche unter der Regierung Karl IV. sich zahlreich in Böhmen

ansiedelten, sich an solchen Arbeiten oder aber an der Herstellung der großen

Objecte betheiligten, ist wohl bis jetzt nicht festzustellen. Für die Thatsache

 jedoch, dass der Zinnguss daselbst überhaupt in bedeutender Ausdehnung

 geübt w11rde, zeugt allein schon der Umstand, dass im 14. Jahrhundert

 zu Prag eine in städtischem Besitze befindliche Schmelzhütte,

und zwar im Frohnhof (Teinhof) existirte, in welcher Tafelgeräth

(Schüsseln, Teller, Löffel etc.) aus Zinn gegossen wurden. Hübsch,

welcher hievon berichtet"), bezieht sich hiebei auf die im Prager Stadtbuche

 Nr. t S. 209 befindlichen diesbezüglichen Satzungen.

') Di: Kunst des Minelnhcrs in Bohmen.

") A. a. O. p. H9.
            
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