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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 8)

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Die Ursachen des Rückganges der Zinngießerei näher anzudeuten,

würde zu weit führen. Die Vervollkommnungen auf dem Gebiete der

keramischen und der Glasindustrie, insbesondere auch die Erfindung des

Porzellans haben zu diesem Rückgang zuletzt wohl am meisten beigetragen,

früher jedoch schon hat die künstlerische Entwickelung der Zinnarbeiten

sicher auch durch die Wirren des dreißigjährigen Krieges bedeutende

Einbuße erlitten.

Vielleicht am constantesten hat sich innerhalb der kurzen Zeit,

welche für die Zinnbearbeitung überhaupt in Betracht zu ziehen ist, ein

besonderer Zweig derselben zu erhalten und zu behaupten gewusst: die

Erzeugung der Beschläge von Trinkgeschirren; der Klappdeckel und der

Fussreifen. Sie sind es, welche wenigstens in gewissen Dislricten noch

angefertigt wurden, nachdem längst schon der Bauer das letztemal sein

schadhaftes Zinngeschirr in die Stadt getragen hatte, nicht um es wie

sonst umgießen zu lassen, sondern um für den aus demselben erzielten

mageren Erlös einige Hafnerwaare mit nach Hause zu nehmen.

ln unserer Zeit knüpfen die Bestrebungen, die Zinngießerei auf's

Neue zu beleben, wieder an jenen Gewerbszweig an, welcher sich mit

der Herstellung der accessorischen Bestandtheile von Trinkgeschirren

befasst. Namentlich wurde in süddeutschen Städten bei der Vorliebe für

eine gewisse gemüthlich-derbe Ausstattung des Hausrathes auch den

Kannen und Krügen als Prunk- und Gebrauchsgeschirr vermehrte Sorgfalt

 gewidmet. Solche Gefäße wurden mit mehr oder minder reich ausgestatteten

 Zinnbeschlägen versehen ß) oder auch ganz aus Zinn gegossen.

Zinngießereien wie von Lichtinger in München oder Pruckner in

Landshut thaten sich hervor. In Böhmen hatte J. C. Ertel in Eger

schöne Erfolge aufzuweisen und der Grazer Zamponi schuf mit seinen

geätzten Zinngefäßen einen beliebten Artikel. Doch ist im Ganzen und

Großen der Erfolg solcher Leistungen beeinträchtigt durch die Erzeugung

") Auf einige unterscheidende Merkmale zwischen alten und neuen Krugdeckeln

mag hier nicht ohne Nutzen hingewiesen werden. Der alte Deckel lässt sich stets aufklappen,

 ohne dass hiebci der Schwerpunkt des Gefaßes seine Unterstützung verliert.

Zu dem Ende ist der obere Ansatz des Ohrhenkels und das (bei sorgfültig gearbeiteten

Exemplaren stets fünftheilige) Deckelcharnier möglichst nahe dem Gefäßrand

angebracht. Moderne Deckelkrüge entbehren dieses Vortheils vielfach. Bei der Herstellung

 der Steinzeug- oder Glaskrüge wird keine Rücksicht auf die günstige Anbringung

 von Beschlägen genommen, der Ohrhenkel viel zu lief angesetzt und so der

Zinugießer genötbigt, den weitabstehenden Deckel auf einer langen, senkrechten, in

kurzer Zeit locker werdenden Stütze anzubringen. Praktische Nachtheile bringen auch

die bel modernen Deckeln oft viel zu großen als Drücker angebrachten Figuren. Die

Formen der alten Drücker sind auf nur wenige einfache Typen zurückzuführen, von

welchen nur die (hohl gegossenen und daher leichten) ei- oder kugelförmigen in verhaltnissmüßig

 großen Dimensionen vorkommen.

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